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„Gerade nicht.“

Ich hasse Gesellschaftsspiele.

Zeit meines Lebens musste ich mich dazu überwinden, kleine Plastikfiguren über ein wackeliges Brett zu bewegen. „Mensch! Ärgere dich nicht!“ Was für ein Spaß.

Sehr zum Bedauern meiner Kinder, denn die fragten mich über die Jahre immer wieder, ob ich nicht Lust hätte dieses und jenes Spiel zu spielen. „Kennst du denn die Regeln?“ „Nein, haben wir ja noch nie gespielt.“
Der Gedanke, vor dem Spiel auch  noch eine halbe Stunde lang Regeln zu pauken machte die Nummer dann noch attraktiver für mich.

Mein Grundproblem mit Gesellschaftsspielen ist ein ähnliches, wie das Zocken am Computer oder das sinnlose Scrollen im Internet: Ich habe bessere Dinge zu tun. Wichtigere Dinge. Dinge, die mir mehr Spaß machen:

Unterricht vorbereiten (weniger Spaß, aber wichtiger). Bücher schreiben (weniger wichtig, aber mehr Spaß). Gitarre üben. Im Haushalt Dinge erledigen. Sport machen. Und so weiter, und so fort. Langeweile existiert in meinem Leben eigentlich kaum.

Im Grunde bedaure ich das sehr.
Denn ich weiß natürlich, dass die Erfahrung meiner Kinder, mit den Eltern zu spielen, eine Kostbare sein kann. Nur halt… „Gerade nicht!“

"Gerade nicht." 1Um aus dieser Falle zu entkommen, habe ich mit den Kindern ausgemacht, dass Sonntagnachmittag eine Art „Spiele-Nachmittag“ wird. Fest im Familien-Kalender eingetragen, von 16 bis 18 Uhr, steht da für alle: „Spiele-Nachmittag“.

Und das Verrückte ist: Seit dieser Quatsch im Kalender steht, gibt es nichts Wichtigeres mehr. Alle anderen Dinge sind bis 16 Uhr erledigt oder aber nicht mehr so wichtig.

Und noch Absurder: Plötzlich macht mir das ganze richtig viel Spaß. Die Zeit mit den Kindern. Das Ausprobieren von neuen und alten Spielen. Manche gefallen mir gut (Skull King), andere nicht so (Micro Macro: Crime City). Aber das macht nichts. Ich freue mich gerade auf jeden Sonntag.

Ich ärgere mich ein wenig, dass es so lang gebraucht hat und dass ein so einfacher Kniff mir eine neue Perspektive geschenkt hat – andererseits: Alles hat seine Zeit.

3 Gedanken zu „„Gerade nicht.““

  1. Total schön zu lesen, dass du den Spiele‑Sonntag für dich (und euch) entdeckt hast – dieser feste Termin im Kalender verändert wirklich alles. Ich spiele seit ein paar Jahren selbst sehr, sehr, sehr gern Gesellschaftsspiele, mit den Kids und mit meiner Partnerin, und es ist jedes Mal kostbare gemeinsame Zeit.

    Wenn ihr Lust habt, noch ein bisschen weiter in die moderne Spielewelt reinzuschnuppern, kann ich euch diese Titel empfehlen:

    Harmonies – ruhiges, entspanntes Landschafts‑Puzzeln: https://boardgamegeek.com/boardgame/414317/harmonies

    Dorfromantik: Das Brettspiel – gemeinsam eine Landschaft bauen, kampagnenartig: https://boardgamegeek.com/boardgame/370591/dorfromantik-the-board-game

    Trekking – Reise durch die Zeit – eine spielerische Geschichtsreise: https://boardgamegeek.com/boardgame/353288/trekking-through-history

    Auf den Wegen von Darwin – leicht zugängliches Natur‑ und Entdeckungsspiel: https://boardgamegeek.com/boardgame/376683/in-the-footsteps-of-darwin

    Stadt Land Vollpfosten – die verrückte Stadt‑Land‑Fluss‑Variante für viel Gelächter: https://boardgamegeek.com/boardgame/383129/stadt-land-vollpfosten-das-kartenspiel-junior-edit

    Top Ten – kooperatives Partyspiel, das fast immer für Highlights sorgt: https://boardgamegeek.com/boardgame/300905/top-ten

    Ich wünsche euch viele weitere grandiose Nachmittage!

  2. Sehe MicroMacro auf dem Bild – total toll, spiele ich mit meiner Tochter auch immer mal wieder.

    Habe gerade „Boss Fighters QR“ bestellt, Kombination aus kopperativen Spiel und App-Nutzung. Mal schauen, obs Begeisterung auslösen kann.

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