Ich sitze – genau jetzt, da ich dies schreibe – im Bistro des Berufsbildungszentrums von Siegen: Meine Klasse durchläuft die Potenzialanalyse, die jetzt Einstiegsinstrument heißt. Meine letzte Begegnung mit der Potenzialanalyse habe ich in diesem (reichlich subjektiven) Blogartikel verarbeitet und meine Meinung hat sich bis dato nicht geändert. Mag aber sein, dass beim Einstiegsinstrument jetzt alles anders ist.
Wie dem auch sei: Ich habe Zeit. Viel. Zeit.
Denn während meine Klasse bis heute Nachmittag Tests, Spiele und Interviews durchläuft, sitze ich im Bistro und tue… nichts. Dieses Maß erzwungenem Nichtstun ist ungewohnt, denn normalerweise hat der Tag zu wenige Stunden für mich und das Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Ich bin nicht ganz schlecht darin, beruflichem und privatem Streß mit Dingen und Projekten zu begegnen, die mir gut tun: Schreiben. Lesen. Neue Dinge lernen.
Nachdem ich das Klavierspielen frustriert abgebrochen habe, versuche ich seit einiger Zeit mit der Gitarre einen neuen Anlauf – und schaffe es tatsächlich jeden Tag zum Instrument zu greifen.
Am Ende eines jeden Tages wüßte ich aber auch noch ein paar mehr Stunden zu füllen. Langeweile habe ich eigentlich nie.
Umso mehr nervt mich die Situation im Bistro hier. Ich wüsste tausend gute Dinge zu tun – aber wirklich konzentriertes Arbeiten ist nicht möglich, wenn links und rechts die Semmeln verkauft werden und die Leute sich unterhalten.
Den Rest des Tages werde ich versuchen, ein paar Merkplakate für die 10er zu gestalten. Quizzes für meine 8er, die sich gerade mit Termen herumschlagen und ich werde ein paar Gedanken für meine 5er vorbereiten: Die haben in NW die Aufgabe, ein Referat zu halten.
Nach all den Vorträgen über Katze, Hund, Hamster bin ich mehr als nur gelangweilt und habe der Klasse zwei Bedingungen gesetzt:
- Wähle ein Tier, dass ich noch nicht kenne
- Erkläre in deinem Referat, warum dieses Tier das beste auf der ganzen Welt ist!
Das hat in meinem letzten 5er Jahrgang prima geklappt und war auch bei den Zuhörern interessanter, als erneut etwas über Pferde zu hören.
Naja. Noch fünf Stunden. Meine Uhr meckert schon.
