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„Aha. Und sonst so?!

Nachdem Anna Klein und ich gestern bei der Tagung der Abteilungsleitungen gewesen sind, waren wir heute wieder unterwegs: Diesmal ging es bis ganz an die Spitze: Etwas mehr als 60 Schulleiter*innen hatten uns (bzw. das Zentrum für zeitgemäße Lernkultur und Schulentwicklung) eingeladen, über ‚Schulentwicklung in Zeiten von KI‘ zu referieren.

Mich reizen solche Vorträge immer sehr – in erster Linie, weil ich sie gut machen will. Sehr, sehr gut. In den vergangenen Wochen haben wir zwei uns immer wieder getroffen und bis zehn Minuten vor Beginn des Vortrags immer noch Formulierungen und Folien gefeilt. Gute Vorträge müssen – wie guter Unterricht – immer wieder im Tempo, Inhalt und Gewicht variieren. Manchmal soll das Publikum zuhören, manchmal durch Fragen aufgeweckt werden. Wohl platzierte unterhaltsame Anekdoten – in einem guten Vortrag muss gelacht werden. Immer wieder.

Inhaltlich wollten wir einen ansprechenden Mix aus Praxis („So kann Schule aussehen“) und Theorie („Was zeigen Studien und erhobene Daten? Ist das gut?“) bieten, der sich in erster Linie an die Zuhörerschaft „Schulleitung“ richtet („Wie lassen sich Veränderungen strukturell und nicht individuell implementieren?“), aber auch ein Kollegium im Hintergrund nicht vergisst. Jede Lehrkraft, die in die Schulleitung geht, tut dies mit der Intention Schule gestalten zu wollen. Aber wir scheitern immer wieder daran, große System zu verändern – engagierte Einzelkämpfer reiben sich auf bis sie irgendwann entnervt aufgeben. Das sind ganz spannende Ansatzpunkte und wir haben viel darüber gesprochen, wie sich Strukturen aufbauen lassen, die Schulentwicklung erleichtert oder – vielleicht – erzwingt.

Solch intensive Vorbereitung kostet richtig viel Zeit.

Das Ende des Vortrags durften die Teilnehmer*innen ein Stück weit selbst bestimmen: Hinter einer Art Jeopardy-Wand lagen 25 weitere Vorträge, auf die wir uns in den vergangenen Tagen und Wochen vorbereitet hatten. Regelmäßige Leser des Blueksy-Lehrerzimmers werden das ein oder andere Stichwort sofort zuordnen können.

"Aha. Und sonst so?! 1

Ein Feld führt ins Leere – gewissermaßen ins „Tor 3“, hinter dem sich der ZONK versteckt. Der ZONK war ein großes, rotes Kuscheltier, dass in der Fernsehsendung „Geh aufs Ganze“ als Trostpreis an die Verlierer der Show verschenkt wurde. Einen originalen Zonk haben wir im Vorfeld besorgt, so dass das Ende des Vortrags zu einer Gaudi geriet: Eigentlich wollte man noch etwas über ‚Evidenzbasierte Schulführung‘ hören, andererseits zielte man auch darauf, den ZONK zu erhaschen.

Gute Laune macht viel aus.

Nach zwei Tagen mit zehn Stunden Autobahn und rund fünf Stunden Präsentationen, FAQ’s, Vorträgen und Showmaster spielen („200 € und Tor 2, wenn Sie nicht ‚Tutoring-Systeme‘ wählen… wie klingt das?!“) sind wir beide völlig platt. Zufrieden, aber platt.

Mein Bruder, der am Wochenende regelmäßig als Notarzt Leben rettet, hat es mir neulich erzählt: „Meinen Kindern ist es scheißegal, ob ich Leben gerettet habe oder ein Held bin. Die interessieren sich auch nicht dafür, ob ich müde und erschöpft bin. Sobald ich durch die Tür komme, wollen die mich. Wollen toben und spielen und mich ganz für sich. Was mein Beruf ist und was ich da tue, ist ihnen völlig egal.“

Und… ja: Meine eigenen Kinder interessieren sich auch Null-komma-null dafür, wo ich gewesen bin. Weder, dass ich spannende Gespräche mit anderen Schulleitern geführt habe noch, dass sogar das Dezernat der Bezirksregierung bei unserem Vortrag vertreten war. „Aha. Und sonst so?!“

Das einzige, was meine Kinder interessiert, ist, dass eine kleine Schwalbe ein Nest in unserem Briefkasten gebaut hat und jetzt drei Eier darin gelegt hat. „Drei Eier, Papa! Drei!“

Vogelnest

Nach dem Abendessen wird also noch ein Schild erstellt und – Lehrerhaushalt – laminiert. Damit der Briefträger keine Briefe mehr auf das Nest wirft:

"Aha. Und sonst so?! 2

Das (!) sind die einzigen Dinge, die meine Kinder interessieren. Und der Himmel weiß, dass ich sie dafür liebe.

3 Gedanken zu „„Aha. Und sonst so?!“

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