Notenschlüssel

IMAG0026_1Carolina ist in ihrem letzten Grundschuljahr.
Das Zeugnis, welches sie nächste Woche erhält ist (mehr oder weniger) entscheidend für den weiteren Verlauf ihrer Schulkarriere. Daher habe ich mir ihre Klassenarbeiten in den letzten Monaten etwas genauer angesehen und bin irritiert: Nicht, dass ihre Noten schlecht wären – aber oft reicht schon ein Fehler, um kein “sehr gut” mehr zu schaffen. Die Bewertung scheint mir auch an anderer Stelle oft hart.

Beim Schulentwicklungsgespräch frage ich die Klassenlehrerin nach dem Notenschlüssel der Schule. Ein solcher Schlüssel beschreibt, wie viel Prozent richtige Antworten welcher Note entspricht.

”Ab 98% gibt es ein ‘sehr gut’” erklärt mir die Kollegin. “Ab 88% ein ‘gut’, ab 75% eine ’Drei’ und für eine ‘Vier’ braucht man 50%.”

Eine Grundschulkollegin aus dem Bekanntenkreis bestätigt mir, dass sie ähnlich bewerten würde.
Ich bin erstaunt. Erst recht, wenn ich den Notenschlüssel mit dem meiner Schule vergleiche. Genau wie die Grundschule ist auch eine Gesamtschule eine Schule “für alle Kinder”. Anders als Hauptschule oder Gymnasium haben wir eine extrem unterschiedliche Schülerschaft. Unser Notenspiegel orientiert sich an den Vorgaben für die Zentralen Abschlussprüfungen bzw. für das Abitur in NRW. Alle Klassenarbeiten in allen Fächern werden bei uns nach dem gleichen Schlüssel bewertet:

100% – 87% Note 1
86% – 73% Note 2
72% – 59% Note 3
58% – 45% Note 4
44% – 18% Note 5
17% – 0% Note 6

 Da ergibt sich ein anderes Bild.

Ich drücke meine Irritation im Gespräch auch aus. “Wenn ich erst ab 98% ein ‘sehr gut’ verteilen würde, dann wäre das für viele Kinder ein ziemlich trauriges Schulleben.” Die Grundschulkollegin stimmt mir zu, erwähnt aber auch, dass sie trotzdem von Seiten der Eltern oft unter Druck stünde, deutlich härter zu bewerten. “Manche haben Zweifel, wie die Kinder überhaupt das Gymnasium schaffen sollen, wenn sie von hier kommen.”

Platt gesagt: An der weiterführenden Schule wäre jede Arbeit meiner Tochter stets eine Note besser bewertet worden. Von einem bayrischen Gymnasium weiß ich, dass sie auch (mehr oder weniger) unseren Schlüssel benutzen. Ich will dabei die Grundschule gar nicht groß kritisieren: Die machen da eine ganz wunderbare Arbeit und Carolina freut sich jeden Tag auf die Schule.

Ich finde das Ganze eher schwer zu beurteilen – zunächst einmal, weil ich kein Grundschullehrer bin und überdies, weil mir die langjährige Erfahrung fehlt. Aber eliminiert man mit der Grundschulversion nicht de fakto die Note “sehr gut”? Ein Fehler im Diktat. Irgendwo einmal verrechnet. Führt das nicht womöglich dazu, dass die Eltern den Druck auf die Kinder erhöhen oder diese den Spaß an der Schule verlieren? Es ist ja auch nicht so, als wären die Noten bedeutungslos: Es geht um den weiteren Bildungsweg.

Wie seht ihr das?
Und wie sieht der Notenschlüssel bei euch an der Schule aus? (Und erwähnt dabei zur Orientierung bitte Schulform und Bundesland.) Ganz besonders interessieren mich die Erfahrungswerte von Grundschulkollegen.

Einige Projekte für 2015

20141228_121347Die Ferien sind fast rum und dieses kleine Blog geht in sein sechstes Jahr – unglaublich, wie die Zeit vergeht.

