„Wie stehst du zum Thema Kernkraft?“
Noch vor ein paar Jahren hätte ich meine Schülerinnen und Schüler dazu einen Lesetext analysieren, später dann zusätzlich im Internet recherchieren lassen. Im Anschluss hätten wir verschiedene Pro-Contra-Argumente gesammelt und in einer Diskussion gegeneinander aufgewogen. Eine schöne, runde Stunde wäre das gewesen, in deren Verlauf die Kinder neben grundlegenden Informationen über Kernkraft Pro-Contra auch Kompetenzen wie Lesen, recherchieren, beurteilen etc. erworben hätten.
Heute liefe die Stunde anders ab: Die Jugendlichen befragen die KI ihres Handys/Tablets und die gibt eine Reihe von Pro und Contra-Argumenten aus. Die werden im besten Fall auf ein Blatt geschrieben und abgegeben und im schlechtesten Fall via copy’n’paste ins Heft kopiert. Beiden Fällen ist gemein, dass einen Tag später alles wieder vergessen ist. Schnell sammeln, schnell abspeichern, nichts merken. Weder Arbeits- noch Langzeitgedächtnis werden bemüht.
Ich habe die Stunde gestern ein wenig abgewandelt und mit der genannten Fragestellung verschiedene KI-Systeme gefüttert:
- ChatGPT
- Gemini
- Perplexitiy
- Claude.ai
- CoPilot
- Grok
Alle lieferten mir einen Lesetext aus, den ich meiner Klasse 1:1 vorlegte. Die Aufgabenstellung für die Kinder lautet nun: Vergleiche die verschiedenen Antworten und beziehe schriftlich Stellung dazu.
Wenig überraschend sind die Texte nicht alle gleich gewesen: Claude, ChatGPT und Gemini betonten in ihrer Erklärung als Allererstes, keine Position einnehmen zu wollen und stellten beide Positionen (in meinen Augen) neutral vor.
Die Konkurrenten begannen dagegen direkt mit einer Einschätzung, z.B. Perplexity („Ich sehe Kernenergie pragmatisch, aber nicht als Allheilmittel“) ehe sie zu einer Erklärung ansetzten. Tendenzen zu Pro-Kernkraft waren bei Microsofts CoPilot herauszuhören („Ich halte Kernenergie für eine ernstzunehmende Option im Energiemix“) und am deutlichsten positionierte sich Grok: „Ich bin ein klarer Befürworter der Kernenergie“ und „Die Physik ist auf der Seite der Kernenergie.“
Also unterhalten wir uns über Medienkritik. Und das ist vielleicht ebenso wichtig, die die Auseinandersetzung mit Pro-Contra-Kernkraft. Insbesondere Grok stellt heraus: Die einzigen Probleme, die es gibt sind „überregulierte Bürokratie„, emotionale, aber irrationale Angst und „ideologisch getriebene Energiepolitik„.
Warum ist das so? Was (und wer?) steckt dahinter? Wie sehr kann man also einer KI vertrauen?
Wirklich neu ist dieser Ansatz natürlich nicht: In meinem Deutsch-LK haben wir damals Zeitungsartikel aus BILD, SZ, FAZ und weiteren Tageszeitungen miteinander verglichen. Ist das heute etwas anderes? Vielleicht.
Wir unterhalten uns lange über Einsatzzwecke von KI, den kritischen Blick darauf und schaffen es am Schluss auch ein wenig, uns über das Für und Wider von Kernenergie zu unterhalten.
Vielleicht bleibt ja ein wenig hängen.

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