Liebes Ministerium,

OneNote class notebooks

Microsoft hat sich in letzter Zeit bemüht, Schulen kostengünstiger mit Office auszustatten und in diesem Zusammenhang endlich OneNote die Bedeutung verliehen, die es verdient:

Mit “OneNote Class Notebook” kann man ein zentrales Klassenbuch erstellen, das in drei Bereiche unterteilt ist: Schüler-Notizbücher, eine klassengemeinsame Inhaltsbibliothek und ein Bereich für Zusammenarbeit kleinerer Schülergruppen. Das sind weit mehr Möglichkeiten, als ich sie mit meiner simplen Lehrer-zu-Lehrer-Kooperation nutze. Kostet aber auch weit mehr. So hübsch Microsofts Werbe-Video mit glücklichen Lehrern und begeisterten Kindern auch anmutet – weder haben meine Schüler genug Geld für Surface 3-Tablets, noch ich selbst.

Der Grundgedanke dahinter ist jener, der auch 4teachers.de antreibt: Zusammenarbeit.

Es braucht keine teuren Windows Tablets und auch keine Microsoft Office-Umgebung. Schulen müssten nicht mit der neuesten Hard- und Software ausgestattet sein, um die Lehrqualität entscheidend nach oben zu treiben:

Liebes Ministerium: Baut uns Lehrern doch einen Supermarkt. Einen bundesweiten Supermarkt der Ideen und Arbeitsblätter. Gerne auch einen leeren – wir füllen ihn dann selbst. Das kostet nicht viel, spart langfristig Milliarden (!) und macht uns zu glücklicheren, besseren Angestellten des Landes.

Wie wärs?

Weshalb PowerPoint großartig ist!

Man kann die vielen Abgesänge auf PowerPoint gar nicht mehr zählen. Ob der SPIEGEL (Schluss mit dem Powerpoint-Massaker) oder der Lehrerfreund (Powerpoint-Pest) – allenthalben wird über das Programm (und die Benutzer) geschimpft, dabei gibt es nicht nur unglaublich fantastische Präsentationen, wie bspw. der Vortrag “Identity 2.0” von Dick Hardt1 (wirklich sehenswert – so geht’s auch!), sondern Powerpoint bietet gerade Lehrern nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten.

“nahezu unerschöpfliche…” bitte was?! Wo denn?

Beim Erstellen von Unterrichtsmaterial.

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Apps für den Unterricht #14

Screenshot_2014-08-21-08-43-09Von einem Leser (Danke, Markus!) wurde ich auf ein schülerfreundliches Angebot des DUDEN-Verlags hingewiesen, welches ursprünglich von hier stammt:

Ich nutze im Unterricht gerne die App “Formelsammlung” (hier für Android, hier für iOS) auf meinem Tablet. Um ein Extra-Buch mitzuschleppen, brauche ich irgendwelche Formeln zu selten – nutze die App aber oft genug, dass mich Schüler darauf ansprachen.

Durch die Beantwortung einer Frage unter dem Punkt “Freischalten” lässt sich die App… nunja… freischalten.
Ich bin etwas unsicher, ob ich die Antworten hier direkt schreiben darf und möchte ungern vom DUDEN-Verlag juristisch angezeigt werden. Leider habe ich telefonisch dort niemanden erreicht.
Mit freundlicher Genehmigung des DUDEN-Verlags darf ich auch weiter über das Angebot berichten und hier die Lösungen präsentieren. Danke!

Die Lösungen zum freischalten der App lauten:
• Höchste Stadt Deutschlands: Oberwiesenthal
• Einwohnerzahl von Hamburg 2008: 1771000
• Abkürzung GE: GEORGIEN, Tiflis
• Abkürzung BZ: BELIZE, Belmopan
• Abkürzung BT: BHUTAN, Thimphu

Danke nochmal für den Hinweis. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, einfach App schließen und nochmal probieren. Viel Freude!

Der letzte Abend.

Bis in den Nachmittag war es eine fantastische, vollumfänglich großartige Klassenfahrt und (wie immer?) fragt man sich im nachhinein, was man hätte tun können; warum man nicht einen Tag vorher abgereist ist.
Hätte. Wenn. Möglicherweise.

Aber der Reihe nach.

