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Dann geh doch spielen!

Gut ein Dutzend Vorträge habe ich mir in 2 Tagen auf der diesjhrigen EMSE-Tagung angehört, deren Hauptthema die „empiriegestützte Schulentwicklung“ ist. Themen wie „Schulleitungen fit machen für die Datengestützte Qualitätsentwicklung“  oder „Wie können Daten zur Entwicklung offener Unterrichtskonzepte beitragen?“ hatten meine Erwartung im Vorfeld hochgeschraubt. Weg vom Bauchgefühl hin zu evidenzbasierterem Unterricht.

Erste Beobachtung: Ich erkenne schnell, welcher Referent selbst lange Jahre in der Schule gearbeitet hat und wer rein aus der Forschung kommt. Die einen beginnen oft mit einer Anekdote und sorgen dafür, dass im Verlauf des Vortrags gelacht wird. Sie machen Scherze über sich und Situationen. Die anderen Vorträge sind eher nüchtern gehalten, fachlich korrekt und zielorientiert.  Und mit PowerPoint-Folien, die voll… sehr, sehr voll sind. Als jemand, der aus der Schule kommt, habe ich eine persönliche Präferenz.

Dann geh doch spielen! 1Tatsächlich befinde ich mich in der über 100-köpfigen Gruppe (vermutlich) in der Minderheit: Die meisten der Teilnehmer*innen sind – aus allen Teilen der Republik und Österreich angereiste – Menschen aus der Forschung. Umgeben von Professor*innen und Doktor*innen versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen und das Gehörte so weit es geht, in die Schulpraxis zu übersetzen. Ich schreibe und male viel mit, um mir Dinge zu merken – spüre aber doch eine wachsende Unzufriedenheit. Die Vorträge haben nichts mit Unterrichtspraxis zu tun und es fehlt auch ein aktiver Austausch: Forschergruppe für Forschergruppe hält ihren Vortrag, die anderen sitzen dabei und hören zu und warten, dass sie dran sind.

Ich bin enttäuscht…

…und komme damit zu einem der Kernprobleme der Datenerhebung: Denn welche Validität hat eine Bewertung von jemandem, der gar nicht zur Zielgruppe gehört?

Wenn man mich fragt, hat die Tagung ihr Thema verfehlt: Ich habe wenig mehr als Allgemeinweisheiten darüber gelernt, wie man Schulleitungen praktisch fit macht. Ja, Schulleitungen die positiv mit Datenerhebungen umgehen strahlen auf ein Kollegium ab. Ja, Daten können Unterrichtsqualität verbessern, können Belastung mindern. Nichts davon ist so wirklich überraschend.

Ist meine Empfindung aber letztlich nicht gleichzusetzen mit der eines Kindes über meinen Unterricht: „Zu viel Mathe, zu wenig Spielzeit!“?

Joa… weißte?! Dann geh doch spielen.

Spannender – und auch diesem Zweck dienen solche Netzwerktreffen ja – sind die Gespräche in der Kaffeepause. Mit dem Schulleiter Jan Haurand habe ich über Datenerhebung und Prognosemöglichkeiten an unseren Schulen gesprochen. Denn relevant wird das Thema ja erst wenn ich feststelle: Maßnahme X („Leseförderung“) hat die Auswirkung Y (Steigerung der Kompetenzstufe). Wie aber lässt sich das innerhalb des laufenden Schulbetriebes intelligent (und ressourcensparend) messen? Dazu haben wir einige spannende Ideen ausgetauscht, die jetzt durch meinen Kopf schwirren. „Dann geh doch spielen!“.

Allein für diesen Austausch schon hat sich der Trip gelohnt.

Zu Hause räume ich jetzt die Reste des Kindergeburtstages der Jüngsten weg. Dann steht noch das Orchesterkonzert der Mittleren auf dem Programm. Drei Tage noch – dann sind endlich Ferien.

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