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Diesmal anders: ‚Teamtreffen: Neue 5‘

Heute habe ich ich mit den Klassenlehrkräften der kommenden Jahrgangsstufe 5 zusammengesetzt. Im Normalfall nutzen wir das Treffen gegen Ende des Schuljahres dazu, organisatorische Abläufe bzgl. des Schulanfanges abzusprechen, Räume zu verteilen und uns ein wenig auf die neuen Kinder einzustimmen.

Dieses Mal wählte ich eine andere Vorgehensweise.

Teamstrukturen sind an unserer Schule enorm wichtig. Je intensiver Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten, desto effizienter wird mit den vorhandenen Ressourcen (Zeit, Energie, Räume) umgegangen. Entsprechend habe ich dem Team Fragen an die Hand gegeben, gefolgt von einer Murmelphase mit dem Nachbarn und dann einem gemeinsamen Austausch.

Zunächst:

  • Denke ich an das vergangene Schuljahr, haben mich folgende Situationen gestresst…
  • In diesen Situationen habe ich mich überfordert gefühlt bzw. bin an meine Grenzen geraten.

Erst einmal nachgedacht, dann mit dem Nachbarn gemurmelt und dann ausgetauscht. Wichtig aber schwierig der Balanceakt: Ich sitze als Mitglied der Schulleitung in der Runde und davon kann ich mich nie ganz befreien. Mir ist wichtig, dass man miteinander ins Gespräch kommt und ich sehe mich als Teil dieses Teams 5. Der Aspekt ist mir insbesondere wichtig gewesen, als wir danach zu Frage 2 kamen:

  • Was ist mein blinder Fleck? Worin muss ich besser werden?

Obwohl die Gesprächsrunde offen und kooperativ war, habe ich hier auf den öffentlichen Teil verzichtet. Ich wollte niemanden in die Bredouille bringen, sich vor Kollegen oder der Schulleitung die Blöße zu geben und über eigene Schwächen zu sprechen. Nach der Murmelphase sind wir deswegen zum Schluss übergegangen:

  • Was bereitet mir, im Hinblick auf das kommende Schuljahr, die größten Bauchschmerzen?

Manche Kollegen hatten noch nie eine 5. Andere haben Sorgen bzgl. der Einrichtung der Tablets. Besonders spannend – und ausdrücklich positiv – war, dass jemand sagte: „Ehrlich gesagt, Jan: Du bereitest mir die größten Bauchschmerzen. Ich kenne deine Erwartungen nicht.“
Diese Aussage hat mich wirklich gefreut, denn ich interpretiere sie als Indiz für unsere offene Gesprächsatmosphäre. Unser Teamtreffen ‚Neue 5‘ erinnerte vielleicht eher an eine Gruppentherapiesitzung, als ein Orga-Team.

Aber genau das wollte ich auch: Ich will, dass die Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten, verbindliche Absprachen und Regeln vereinbaren und einander unterstützen und immer weiter professionalisieren. Ich will eine Schule mit offenen Türen sein, bei der niemand sich verstecken muss, wenn er an einer Stelle scheitert. Aber natürlich habe ich auch den Anspruch, dass mit „Scheitern“ konstruktiv umgegangen wird: Der Job ist und bleibt und wird stets anstrengend sein – viele Probleme der Gesellschaft müssen wir in der Schule auffangen. Expertise einzelner Lehrkräfte muss in die Breite getragen werden, bis alle auf einem so professionellen Niveau arbeiten können, dass im jährlichen Mitarbeitergespräch niemand mehr sagt, seine berufliche Belastung liege bei einer 8 von 10.

Das heute war ein richtig guter, erster Schritt.

Der ganze Orgakram kann auch warten.

3 Gedanken zu „Diesmal anders: ‚Teamtreffen: Neue 5‘“

  1. Das ist ein spannender Ansatz.
    Mir fehlt noch der positive Blick: was kann helfen, mit den als schwierig empfundenen Situationen hilfreich umzugehen? Schulleitung kann da viel möglich machen, ich erlebe das aber leider noch zu selten.
    Und auch in diesem Beitrag fehlt mir, dass darauf eingegangen wird. Probleme benennen können, ist noch keine Verbesserung.

    1. Ich glaube zu verstehen, was du meinst – möchte aber Folgendes zu Bedenken geben:
      Zum einen denke ich, dass die Erkenntnis „wo läuft es gut, wo läuft es schlecht“ entscheidend ist, um im (Berufs-)leben voranzukommen. Das im Team und vor sich selbst zu artikulieren ist in meinen Augen der erste, wichtige Schritt. Und der soll jetzt dastehen, bevor ich meine eigenen Weisheiten von mir gebe.
      Denn im Grunde sehe ich mich nicht als den „weisen Ratgeber“: Die Kolleg*innen sollen durch ihre Absprachen und Teamstrukturen – unabhängig von mir – in die Lage versetzt werden, effizient und gut gelaunt arbeiten zu können.

      Wenn das steht – und damit 95% des Alltags und der Kinder so laufen, wie wir uns das wünschen – dann setzen wir uns zusamnmen hin und überlegen, was wir mit den anderen 5% machen. Und ja, da habe ich – qua Amt – Ideen und Erfahrungen. Aber dafür ist jetzt noch nicht der passende Zeitpunkt.

  2. Pingback: Zu viel Arbeit, um zufrieden zu sein. - Schule, Schulleitung, Familie, DIY

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