Die Ferien habe ich sehr genossen und auch zwei Wochen lang nicht das Bedürfnis verspürt zu bloggen oder für die Schule zu arbeiten. Bailey hat das erste Mal in ihrem Leben Schnee gesehen – und lieben gelernt. Weihnachten war irgendwie zwischen “abgeklärt für die Große” und “noch nicht magisch für die Kleine”. Das wird in den nächsten Jahren sicher anders. Silvester ist nicht so meins: ich komme aus einer Ärztefamilie, da wurden Neujahr immer die ‘abgerissene-Finger’-Geschichten erzählt und so richtig Lust auf Böllern hat dann niemand.
Erst in den letzten Tagen habe ich mich wieder an den Schreibtisch gesetzt und noch korrigiert und etwas Unterricht vorbereitet.

Große Bauchschmerzen bereitet mir dabei der Technikkurs meiner eigene Klasse: In der 7.2 steht das Thema “Energie” auf dem Lehrplan – aber damit werde ich nicht so richtig warm.
Ich möchte keinen zweiten Physik-Unterricht machen und nach und nach Elektrizitätsenergie, Wärmeenergie, mechanische Energie etc. abarbeiten. Jede Stunde mit einem Experiment und einer Folgerung. Der Vorteil daran wären vier Stunden Physik pro Woche – aber unter “Technikunterricht” verstehe ich eigentlich etwas anderes. Gerade das bauen und “werken” macht vielen Kindern Spaß. Die Papierbrücken haben für große Begeisterung gesorgt. Darüber hinaus darf ich meine zwei Schülerinnen mit Glasknochen nicht vergessen – viele Arbeiten sind für sie sehr mühsam.
Wenn ihr da Ideen und Vorschläge habt, freue ich mich sehr.

Überdies stehen in diesem Jahr noch ein paar weitere Projekte an.

  • mit meinem WP1-Kurs “Arbeitslehre Technik” (=Werken) in der 8 stecke ich mitten in einem Elektronik-Jahr. In den vergangenen Monaten habe ich diesen Kurs mithilfe eines selbsterstellten Workbooks strukturiert. Das hat prima geklappt und ich möchte das Heft gerne bis zum Sommer fertigstellen.
  • im nächsten Schuljahr möchte ich mit eben diesem Kurs eine komplette Produktfertigung (angelehnt an das 15-Euro-Mikroskop) mit der 16-Schritte-Methode (mehr dazu beizeiten) durchführen. Das wird jedenfalls großartig!
  • in diesem Jahr führe ich eine Mathematik-10 zum Abschluss. Damit schließen sich so langsam die letzten Lücken: Bald habe ich jedes Thema einmal gemacht und auch zu jedem dieser Themen eine Lerntheke erstellt. Bald kann ich mich daran machen, Fehler auszubessern, Fotos durch freie Bilder zu ersetzen und die Lerntheken Stück für Stück zum öffentlichen Download komplett freizugeben. (Das wird aber sicher noch etwas dauern.)
  • Wirklich unzufrieden bin ich mit meinem Physikunterricht. Sicher, er funktioniert und es sind auch ein paar Highlights drin (über die ich auch schon geschrieben habe) – aber insgesamt bin ich unzufrieden. Ich brauche noch etwas Zeit, um herauszufinden, woran genau es liegt – aber das darf muss besser werden.
  • Ab Sommer wird außerdem unsere Schule um einen weiteren Zug erweitert. Über diesen Umzug werde ich sicher auch das ein oder andere Mal schreiben.

Auch privat wird das Jahr aufregend: Unsere Vorbesitzer haben den Pool im Garten in einem restaurierungsbedürftigen Zustand hinterlassen – wir müssen erst mal entscheiden, ob wir ihn abreißen oder instandsetzen wollen. In jedem Fall  kommt noch Arbeit auf mich zu. Außerdem kommt Lina in eine weiterführende Schule und Amélie lernt krabbeln; letzteres wird in Kombination mit dem Hund noch spannend.

Euch jedenfalls einen guten Start ins neue Jahr und vielen Dank fürs Lesen! :-)

Rückblick und Ausblick

2014-12-12_13.00.08Nachdem der Anfang des Schuljahres mit meiner Klasse sehr schön, aber auch wirklich anstrengend war, hat sich das Geschehen nach den Herbstferien deutlich entspannt. In der 7. Klasse ist die Spannweite zwischen hochgradig und noch nicht pubertierenden Kindern enorm groß. Die Synapsen der Kinder feuern in alle Richtungen und es erfordert ein gehöriges Maß an Geduld und Anstrengung, diese Horde im Griff zu behalten.
Einmal mehr – und immer wieder – möchte ich betonen, dass der entscheidende Punkt die Zusammenarbeit mit den Eltern ist. Wir wissen, dass wir uns immer melden können und Unterstützung erfahren würden. Selbst die größten Rabauken der Klasse sind – objektiv betrachtet – harmlose Lümmel (ein herrliches Wort), weil Eltern und Lehrer gemeinsam Grenzen setzen und die Richtung vorgeben. Das  ist wirklich toll und ich erwähne das, weil ich es auch anders kenne.

