Ich bin ein guter Lehrer.

Manchmal muss man sich das selbst sagen. Manchmal muss ich meine Kollegin bezahlen bitten, damit sie mir das sagt. Wenn ich ganz verzweifelt bin, frage ich einen Fünftklässler. Die sind immer begeistert.
Aber es gibt Sternstunden in der Schule. Augenblicke, in denen die Zeit still steht. Und heute war so einer. Ein richtig guter.

Zur “Freude” meiner Schüler habe ich nämlich die Angewohnheit, Facebook-Freundschaften rigoros auszunutzen. Ich kommentiere peinliche Bilder (“Christian bückt sich vor einer Nashorn-Statue”), gebe hilfreiche Tipps bei Statusupdates (“Laaaaangeweile”) und frage nach, wenn bestimmte Apps (“Würdest du mit Jan-Martin Klinge ein Date wollen?”) mir eine Antwort schuldig bleiben.

Ich liebe das.

Meine Schüler nicht.

Heute hatte ich in einer zehnten Klasse Mathematik. Eine Schülerin bat mich, ihr die Lerntheke zukommen zu lassen. “Schreib mir eine E-Mail”, entgegnete ich, “oder noch einfacher: Via Facebook. Da gibt es keinen SPAM-Ordner.”
Die Schülerin verharrt kurz. Vor meinem Account-Reset waren wir auf Facebook ‘befreundet’. Auch sie wurde schon Opfer meiner Kommentarkultur.

“Wenn ich Ihnen auf Facebook schreibe, muss ich dann nicht wieder mit Ihnen befreundet sein?”, fragt sie stirnrunzelnd. Ich lache. “Nein, du kannst mir einfach so schreiben.” 
Erleichterung spiegelt sich in ihrer Miene.

“Gut. Ich habe nämlich daraus gelernt!”

Yes!
Ich bin ein guter Lehrer!

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