Anekdoten aus dem Unterricht #15

2013-04-29 11.31.44Während einer ruhigen Arbeitsphase in der 8. Stunde entsteht in einer Ecke meiner 5 plötzlich Getuschel. Carstens Radiergummi ist verschwunden und es entsteht Unruhe. “Wo ist mein Radiergummi?” “Keine Ahnung!” “Einer von euch hat ihn doch!” “Schau mal im Mülleimer, ganz unten!” … “Da ist er nicht.” “Dann ist er da hinten beim Sofa!”

Das geht minutenlang so. Irgendwann habe ich die Faxen dicke. Die ganzen Tipps zum Suchen kommen natürlich von Stefan, dem Klassenclown, der – wie sollte es anders sein – völlig unschuldig ist. Zornig breite ich vor meiner Klasse aus, wie sehr mich dieses Kindergarten-Theater nervt – wer auch immer diesen verdammten Radiergummi wo-auch-immer hingeworfen hat, er soll ihn augenblicklich zurückgeben.

Doch niemand regt sich.

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Kindheitstrauma

Klasse 11, Physik.
Ein Schüler kommt niedergeschlagen auf mich zu. “Herr Klinge, Sie haben meine Kindheit zerstört!”

Irritiert hebe ich eine Augenbraue.

“Ich war in Stirb Langsam 5 im Kino… Aber das war nicht mehr dasselbe.” Er seufzt schwer.

Ich grinse innerlich. Großartig. Einfach großartig!

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Schule im Schaubild.

Elternsprechtag (& Mathematik mit Glasknochen)

Donnerstag war Elternsprechtag. Bis Mittags haben wir regulär Unterricht und nachmittags bis abends dann im 10-Minuten-Takt Gespräche mit den Eltern. Für einige Kollegen bedeutet das, von morgens 8 bis abends 20 Uhr ununterbrochen zu reden, zuzuhören und im Gespräch zu sein.
Je nach Disziplin und Redebedarf werden die Takte mehr schlecht als recht eingehalten, es entstehen Schlangen und die Stimmung sinkt.

Aber genug des Lamentierens! Ich liebe Elternsprechtage! Wirklich wahr! Meine Klasse hat sich arg viel Mühe gemacht, unser Klassenzimmer aufzuräumen (und im Übereifer sogar den OHP völlig zerlegt und geputzt..), meine neue Co war gut gelaunt und so stand

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Aktionstag: Saubere Schule

IMAG0827_ZOE014Wie an (fast) allen öffentlichen Einrichtungen ist auch bei uns der Zustand der Toiletten “suboptimal”. Bei knapp tausend Schülern hat man einfach immer ein paar Sonderfälle Idioten, denen es eine Freude ist, sich dort auszutoben.
Heute war an unserer Schule zu diesem Zweck ein Aktionstag. Und mit meiner Klasse habe ich etwas besonderes entworfen.

Vorlese-Bücher

Eine Kollegin nutzt die letzten Minuten spätnachmittags oft, um ihrer Klasse aus einem Buch vorzulesen. Die Schüler machen es sich auf ihren Plätzen bequem und lassen den Schultag ausklingen. Die Zeiten, in denen der Großvater am Kamin saß und einem “Gullivers Reisen” vorlas, sind vermutlich ebenso vorbei, wie jene, in denen die Schüler selbst noch gelesen haben.

Wie viele gute Ideen habe ich auch diese schamlos abgekupfert. Als strengster Lehrer der Schule muss ich immer auch aufpassen, dass die Stimmung nicht ‘kippt’: Wenn meine Rolle als Klassenlehrer sich allzu sehr auf das Disziplinieren und Organisieren beschränkt, rutsche ich womöglich in dieses “oh shit, Papa kommt abends von der Arbeit und jetzt gibts Ärger wegen xyz”. Dann wird instinktiv der Kopf eingezogen, wenn ich den Raum betrete – und das will ich nicht.
Lehrerarbeit ist vor allem Beziehungsarbeit – und Vorleserituale helfen mir, diese Beziehung positiv zu gestalten. Tatsächlich liebt meine Klasse diese Nachmittage. Ich darf meiner Vorliebe fürs Theater gerecht werden und mit verstellter Stimme erzählen, quicken, flüstern, zischen, brüllen und grunzen.

In den vergangenen Wochen haben wir “An der Arche um 8” von Ulrich Hub und Jörg Mühle gelesen. Ein sehr lustiges Buch über zwei Pinguine, die auf die Arche dürfen um die Sintflut zu überleben, und heimlich ihren Freund mit an Bord schmuggeln.
Das Buch ist so kurz, dass man auch bei zerteiltem Lesen nicht den Faden verliert und es ist so amüsant geschrieben, dass die Schüler immer wieder lachen müssen. Eine wirkliche Empfehlung.

Konkrete Frage an euch: Habt ihr Büchertipps?

Die böse Hure Bab… äh.. Amazon.

