Ich falle gerade ins Bett und verspüre zum einen noch das Bedürfnis, mir noch den Tag von der Seele zu schreiben, um ihn abzuhaken, zum anderen aber ein (für mich) überraschendes Gefühl von Unzufriedenheit.
Wo kommt das her?
Heute war Einschulung der neuen 5er. Organisation, Ablauf und Durchführung obliegt meinem Arbeitsbereich. In den vergangenen Tagen habe ich mich mit dem neuen Team zusammengesetzt und wir haben viel vorbereitet und miteinander gesprochen. Die Arbeit setzt unsere „Gruppentherapie“ fort, von der ich an dieser Stelle berichtet habe.
Und bei bestem Wetter haben wir einen so großen Jahrgang wie nie zuvor begrüßt. Die Lehrerband spielte. Nach all den Jahren geht mir die Moderation leicht von der Hand. Viele aufgeregte Eltern und Kinder, viele glückliche Eltern und Kinder. Hinterher schnell aufgeräumt und nochmal mit den Kolleg*innen gequatscht. Alle erschöpft, aber zufrieden.
Nebenher läuft weiterhin die Arbeit im Hintergrund: Die Zuteilung von 700 Kindern in Werkstätten läuft über eine riesige, von uns erstellte Exceltabelle mit zehntausenden Einträgen. Immer wieder gibt es da Änderungen: Kind A muss noch nachwählen. Kind B wechselt die Werkstatt. Kind C hat die Schule verlassen.
Zu Beginn jedes Halbjahres bekomme ich dann kryptische Nachrichten wie „834 in 43“. Das bedeutet, Kind mit der Matrikelnummer 834 muss in die Werkstatt mit der Nummer 43.
Manchmal meinen Kollegen es zu gut und erklären mir in ausführlichen Texten, dass Marius krank war und sich dann umentschieden hat und jetzt statt zum Schulhund lieber in die Hiking-Gruppe möchte und das ihnen die späte Rückmeldung leid täte.
Ich will das oft gar nicht wissen. Ich will nur „834 in 43“.
Außerdem steckt natürlich meine eigene Klasse im Schuljahresanfang. Zettel müssen ausgeteilt, Unterschriften unter den Zeugnissen (Himmel!) kontrolliert werden. Bücher verteilt. Dies. Das.
Abends jetzt noch Elternabend im Kindergarten. Der Förderverein bittet um Mitglieder. Eine neue Konzeption steht an. Man erklärt (zu) viel. Bei den meisten Dingen denke ich: „Ihr seid die Profis. Ihr werdet euch schon was dabei denken.“
Spät abends – also: jetzt – bin ich müde und kaputt und seltsam unzufrieden. Gemeinhin schaue ich auf volle und erfolgreiche Tage einigermaßen zufrieden zurück. Ich weiß, was ich geschafft habe und kann den Tag gut abschließen.
Hm.
Gerade kommt hier und da die Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte wieder auf den Tisch. Ich halte davon wenig: Meine Arbeitszeit läßt sich schlichtweg nicht messen.
An vielen Stellen bin ich effektiv und schnell („834 in 43“). Würde ich nach Stunden bezahlt, sänke die Motivation, Abläufe zu optimieren. Für all das, was ich in den letzten drei Tagen abgearbeitet habe, könnte ich ohne schlechtes Gewissen auch eine konplette Woche veranschlagen und man hätte von außen immer noch den Eindruck, ich wäre gut beschäftigt.
Ach. Gerade bin ich einfach erschöpft.
Morgen habe ich meine eigene Klasse im Unterricht, darauf freue ich mich sehr. Und meine 10er sehe ich auch wieder. Und auf die freue ich mich fast noch mehr – denn der Unterricht war im letzten Jahr stellenweise wahnsinnig lustig. Die Chemie stimmt und ich habe richtig Lust, die zu einem erfolgeichen Abschluss zu treiben.
Bin froh, wenn wieder etwas Routine drin ist und jeder weiß, was er zu tun hat.

>Würde ich nach Stunden bezahlt, sänke die Motivation, Abläufe zu optimieren.
Aber doch nicht bei dir, da stehst du doch drübber. Geht es nicht darum, dass du das bei anderen, also mir, vermutest? Aber das ist ohnehin egal, wir werden ja so oder so nach Stunden bezahlt, nämlich für 40 Stunden Wochenarbeitszeit (je nach Bundesland leicht davon abweichend). Es geht darum, die Arbeit gerechter zu verteilen (ein Konzept, an dem vielleicht nur Deutschkräfte interessiert sind) und Ausbeutung zu vemeiden (wahrlich kein so dringendes Problem, es geht uns gut; aber grundsätzlich ein gewerkschaftsnaher Gedanke).
Von so edler Gesinnung bin ich nicht
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