Vom Mittelmeer in die Notaufnahme an den Schreibtisch

Als Familie sind wir urlaubsmäßig besonders mit zwei Ländern verbunden: Dänemark und Frankreich. Mit beiden verbinden wir unglaublich positive Erinnerungen und erholsame Zeiten. Dieses Jahr haben wir uns Südfrankreich als Ziel auserkoren und uns auf zwei Wochen Sonne, Pool und Ausflüge gefreut. Mein Schulfranzösisch reicht gerade noch aus, um meine Frau zu beeindrucken und das savoir vivre entspricht unserem Bild vom Leben.

Ich bin normalerweise nicht so der Urlaubsmensch. Ich verspüre weder das Bedürfnis, andere Länder und Städte kennenzulernen noch gehöre ich zu den Menschen, die – „work hard, play hard“ –  im Urlaub alles nachholen müssen, was sie im Alltag vermissen. Oft reichen mir zwei, drei Tage Ruhe um wieder Kraft zu tanken. Aber die vergangenen Monate waren wirklich anstrengend: Meine Frau hat jede Menge Hochzeiten und Kindersegnungen „abgearbeitet“ und ich wachse immer noch in meine Rolle in einer Schulleitung hinein. Dazu der Start unserer Tabletklassen… Ein Mangel an Arbeit war nicht zu erkennen, und so haben wir uns als ganze Familie ganz besonders auf diesen Urlaub gefreut: Die Kinder können schwimmen und sind auch mal in der Lage, ein paar Schritte zu Laufen und etwas Kultur zu ertragen – insbesondere, wenn es um Naturkundemuseen geht. 14 Tage Sonne, Wein und Ausflüge! Auf geht’s!

Gerne hätte ich dieses Jahr auch wieder ein Reisetagebuch geschrieben, dessen Inhalt sich wie folgt zusammenfassen hätte lassen:

  1. Tag: Wunderbare Orte besichtigt und das Wetter genossen. Trotz Mückenspray nachts hier und da gestochen worden.
  2. Tag: Noch mehr Ausflüge gemacht. Mehr Kerzen, Sprays und Insektizide gekauft. Noch mehr Stiche nachts.
  3. Tag: Rosafarbenes Meer. Im Zimmer keine Spur von Mücken. Nichts zu hören, nichts zu sehen. Auch in der Matratze keine Spuren von Insekten. Mehr Chemie. Mehr Stiche.
  4. s.o.
  5. s.o.
  6. Tag: Inzwischen hat jeder von uns mehrere hundert (!) Stiche am ganzen Körper und es wird klar: Das hat keinen Sinn mehr.

Einen Eindruck davon, wie wir aussehen, vermittelt dieses Bild auf Wikipedia. Alles kribbelt und wir werden von Leuten auf der Straße kritisch beäugt, als hätten wir die mittelalterliche Pest. In der nächsten Apotheke schaut man entsetzt und gibt uns Antihistaminika, die nicht helfen. Tragisch – unsere Nachbarn, die sich die Doppelhaushälfte mit uns teilen haben vier Mückenstiche – verteilt auf vier Personen. Es ist, als gäbe es ein Wespen/Mücken/Ameisennest im Gemäuer unseres Hauses mit Zugang zu unserem Schlafzimmern. Frustriert fahren wir zurück und machen nach zwölfstündiger Fahrt noch Abstecher in die Notaufnahme – wo man uns am liebsten direkt dabehalten hätte. Was genau diese Stiche verursacht hat, kann man uns aber auch nicht sagen.

So sitzen wir jetzt also wieder zu Hause. Alles kribbelt und juckt und ich warte nur darauf, dass sich unter meiner Haut widerliche Würmer entlangwinden. Die letzten vier Nächte praktisch kaum geschlafen – inzwischen sorgt die Psyche dafür, dass man sich ständig kratzen muss. Ich weiß nicht genau, wie wir es heil nach Hause geschafft haben. Am frustrierendsten aber ist: Kommenden Freitag feiern meine Frau und ich unseren 16. Hochzeitstag – und den hätten wir gerne in einem französischen Restaurant bei Wein und Kerzenlicht gefeiert. Blöd. Aber noch ein paar Nächte länger in diesem Haus und wir hätten ihn womöglich gar nicht mehr gefeiert.

Ab morgen heißt also, ein alternatives Ferienprogramm ausdenken. Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich sprichtwörtlich Hummeln im Hintern (haha) und freue ich mich auch unbändig wieder am Schreibtisch sitzen zu dürfen. Ich habe soooo viele neue Ideen für das Schuljahr und muss noch haufenweise kleinere Projekte auf meiner ToDo-Liste abarbeiten.

Ab sofort ist der Wecker wieder auf 6 Uhr morgens gestellt und es geht weiter, immer weiter.

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