In einem anonymen Lehrerblog könnte ich an dieser Stelle mit Pseudonymen und Details aufwarten, die hier aber fehl am Platze und letztlich völlig uninteressant sind. Nur soviel: Es ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen und es ist auch nichts zerstört worden. Es wurde zu wild getobt und am Ende gab es viele Tränen und Vorwürfe und Anschuldigungen.
Um zu verdeutlichen, wie schwierig der Lehrerberuf auch sein kann, möchte ich euch heute ein Stück weit in diesen letzten Abend mitnehmen, der exemplarisch für hunderte Klassenfahrten von hunderten Schulen steht. (Ich werde gleiche alle möglichen Handlungsmuster aufzeigen, die so gestern gar nicht vorgekommen sind – aber das wird gleich klar.)

Bereit?

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Schummeln und Spionieren mit Smartwatches

2014-08-20 19.37.11

Ohne auf das (für sich selbst sprechende) “Neuland”-Zitat unserer Kanzlerin anspielen zu wollen, ist die technische Entwicklung der vergangenen 10 Jahre atemberaubend.
Das Schule stark von der Politik bestimmt wird, bemerkt man (auch) daran, dass wir es kaum schaffen, mit dem technischen Fortschritt mitzukommen.
Während ich mich noch ohne Wikipedia zum Abitur geschummelt habe, führte die Klasse meines Bruders ein eigenes Forum und übersetze im Schwarm die Französisch-Lektüre.

Stets hängt die Schule hinterher.

2014-08-20 19.38.12Nach vielen Jahren Facebook gibt es nun unsinnige Diskussionen darüber, ob Lehrer mit Schülern befreundet sein dürfen, ob Lehrer einen Account besitzen dürfen und überhaupt. Erst im April durfte ich im ARD-Morgenmagazin dazu ein paar Worte sagen. Eine Diskussion über whatsapp steht uns noch bevor. Neuland halt.

Und während zu Beginn von Klausuren immer noch die Lehrer herumlaufen und verkünden “die Speicher der Taschenrechner müssen gelöscht sein!” rollt die nächste Welle technischer Errungenschaften über uns: Google Glass.   Elektronische Kontaktlinse.   Smartwatches.

Eine Smartwatch gibt es inzwischen kostenlos zum Handy dazu und abgesehen vom Uhr anzeigen ist sie vor allem eine Mischung aus Fotoalbum, PDF-Reder und Wikipedia. Damit zu pfuschen ist so unfassbar einfach, dass sich die Schulen (und Universitäten) ganz schnell Gedanken machen sollten.
Zwar müssen unsere Schüler vor Klausuren ihre Smartphones abgeben – das hindert sie jedoch nicht daran, auf dem Klo mit einem Zweithandy nach Antworten zu googlen. Eine Smartwatch wird den wenigsten Kollegen auffallen, hat bei einer Klausur aber den gleichen Effekt wie ein aufgeschlagenes Lehrbuch. Muss ich zukünftig alle Handys und Uhren einsammeln wie das in Belgien üblich ist?

Schulentwicklung ist da ein unglaublich spannendes Feld und ich bin wirklich gespannt, wie sich das Verhältnis ‘technische Aufrüstung’ vs. ‘Prüfung’ in den kommenden Jahren weiterentwickelt.

Und wie sieht es im Mutterland der Technologie aus? Südkorea? USA?
In der kleinen Stadt Dubuque in Iowa dürfen müssen die Schüler zukünftig Pulsuhren tragen, damit die Lehrer beim Sportunterricht nur noch denjenigen gute Noten geben, die sich auch wirklich anstrengen:

“It will be a large portion of their grade, because we want to grade them on what they’re actually doing in our class,” Dubuque Schools Athletic and Wellness Director Amy Hawkins told ABC News.

Der Hersteller der Uhren zeigt auf seiner Homepage fröhliche, gutaussehende Lehrer und begeisterte Kinder.
Spannend, wie in den USA Kinder unter dem Deckmantel der Pädagogik medizinisch ausspioniert werden, während wir hier diskutieren, ob ich dem Rüdiger via Facebook mitteilen darf, dass er morgen erst zur 2. kommen muss – oder ob ich damit gegen Dienstrecht verstoße.

Rememer, remember…

Amüsant übrigens, dass in verschiedenen Kommentarspalten empfohlen wird, heimlich zu masturbieren: Das würde schließlich Puls und Blutdruck nach oben treiben und am Ende seien alle glücklich: “So ein fleißiger Junge – der bekommt eine Eins!” Zwinkerndes Smiley