Die Osterferien sind in NRW rum und ich habe sie, trotz Infekt zu beginn und knapp hundert Korrekturen, in vollen Zügen genossen. Zum lag das gewiss auch daran, dass meine Frau (die gerne verreist) in der zweiten Woche mit den jüngeren Kindern unterwegs war und mich zurückließ.
Ich frage mich, ob das auch zum Gelingen einer gesunden Ehe dazugehört: Dem Partner einfach mal ein paar Tage Auszeit gönnen.
Die Vormittage habe ich intensiv zum Korrigieren genutzt (ein notwendiges Übel), die Nachmittags im Garten verbracht und Hochbeete gebaut, den Rasentraktor wieder flott gemacht und die Terasse gestrichen. Ich komme ursprünglich aus einem sehr ländlichen Elternhaus und habe die Garten- und Hofarbeit wirklich gehasst. Zu überprüfen, wie viel Strom noch auf demm Zaun liegt, Pferdekoppel absammeln. Himmel… Aber jetzt, mit Mitte vierzig gewinne ich der Landarbeit wieder viel ab. Vielleicht aber auch, weil es nicht mehr so viele dringende, unaufschiebbare Dinge in meinem Leben gibt. „Nur noch kurz die Welt retten….“ Solche Dinge.
Abends bin ich meiner eigentlichen Leidenschaft nachgegangen und habe viel geschrieben. Das ist etwas, was mir wirklich unheimlich viel Freude bereitet. Dazu morgens zwischen vier und fünf aufstehen – das ist genau mein Ding gewesen.
Meine Frau ist gut gelaunt (aber erschöpft) wieder zurückgekommen und ich genieße es, die Kinder abends ins Bett zu bringen. Tatsächlich gibt es für mich nicht viel Schöneres auf der Welt, als abends mit der Jüngsten zu toben, zu kämpfen, Geschichten zu lesen, noch mehr zu toben und sie ins Bett zu bringen.
Seit Montag geht die Schule wieder los und mit ihr ein großer Berg an Arbeit: In der Zeit vor den Sommerferien merken viele Eltern, dass die Noten ihrer Kinder fürs Gymnasium nicht reichen und suchen händeringend nach einer Alternative. Im Tagesrhythmus erreichen mich dann E-Mails mit Schulplatzanfragen.
Mir tut das jedesmal im Herzen weh: Ein bis drei Jahre frustriertem Schulleben liegt hinter den Kindern. Zig Klassenarbeiten und Themen, die man mit Druck, Tränen und Angst so lange ertragen hat, bis es wirklich nicht mehr geht.
Die Situation wird sich im kommenden Jahr zuspitzen: Unser aktueller 5. Jahrgang ist komplett voll und wird keine Sitzenbleiber am Ende der Erprobungsstufe aufnehmen können. Und auch die kommende 5. Klasse ist bis auf den letzten Platz belegt.
Wo gehen die gescheiterten gymnasialen Kinder zukünftig hin?
Wenn es keine Kapazitäten an anderen Schulen gibt, werden die meisten wohl das Schuljahr wiederholen – in der oft vergeblichen Hoffnung, dass dann alles besser wird.
Mittwoch und Donnerstag bin ich mit Anna Klein unterwegs – für die Bezirksregierung dürfen wir Mittwoch bei einem Treffen der Abteilungsleitungen der Gesamt- und Sekundarschulen von unserem Schulsystem erzählen. In etwa das gleiche, was ich im Podcast „Die Schule brennt“ erzählt habe, den man hier nachhören kann – nur etwas ausführlicher und in persona.
Donnerstag ist der Rahmen dann etwas größer – so groß, dass Anna und ich uns in den Ferien zweimal getroffen haben, um unseren Vortrag durchzuproben und auch heute noch einen weiteren Druchlauf umgesetzt haben. Welche Folie passt? Welches Beispiel ist zu knapp, welches zu ausführlich präsentiert? Fehlt irgendwo noch irgendwas?
Wie bei gutem Unterricht geht da viel Zeit und Energie drauf, die man nicht unmittelbar sieht. Der Anspruch an uns selbst ist jedoch, dem Publikum wirklich etwas zu bieten – und was passt dazu besser, als ein altes C-Promi-Kuscheltier. Erkennt ihn noch jemand?