IMG_20141128_104804Im Technikunterricht haben wir uns das vergangene Halbjahr mit Papierbrücken beschäftigt. Nach einem ersten Experimentieren und Forschen habe ich die Klasse in 4 Gruppen geteilt (zwei Jungen- und zwei Mädchengruppen) um sich komplett auszutoben.
Der Arbeitsprozess war sehr spannend zu beobachten. Bei den Jungen herrschte eine Art Neandertaler-Politik: Es wurde so lange herumgekaspert und gezankt, bis ein Herrscher erkoren war. Ab da ging es gut voran. Die Mädchen dagegen waren sehr auf sozial orientiert. Sie wollten keine Anführerin und waren entsprechend weniger zielstrebig im Arbeiten. Mit jeweils 7 Leuten waren die Gruppen sehr, sehr groß – eigentlich ein Unding. Es war mir aber wichtig, dass die Kinder sich trotzdem arrangieren, alle Mitglieder einbinden und es schaffen, aufkommenden Frust abzubauen. Je weiter die Projekte voranschritten, desto besser gelang ihnen das. Herausfordernd ist allemal die Inklusion: Zwar haben meine zwei Schülerinnen im Rollstuhl einen extra niedrigeren Tisch – aber gemeinsames Arbeiten ist dann trotzdem umständlich. Immerhin lässt sich  mit Glasknochen Papier leichter verarbeiten, als Holz.

Mit den Endergebnissen sind jedenfalls alle zufrieden.

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Am letzten Schultag hatte die Klasse gefragt, ob wir Wichteln würden, aber ich habe das abgeschmettert (das klingt jetzt arg hartherzig..). Meiner Erfahrung nach sind Wichtelgeschenke vor allem Müll und selten wirklich toll – also haben wir statt dessen gefrühstückt und jeder hat selbstgebackene Kekse mitgebracht. Das war auch schön.
Außerdem haben ein paar Jungs Hammer und Nägel besorgt und wir haben unsere Bilderwand im Klassenraum mit ein paar aktuellen Fotos erweitert. Auf die Frage, ob wir die alten Bilder aus der 5. Klasse abnehmen oder bis zum bitteren Ende hängen lassen wollen, kam ein klares “uuunbedingt hängen lassen!”

20141219_105546Es handelt sich um die ganz billigen IKEA-Bilderrahmen und obwohl meine Schüler Jungs beim Toben alles zerlegen, was nicht niet- und nagelfest ist, wird auf die Fotowand sorgsam geachtet. Sie gibt dem Klassenraum etwas familiäres, was mir sehr gefällt.

Traditionell endet der letzte Schultag mit einem Bläserkonzert auf dem Schuldach. Dabei spielen die Bläser (Lehrer, Ehemalige und Schüler) nicht nur für die versammelte Schülerschaft, sondern für das ganze Dorf. Hinterher gibt es Dank-Anrufe im Sekretariat aus dem Ort.

Das ist alles ganz schön Idylle hier.

Im nächsten Jahr wird es natürlich aufregend: Unsere Schule wird endgültig auf 5 Züge erweitert – das zweite Gebäude ist aber 15 Fußminuten entfernt. Die Realisierung wird spannend.
In den Ferien steht eine Korrektur an, außerdem muss mein Elektronik-Workbook erweitert werden. In der zweiten Jahreshälfte steht in Technik das Oberthema “Energie” an – da möchte ich eine passende Stationenarbeit entwickeln. Aber nicht mehr vor Weihnachten.

SEfU oder: Die Crux mit dem Feedback

Ich habe eine Feedbackrunde in einer meiner Klassen durchgeführt und spannende Ergebnisse erhalten. Die Frage ist aber – was mache ich jetzt damit?

Vergangene Woche habe ich meinen 10er Mathematik-Kurs geben, meinen Unterricht auszuwerten. Dazu habe ich die SEfU-Webseite benutzt.