Was wurde nicht alles über Amazon geschimpft. Nach einer Reportage im Februar über den Internetversandhändler Amazon brach ein Shitstorm über den Konzern herein. Aktuell kann man sich die Dokumentation “Ausgeliefert” in der ARD-Mediathek ansehen. Das Personal wird in “heruntergekommenen” Quartieren untergebracht, Mitarbeiter würden “abgefüttert wie die Schweine” und um jenen Menschen ein Gesicht zu geben, portraitierte man die polnische Leiharbeiterin Agnieszka Lewandowska. Dort das böse amerikanische Unternehmen, hier die einfache Frau aus dem Volk.

Doch halt!

Plötzlich kommt heraus, dass die Dokumentation vorne und hinten fehlerhaft ist. Der Speiseraum im Keller des gezeigten Hotels existiere überhaupt nicht.

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Die “Siegener Zeitung” war da.

2013-03-12 08.43.16Heute war eine Redakteurin der Siegener Zeitung in meiner Inklusions-Klasse. Die Redakteurin stellte sich zunächst den vielen Fragen der Kinder und beantwortete sie geduldig. Bei “Wie viel Papier verbrauchen Sie pro Tag?” fiel mir spontan eine Fermi-Aufgabe dazu ein, die Frage “Lügt Ihre Zeitung auch manchmal?” wurde geschickt mit einer Anekdote umschifft und bis schließlich die Kinder interviewt wurden war schon die halbe Stunde vergangen.

Ob es etwas besonderes an dieser Klasse gäbe. Wie die Kinder das empfunden hätten, in einer Inklusionsklasse zu sein. Was der Schule noch fehle, um der Inklusion noch mehr gerecht zu werden. Auch ich wurde ein bisschen ausgefragt und musste mich zurückhalten, um nicht Quatsch zu erzählen. “Ja, seit das Wetter besser sei, würde ich die Schüler auch weniger schlagen.”

Der tatsächliche Hintergrund ist jedoch ein ernster. Von der Stadt aus haben meine Zwillinge nur die Erlaubnis, die Klassen 5 & 6 an unserer Schule zu besuchen. Wie es danach weitergeht… keine Ahnung. Ohne Aufzug kommen sie nicht in die Fachräume und oberen Etagen der Schule und die Stadt ist von den notwendigen Investitionen wenig begeistert. Die beiden nach zwei Jahren an eine andere Schule zu schicken, ist aber sicher auch nicht so elegant.

Jahresprojekte (2)

Ich erwähnte zu Beginn des Jahres, dass einige aufregende Projekte anstünden. Nun, nach einigen Wochen, möchte ich Rechenschaft ablegen berichten, wie es so läuft.

NW-Workbook

Zusammen mit einer großartigen Kollegin arbeite ich seit Dezember an einem Workbook für das Fach NW, welches bei uns in der Klasse 5 und 6 unterrichtet wird. Die Arbeit daran kommt sehr gut voran – ich freue mich schon sehr auf die Einheit. Nebenher erstelle ich ein zweites Heft für mein aktuelles Thema (“Die Sonne”).

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Das ganze muss aus Kostengründen so “grau” aussehen, weil jeder Schüler ein komplettes Heft erhält.

 

Physik 12.1

Nicht viel weiter bin ich mit meinen Planungen für das nächste Physikjahr.
Ich hatte erwogen, eine Lerntheke zu machen, die sich spielerisch in immer höheren Niveaus mit der E-Lehre auseinandersetzt. Eine Idee sind Karten, in denen die Schüler in die Rolle von Polizisten schlüpfen und Schaltpläne analysieren und z.B. Bomben entschärfen (“Die Spannung soll um 4 Volt abfallen – musst du dafür den blauen oder den roten Draht durchschneiden?”). Herausfordernd dabei der Gedanke, auch Gegenkarten zu entwerfen und als Terroristen Schurken jeweils immer komplexere Bomben Baupläne erstellen zu müssen.

Aber sicher gibt es dann Leute, die sich darüber echauffieren, ich würde sozusagen CounterStrike im Unterricht spielen.

Ich sprach mit den Schülern über die Problematik. Ihnen ist der Ärger völlig egal – sie hätten sehr viel Lust, Räuber und Gendarm zu spielen. Der spielerische Zugang dazu motiviert sie sehr. Meine Kollegen zeigten sich eher skeptisch. Auch sie sehen den positiven, motivierenden Ansatz, befürchten aber eine das nahe Ende meiner Lehrerkarriere. Zumindest haben sie schon angefangen, meinen Platz im Lehrerzimmer neu zu vergeben.

Wenn jemand einen alternativen Vorschlag hat oder eine Meinung dazu abgibt, wäre ich dankbar :-) .

 

Modellbau

Außerdem baue ich ja gerade mit meinem 6er AT-Kurs an einem riesigen Modell unserer Schule. Das ist durchaus herausfordernd, weil unsere Schule aus vielen, unterschiedlichen Gebäuden besteht und außerdem an einem Hang steht, so dass die Vermessung sich als äußerst schwierig erwiesen hat. Aber es geht voran. Am Ende wird das Modell gute 2,40 Meter lang, also ordentlich.

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