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Good clown, bad clown

In den vergangenen drei Wochen hatte ich so viel zu tun, dass ich nicht im Ansatz dazu gekommen bin, zu bloggen:

  • Zeugniskonferenzen leiten mit allem, was dazu gehört.
  • ich war dafür verantwortlich, die Wahl für unsere Projektwoche durchzuführen und 500 Kinder auf die Projekte zu verteilen. Während der Woche dann das allmorgendliche Puzzle: Kollege X ist krank. Wer springt ein? Was geschieht mit den Kindern?
  • getreu unserem Motto „700 Kinder, 700 Stundenpläne“ haben die Kurs-Wahlen fürs zweite Halbjahr stattgefunden. Mit dabei Dinge wie „Fitness für Mädchen“, „NW-Experimente“ und „Englisch-Clup“, aber auch Kooperationen mit dem Krankenhaus und diversen Handewrksbetrieben der Stadt. Ein großartiges Angebot – und wie auch bei der Projektwoche gilt, Erst-, Zweit- und Drittwünsche zu beachten und für eine möglichst hohe Zufriedenheit zu sorgen. Kaum sind alle Kinder verteilt, folgen Nach- und Umwahlen: Schüler X will doch in Werkstatt Y.
  • diese Woche war Anmeldewoche an der Gesamtschule Auf dem Schießberg: Das bedeutet bis 17 Uhr Anmeldegespräche führen und damit verbundenen Orga-Kram erledigen.
  • Montag war ich als Referent an einer anderen Gesamtschule zu Gast, um von der Schulentwicklung bei uns zu berichten.

Zwischendurch komme ich einem wesentlichen Teil meiner Arbeit nach: Als Abteilungsleiter bin ich verantwortlich für das reibungslose Geschehen in den Jahrgangsstufen 5 bis 7. Dazu gehört die Beratung und Unterstützung meiner Kolleg*innen bei Eltern- und Schülergesprächen, aber auch viel voraussschauendes Antizipieren: Wo bahnen sich Konflikte an, die man möglichst schnell angeht, bevor sie zu zeitraubenden Problemen werden? Immer wieder ziehe ich mir einzelne Halodris heraus und führe Gespräche: Bad Clown.

Zwischen all der Anstrengung gab es aber jede Menge Momente, die ich (innerlich) gefeiert habe.

Eine Schule gleicht einer einer hochkomplexen Maschine, die immer wieder mit Störfeuern zu kämpfen hat. In meinem Kollegium erlebe ich diesen scharfen, präventiven Blick tagtäglich: Kolleg*innen prüfen die gewaltige Excel-Tabelle mit tausenden (!)  von Einträgen immer wieder auf Fehler und informieren mich. Anbahnende Konflikte zwischen Schülern werden ausnahmslos von allen Lehrkräften aktiv angegangen. Es herrscht eine Kultur des Wohlwollens und ich liebe, liebe, liebe mein Kollegium dafür.

Persönliches Highlight: Ende Februar gehen Lehrerrat und Schulleitung abends gemeinsam Essen, um sich in entspannter Runde über Ideen und Schulentwicklung auszutauschen.
Das ist deswegen besonders, weil der ‚Lehrerrat‘ die Interessen des Kollegiums vertritt und auch als eine Art Kontroll-Instanz der Schulleitung fungiert. Da prallen zuweilen unterschiedliche Interessen aufeinander – gemeinsam abends Essen gehen und daran zu stricken, wie man den eigenen Laden weiter voranbringen kann ist absolut großartig, meint es doch, die Schule als Ganzes ist vereint im ihrem Bestreben, weiterzudenken.

Good clown, bad clown 1Karneval ist im Siegerland eher nicht so ein Thema – aber einige feierwütige Kolleg*innen lassen sich davon nicht beirren.
Verkleidet als lustiger Clown habe ich mich morgens in meine Klasse begeben. Zur Freude der Anwesenden habe ich – bei ausgeschaltetem Licht – insbesondere die Zu-Spät-Kommer sehr freundlich begrüßt. Viel Gelächter und gute Laune.

Der schönste Moment der Woche war aber heute:
Seit dem Halbjahr verteilen sich auch die 5er auf dieklassenübergreifenden Lernbüros – ich hatte heute 90 Minuten einen bunten Mix aus Kindern des ganzen Jahrgangs vor mir. Manche kannte ich, die meisten nicht.
Weil die Kinder mich vor allem als strenge Instanz und weniger als lustigen Clown kennen, herrscht allenthalben ruhiges Arbeiten – und das heißt, ich habe Zeit. Viel Zeit.
Zwei Kinder sind mir aufgefallen, die still und unsicher über ihren Aufgaben saßen und kaum eine Zeile aufs Papier brachten. „Mathe ist ein blödes Fach, oder?“ Glasige Augen. Verschämtes Nicken.

Good clown, bad clown 2Das Schöne an ritualisierten Lernbüros und vorbereiteten Lernumgebungen ist, dass ein Großteil der Kinder mich gar nicht braucht – zwei Level-1-Schülerinnen haben sich direkt aus dem Klassenraum verabschiedet und in Ruhe auf unseren Lerninseln gearbeitet.

Ich hatte also sehr, sehr viel Zeit, mich um die beiden Kinder zu kümmern, die Angst vor Mathe haben. Die erzählten, dass sie schon in der Grundschule mit dem Fach gehadert haben.

Es sind diese Teile an Schule, die mir so viel Freude bereiten: Lachen und Blödsinn machen mit den Großen. Mut machen und Zeit nehmen für die Unsicheren.

Und das Alles zusammen mit einem Kollegium, die leidenschaftlich sind und große Lust haben, die Schule aktiv mitzugestalten und nach vorne zu bringen.

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