Zwei Tage. Drei Fortbildungen.

Ich bin von Natur aus ein ziemlich neugieriger Mensch. Ich will gerne wissen, wie die Dinge funktionieren und wenn ich etwas nicht verstehe (was ziemlich oft vorkommt), dann frustriert mich das ungemein. In den vergangenen Jahren habe ich in meinen Freistunden oft bei Kollegen hospitiert – ich war neugierig auf anderen Unterricht, andere Lehrertypen und andere Klassen. Dieser Drang treibt mich immer noch um und diese erste Schulwoche nach den Osterferien bot reichhaltig Gelegenheit, mich zu bilden.

Berichtigungen – einmal anders denken

Gestern bot eine Kollegin im Rahmen unseres schulinternen Kurskiosks eine Fortbildung mit dem Titel „Berichtigungen – einmal anders denken“ an. Ich erwähne an dieser Stelle, dass ich Berichtigungen besonders in Mathematik für ziemlichen Quatsch halte: Wer nach vier Wochen Übung immer noch nicht schriftlich multiplizieren kann, der wird es auch nicht lernen, wenn er von seiner versemmelten Klassenarbeit nochmal die Musterlösung abschreibt.
Besagte Kollegin geht jedoch einen anderen Weg, der mir gut gefiel. Auf zwei Sätze reduziert geht es im Kern darum, sich sechs typische Fehler der Arbeit herauszusuchen und dann in einer Tabelle zu notieren:

FehlerDas habe ich falsch gemacht.Lösung
2x=6   | -2
x=4
Ich habe die 2 subtrahiert. Die Verknüpfung von 2 und x ist aber „mal“, also
müsste ich durch 2 teilen. 
2x=6   |:2
  x=3       

Ihrer Erfahrung nach gehen die Schüler ihre Fehler nun gezielter an. Am Anfang gab es noch häufiger die sinnfreie Begründung „Ich habe mich verrechnet“, aber inzwischen häuften sich die Momente, das die Schülerinnen und Schüler sich über ihre Fehler ärgerten. Das System hat sie verbunden mit einer Feedbackkultur, bei der sich die Schüler mehr und zielgerichtetere Kommentare wünschten und auch äußerten, dieses Fehlerkorrekturblatt vor der kommenden Klassenarbeit nochmal studieren zu dürfen.

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Microsoft Teams

Abends dann mit Andree Körber ausgetauscht. Körber ist Schulleiter eines Gymnasiums in Heidelberg und hat via Twitter (nochmal und nochmal die Empfehlung: Twitter ist eine der besten und schnellsten Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer) angefragt, ob sich nicht Leute gemeinsam zu Microsoft TEAMS austauschen wollten.
TEAMS ist ein Programm von Microsoft, das als eine Art Eingangsportal für Schulen und Firmen fingiert, die mit Office 365 arbeiten. Auf den ersten Blick ersichtlich ist die Chat-Funktion, die es auch ermöglicht, verschiedene Kanäle und Untergruppen zu bilden. So kann sich die versammelte Fachschaft Physik in den jeweils passenden Kanälen über Jahrgangsstufe 5, 6 usw. unterhalten und in weiteren Kanälen über Anschaffungen, Prüfungen und die Lehrplanarbeit. Außerdem bietet Teams die Möglichkeit, mit Schülern zu kommunizieren und OneNote Kursnotizbücher in Klassen einzubinden. Außerdem noch 1000 Dinge mehr, von denen ich keine Ahnung habe.

Und genau deswegen haben wir uns abends noch ausgetauscht. Via Teams lassen sich nämlich wunderbar Massen-Videokonferenzen durchführen und wir haben uns eine Stunde lang Einblick in die Arbeitsweisen unserer Schulen gewährt. Das war unheimlich spannend und hat für mich ein wenig Licht ins Dunkel gebracht.
Vor einigen Wochen hatte ich auch die Gelegenheit, mich mit den Programmierern hinter TEAMS zu unterhalten. Auf meine Bemerkung, die Oberfläche sei für mich zu kompliziert, insbesondere, was die Rechtevergabe anginge, erhielt ich zunächst irritiertes Unverständnis. Wieso ich diese Aufgabe denn nicht an den Systemadministrator abgäbe? wurde ich gefragt. „Nun“, erwiderte ich, „weil in Deutschland die Systemadministratoren meistens Lehrer sind, die nachmittags Youtube gucken und sich dadurch fortbilden!“

Man versprach, diesen Aspekt im Hinterkopf zu behalten. Bis es soweit ist, bleibt es bei einer inoffiziellen Vernetzung von Lehrern via Twitter (und natürlich Blogs).

Gesamtschule in Unna

Heute dann Fortbildung Nummer 3: Es ging nach Unna. Die dortige Werner-von-Siemens-Gesamtschule hat sich vor fünfzehn Jahren auf den Weg gemacht, Tabletklassen einzuführen und ihr Schulleiter nahm sich den Vormittag Zeit, uns davon zu berichten. Wie verschiedene Schulen in enger Zusammenarbeit mit der Stadt welche Entscheidungen getroffen haben. Welche Hardware-Entscheidungen sich als blöd herausgestellt haben. Welche Stolperfallen drohen. Welche Fettnäpfchen sich vermeiden lassen. Wir haben ein bisschen von unseren Ideen erzählt und stießen auf wohlwollende Zustimmung. Das klänge doch alles recht durchdacht. Wunderbar! Auch wir sind da in ganz enger Kooperation mit der Stadt Siegen.

Zwei Tage, dreimal Fortbildung. Nebenher Unterricht und wieder im Schulalltag ankommen. Die nächsten organisatorischen Dinge stehen schon an und es bleibt eine intensive, arbeitsreiche Zeit. Weiter, immer weiter!

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