Es gibt bzw. gab ein paar offene Baustellen in meinem Leben, die an mir nag(t)en:
⚠️ Mein eigenes Durchmogeln im Physikstudium hängt mir bis heute nach. Ich habe nicht wirklich, nicht richtig verstanden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Um erste blinde Flecken zu finden, muss ich gar nicht lange suchen: Was genau ist ein Magnetfeld? Wodurch genau entsteht es? Wieso nimmt es mit der Entfernung ab? Was ist der Unterschied zwischen magnetischem Nord- und Südpol? Für jede halbgare Antwort ploppen zehn neue Fragen auf. Und das bei Grundschulphysik.
✅ Meine Nicht-Teilnahme an politischem Leben hat mich über Jahre genervt. Als Konsequenz bin ich einer (demokratisch verankerten) politischen Partei beigetreten und engagiere mich (in bescheidenem Rahmen) in der Kommunalpolitik. Mehr ist aktuell nicht drin, aber ich bin es auch zufrieden: Lobbyarbeit und Anbiederei sind mir zuwider und ich bin nicht vernetzt genug, um jemals eine politische Karriere zu machen.
✅ Ein wunder Punkt in meinem Leben ist meine nicht vorhandene Beziehung zu Kunst und Musik. Es heißt, dass man 100 Tage braucht, um sich ein neues Verhaltensmuster anzueignen: Seit etwas mehr als 150 Tagen erprobe ich mich Tag für Tag am Gitarrespielen.
Nach der steilen Lernkurve zu Beginn habe ich mittlerweile ein Niveau erreicht, auf dem ich nur noch langsam vorankomme. Mittlerweile gehen mir die Grundakkorde leicht von der Hand und wenn mich das schnelle Zupfen auch an die Grenzen bringt, kann ich – zumindest im Rahmen meiner Musik-App – jede Menge Popsongs begleiten.
Mein Ärgernis ist: Nach 150 Tagen habe ich den Spaß daran verloren. Es war cool, eine neue Fähigkeit zu erlernen – aber die Musik als solche gibt mir nichts. Ich habe keine Lieblingssongs, keine Lieblingsmusiker oder eine Playlist, die ich gerne rauf und runterhöre. Im Auto mache ich das Radio sofort aus. Es gibt keine Lieder, die ich mitsinge, mitsumme oder gerne mitspielen möchte. Der Gedanke, im Sommer im Garten Gitarre zu spielen ist als Fantasie hübsch – aber auch… langweilig. Mir fehlt nach wie vor jede Beziehung zu Musik.
Heute habe ich zum ersten Mal in diesen über 150 Tagen nicht zur Gitarre gegriffen. Ich stecke in dem Zwiespalt zwischen „erlerne halt eine andere Fähigkeit“ und „wenn du dran bleibst, kommt der Spaß irgendwann – wie immer, wenn man etwas richtig gut kann.„

Es gibt genug nervige andere Dinge, die man machen muss. Daher mache ich ein Hobby nur solange, wie ich Spaß daran habe.