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Enshittification im Zeitalter der Robotik

Wir erleben gerade die Zeit, in der humanoide Roboter mit der gleichen Geschwindigkeit entwickelt werden, wie es die Künstliche Intelligenz in den letzten vier Jahren erlebt hat. Und gleichzeitig erfahren wir eine „Enshittification“ sondergleichen: Software wird allenthalben schlechter. Wo führt das hin? Und wo führt das inbsesondere im Bildungswesen hin?

Wie viele andere auch digitalisiere ich das meiste an Briefen und Unterlagen, die mich erreichen: Lohnabrechnung, Steuerklärung, Gebühren. Alles wird eingescannt und digital abgelegt. Lange Jahre habe ich das mit meinem Handy und „Microsoft Lens“ erledigt, den da wanderte das eingescannte Dokument direkt in OneNote – meinem Notizbuch der Wahl. Vergangenes Jahr hat Microsoft die App jedoch eingestellt und die User (also mich) aufgefordert, die „Office 365“-App zu benutzen.

Und was kann die?

Mit der Office-App kann ich jetzt mit dem Copilot chatten.  Oder mir KI-generierte Bilder erstellen lassen.

Was kann die App nicht?

Scannen!

Genervt suche ich im PlayStore/App Store ich nach Alternativen – aber alles, was ich finde, zieht ein Abonnement nach sich. Ein Abo!? Für ein Programm, dass ein Foto beschneidet?

Allenthalben erfahre ich diese Form von „Enshittification“ – also der merklichen Verschlechterung von Diensten, Objekten und Programmen. Was früher funktionierte, geht heute nicht mehr. Oder nur gegen Gebühr. Mein ‚Samsung Galaxy Ring‘ ist nach einem Software-Update defakto Müll: Permanent versucht er, sich mit anderen Handys zu verbinden, wodurch der Akku schon nach einem Tag leer ist. Und Samsung bietet keine Reparatur der Ringe, nur den Austausch zum Selbstpreis an. Und die monatlich zubuchbare Sitzheizung beim Autohersteller BMW war da nur folgerichtig – die Dinge gehören uns nicht mehr und sie werden systematisch schlechter gemacht. Das Betriebssystem Windows 11 ist inzwischen so schlecht und mit so vielen Fehlern behaftet, dass sich Microsoft genötigt sah, eine Entschuldigung rauszugeben und Besserung zu geloben. Die c’t-Redaktion hat ein Video dazu gemacht und das verdeutlicht. Die Liste ist endlos. Downdate statt Update.

Und gleichzeitig bauen wir humanoide Roboter, die immer besser und besser werden in dem, was sie tun. Habe ich letztes Jahr noch gedacht, dass zumindest der Lehrer-Job vor dieser Entwicklung gefeiht ist, sehe ich das heute anders: Bekäme ich zwei, drei menschliche Assistenz-Roboter in den Klassenraum, die Sporthalle und den Schulhof, die geduldig aufpassen, erklären und helfen, wären gewiss viele Eltern dankbar. Zunächst für Klausuraufsichten. Oder als Hilfe für LRS-Kinder. Und dann noch ein bisschen mehr. Und noch ein bisschen mehr.

Und wenn die Roboter einmal da sind, kann man auch an den Lehrern sparen – die kosten in Deutschland nämlich rund 55.000.000.000 € pro Jahr. Davon könnte man viele Roboter laufen lassen, die ununterbrochen die Inhalte von Lehrer-Schmidt-Videos wiedergeben.

Absurd? Vielleicht.
Aber der kalifornische Roboterhersteller Figure AI hat in mehreren viralen Livestreams bewiesen, wie ihre Maschinen (u.a. das Modell Figure 03) völlig autonom an Förderbändern arbeiten – und 3 Millionen Menschen sehen zu. Sehen zu, und gewöhnen sich an Roboter im Alltag.

In Summe sind das zwei gegenläufige Entwicklungen – aber die Zeit ist so absurd, dass ich mir vorstellen kann, eines Tages den KiTa-Androiden „Dati“ zu erleben, der zwar freundlich ist und malen kann, aber MemoryTM inzwischen nur mit kostenpflichtigem Abo spielt und ansonsten Werbung ausgibt.

Stand heute bin ich mir nicht mehr so sicher, welche Berufe überhaupt noch „unersetzlich“ sind. „Was mit Menschen!?“ Ja, klar. So wie der Barkeeper aus dem Film Passengers?

Ich würde diese Entwicklung begrüßen, wenn sie implizierte, dass wir künftig mehr Zeit für Musik und Tanz und Kreativität und Miteinander hätten. Aber bisher ist das Leben gefühlt immer hektischer und schneller geworden. Und die Schere zwischen Arm und Reich auch immer weiter.

Das bereitet mir Sorge.

 

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