Die Abkürzung “SEfU” steht für “Schüler als Experten für Unterricht“. SEfU ist ein Instrument zur Selbstevaluation des eigenen Unterrichts, das speziell für die Unterstützung der individuellen Unterrichtsentwicklung von Lehrerinnen und Lehrern konzipiert wurde. Es bietet der bzw. dem Lehrenden die Möglichkeit, sich ein Bild über den eigenen Unterricht zu schaffen, und zwar aus Sicht derer, für die er gestaltet wird: die Schüler.

Der SEfU-Fragebogen wird seit Februar 2005 im Online-Verfahren von der Friedrich-Schiller-Universität Jena betreut, wissenschaftlich begleitet und fortlaufend weiterentwickelt.

Dort muss ich mich anmelden und meinen Kurs “registrieren”. Anschließend erhalte ich einen Haufen Zugangsschlüssel, die ich den Schülern aushändige. Der Vorteil: Sie müssen sich nicht registrieren oder irgendwelche Daten angeben – der Schlüssel führt direkt zum richtigen Bogen.

Das habe ich gemacht.
Zwei Aspekte haben die Ergebnisse maßgeblich beeinflusst: Erstens ist die Klasse mir sehr ans Herz gewachsen – wir haben eine Menge Unsinn miteinander getrieben und vor Jahren bspw. mit dem DFB zusammengearbeitet. Das verfärbt die Antworten zu meinen Gunsten.
Zweitens: Die Auswertung erfolgte direkt nach einer schweren Mathematikarbeit. Das sorgt wiederum eher für negative Rückmeldungen.

SEfU bietet eine wirklich tolle, fachspezifische Auswertung. Es beginnt mit einer allgemeinen Erhebung:

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Es ist erst einmal schön zu sehen, dass ein großer Teil der Schüler gern in die Schule geht – sich unabhängig davon aber alle in der Klasse sehr wohl fühlen. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Aussagekraft ihrer Antworten. Ein Kurs, indem sich niemand wohl fühlt und alle Schule als Zeitverschwendung empfinden, wird definitiv anders antworten.

Anschließend erfolgt eine detaillierte Auswertung der Schülerantworten:

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Über viele Antworten freue ich mich, aber natürlich gibt es immer ein, zwei Schüler die unzufrieden sind. Das ist schade, lässt sich aber kaum vermeiden, besonders nicht in den Hauptfächern.

Toll finde ich:

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Doof finde ich:

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Schließlich gibt es noch ein Feld für freie Antworten, im positiven (“Ich finde toll”) wie im negativen (“Ich wünsche mir von ihm..”). Ein kleiner Auszug:

  • Am liebsten hätte ich ihn für immer in mathe den er gibt mir den arschtritt den ich brauche

Bzw.

  • Mehr rote Stationen [also schwerere Aufgaben]
  • Manche Schuler könnten sich [Anm.: … durch meine flapsige Sprache] nicht wohl fühlen, dass ist zwar witzig für alle anderen, aber für den Betroffenen ist das ¨nicht schön und er fühlt sich dadurch evt. benachteilig und unwohl
  • Ich wurde gerne mal Hausaufgaben auf bekommen. […] Nach meiner Meinung beabeiten wir zu wenig im Buch und müssen viel zu sehr eigenständig arbeiten. Wir sollten auch zwei Stunden in der Woche an der Tafel Aufgaben bei denen Schüler schwierigkeiten haben zusammen besprechen

[sic!]

Und nun?
Seit einigen Tagen durchdenke ich diese Ergebnisse und vergleiche sie mit meinen eigenen Erfahrungen in der Universität, wo solche Auswertungen mittlerweile üblich sind. Der Ansatz von SEfU lautet “Schüler als Experten für Unterricht” – und schon da zweifle ich.
Beispiel oben: Klar wünschen sich die Genies der Klasse noch mehr “Rote Aufgaben”. Meine Erfahrung ist aber, dass sich auch sehr gute Schüler bisweilen in ihre Spezialaufgaben verrennen und schlussendlich die Basics aus den Augen verlieren. Es hat also seinen Sinn, dass auch die Leistungsstärksten die Grundlagen wiederholen müssen.
Oder: Klar ist der ein oder andere vom eigenständigen Arbeiten genervt – aber ich verfolge ja einen Zweck damit. Die SchülerInnen sollen auf die Oberstufe bzw. ein Berufsleben vorbereitet werden.

