Schülervorstellungen

Was ich am Physikunterricht wirklich schätze, sind die spannenden Fehlvorstellungen bei Schülern. Denn natürlich bin ich selbst auch nicht frei davon. Was ist zum Beispiel Strom? Wie kann man sich Spannung und Stromstärke vorstellen? Aus der Schule (und zahlreichen Büchern) habe ich die Vorstellung, dass Strom (also Elektronen) kleine gelbe Kügelchen sind, die durch die Leitung rasen. Eine Modellvorstellung natürlich. Aber eine, die sich festgesetzt hat. Herausfordernd ist es, im Unterricht Modelle zu benutzen, die gleichzeitig intuitiv verständlich sind – aber auch nicht zu weiteren Fehlvorstellungen führen.

imageZum Thema Spannung und Stromstärke habe ich in Martin Kramers Buch “Physik als Abenteuer” eine Anregung gefunden, die ich heute unbedingt ausprobieren musste. Sehr zum Leidwesen meiner 10er, die mir entgeistert durch die Stunde folgten.
Kramer ist Theaterpädagoge und setzt oft die Schüler selbst als Modelle ein – und das klingt stellenweise so skurril, dass ich das unbedingt ausprobieren musste. Im Verlauf der Stunde wurde ich, wurden alle Schüler zu Elektronen. Eine leichte Spannung ist vorhanden, wenn die Elektronen auf den Stühlen stehen – eine höhere Spannung, wenn sie auf den Tischen stehen. Doppelt so hoher Tisch –> doppelt so hohe Spannung (und doppelt so hohe Leistung). Die Stromstärke lässt sich in diesem Modell leicht als die Anzahl der Schüler/Elektronen auf einem Tisch darstellen. Doppelt so viele Schüler –> doppelt so hohe Stromstärke (und doppelt so hohe Leistung – womit man auf P=U*I stößt).

Und gerade in dem Moment, als mein halber Physikkurs auf den Tischen steht und eine imaginäre Glühbirne zum Leuchten bringt, während ich auf dem Lehrerpult stehe und dirigiere und gerade als ich zu glauben beginne, der ein oder andere Schüler könnte eine konkrete Vorstellung von ‘Spannung’ und ‘Stromstärke’ gewinnen, öffnet sich die Tür.
Ein Kollege guckt rein. Legt die Stirn in Falten. Grinst und geht wieder.
Hach”, wird er gedacht haben, “diese Physiker.

Nächste Woche werde ich dann endlich wieder meine zwei Lieblingsversuche durchführen: Stellvertretend für einen menschlichen Körper werde ich eine Wurst an die Steckdose  “anschließen” um die Gefahren des elektrischen Stroms zu verdeutlichen – zu sehen hier. Und die Schüler werden einen kleinen Bruchteil der Steckdosen-Spannung von 230V am eigenen Körper erleben. Das wird für den ein oder anderen womöglich etwas schmerzhaft – aber schließlich soll Schule auch was beibringen, nicht? Smiley mit geöffnetem Mund

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