Letztlich kann ich die Kritikpunkte der Schüler komplett nachempfinden – ich werde sie aber nicht ändern, weil ich ja gute Gründe dafür habe. Das aber führt zu einem Problem: In der Uni hat mich seinerzeit sehr genervt, dass die Professoren zwar Auswertungsbögen herumgaben – letztlich aber gar nichts verändert haben. Bei mir bzw. den Studenten entstand Frust und die (berechtigte) Frage, wozu man da überhaupt irgendwas ankreuzen solle. Gleiches würden womöglich meine Schüler empfinden – darum würde (und werde) ich mit Feedbackbögen sehr vorsichtig umgehen.

Schüler als Experten für Unterricht? Schwierig.
(Um ein plakatives Beispiel zu bringen: Ich koche für meine Tochter. Trotzdem ist sie kein “Experte für Kochkünste”, denn ihre Kritik besteht stets aus “zu viel Gemüse” und “zu wenig Schokolade”. Die Aussagekraft ist aber eher marginal.)

Es bleibt trotzdem die Frage, welchen Nutzen ich aus diesen Daten ziehen soll.
Nach einigen Tagen des Grübelns und Durchdenkens, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich so eine Auswertung nicht wiederholen werde.
Ich kann (rede ich mir zumindest ein) sehr gut damit leben, wenn Schüler mit mir sprechen und Wünsche oder Kritik äußern. Beides ist in der Vergangenheit oft geschehen und ich habe mich auch schon bei Schülern für dieses oder jenes entschuldigt. Aber so anonymisierte Kritik (“Bitte mehr mit dem Buch arbeiten”) nervt mich eher – ich habe ja Gründe, das nicht zu tun und möchte das lieber erklären können. Und natürlich finden Sabine und Jeremy es womöglich nicht toll, dass ich ihnen permanent Druck mache (“in den Arsch trete“) und sie antreibe – trotzdem ist das nötig, damit sie einen Schulabschluss erreichen.

Am Ende bleibt von dieser Erhebung, dass die meisten zufrieden sind, Das wusste ich aber auch vorher schon.

Wie handhabt ihr das?
Nutzt ihr Feedbackbögen? Habt ihr schon Aspekte eures Unterrichts auf Basis solcher Erhebungen verändert?

Schülerhirn im Unterricht (SiS)

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Vertretungsstunde in meiner eigenen Klasse. Die Jungs sind aufgedreht und unruhig. “Timo”, greife ich mir einen raus und plötzlich wird es ganz still, “du darfst jetzt entscheiden: Ihr könnt Handy spielen und quatschen und tun, was ihr wollt… für etwa 30 Sekunden. Danach endet meine Geduld und ihr bekommt eine Stillarbeit. Oder ihr werdet jetzt leise und wir schauen uns Christians Gehirn an.”

Timo zögert.

Gleichzeitig (!) lehnen sich die Banknachbarn von links und rechts zu ihm rüber und flüstern halblaut durch die Klasse: “Nimm die 30 Sekunden Handy! 30 Sekunden, Mann! Handy!!!”
Dabei grinsen sie mich wie Verrückte an.

Im Stillen beiße ich mir auf die Zunge um nicht loszulachen. Am Ende wird sich aber doch für die Alternative entschieden.

Einer meiner Schüler hat eine Untersuchung im MRT über sich ergehen lassen müssen. Schon vor Wochen hatte ich ihn gebeten, vom Krankenhaus die Bilder anzufordern und mitzubringen – damit könne man im Physikunterricht ganz wunderbar arbeiten.

Und das tun wir dann auch.
Während wir uns Scheibe für Scheibe durch den Kopf arbeiten, betrachten wir die verschiedenen Hirnareale, erläutern den Unterschied zwischen MRT und CT und schaffen die Verknüpfung zum aktuellen Physikthema (Elektrostatik – Mit einem geladenen Plastikstab kann man einen Wasserstrahl ablenken). Die Kinder berichten von Unfällen im Bekanntenkreis die mit Kopf oder Wirbelsäule zu tun haben und wir erinnern uns gemeinsam an das, was wir bei unserem Erste-Hilfe-Kurs gelernt haben.

Am Schluss haben wir versucht, die einzelnen Bereiche des Gehirns zu benennen, was mich zu einem neuen ‘Schule im Schaubild’ führt:

 

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