Zum Inhalt springen

Einander kennen, miteinander reden, miteinander laufen

Einander kennen, miteinander reden, miteinander laufen 1

Die letzten Tage und Stunden werden in NRW gezählt, bis auch wir endlich Sommerferien haben. Meine Klasse läuft getreu dem Motto „ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“: Sie überbieten sich in der letzten Schulwoche nicht in Punkto Engagement, aber wir sind auch weit davon entfernt, uns gegenseitig nur noch auf den Keks zu gehen.

Für den Morgen hatten meine Co und ich uns ein kleines Spiel ausgedacht:

In  einer Kiste lagen paarweise Nummern von 1-15. Die Kinder sollten jeweils einen Zettel ziehen und sich ihren gleich-nummerigen Partner suchen. Anschließend kamen die Zettel wieder zurück in die Kiste.
In einer zweiten Kiste befanden sich Dutzende weitere Zettel, alle beschrieben mit einer von vielen „Kennenlern-Fragen“:

  • Erzähle von einem Moment, in dem du richtig stolz auf dich warst. Was ist passiert?
  • Erzähle von einem Tag, den du gerne noch einmal erleben würdest. Warum war er besonders?
  • Was kannst du heute, das dir früher sehr schwergefallen ist? Wie hast du es gelernt?
  • Was ist das Netteste, was dir je jemand gesagt hat? Warum ist es dir in Erinnerung geblieben?

In Summe knapp 30 verschiedene Fragen. Gespielt wurden mehrere Runden jeweils mit einem neuen Partner, danach haben wir eine kurze Reflektionspause eingelegt:

  • Wie ging es euch dabei?
  • Warum spielen wir dieses Spiel? Was ist die Intention?

Nicht überraschend haben wir in der Klasse Kinder, denen es leicht fällt, Konversation zu treiben und solche, die sich damit schwer tun. Gerade in der Reflektion kam aber heraus, dass schon durchblickt wird, welchen Sinn die Zufallspaare haben: Je besser wir uns kennen, desto besser, friedlicher und zielführender können wir miteinander arbeiten und desto besser werden Stimmung, Leistungen und Noten.

Als die letzte Runde gespielt wurde, wurde Unmut laut. Das hätte man gern noch ein wenige weitergetrieben – aber wir mussten los: Denn heute war Schülerlauf in Siegen, an dem ich nun zum sechsten oder siebten Mal mit einer Klasse teilnehme. Der sportliche Ehrgeiz der Kinder ist eher gering, aber ich freue mich, Jahr für Jahr alte Kollegen aus vergangenen Zeiten zu treffen.

Einander kennen, miteinander reden, miteinander laufen 2

Das Wetter war prima, die Stimmung meist auch.

Fir Klasse bestand auch die Option, sich direkt vor dem Lauf zu treffen und danach wieder seiner Wege zu gehen – aber die Klasse entschied, dass wir uns morgens in der Schule treffen, bisschen Programm machen und dann gemeinsam loslaufen sollten. Empfinde es als Kompliment, wenn den Kindern die Zeit mit uns wichtig ist – und sogar jene Kinder heute da waren, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mitlaufen konnten.

Nachmittags dann mit meiner Co Anna Klein weiter an der Renovierung unseres Büros gearbeitet. Das wird richtig schön. Also… „Wohnzimmerschön“.

Morgen noch Schulfest, die letzten Anmeldungen abarbeiten, dann Zeugnisse und nächste Woche, wenn alle Kinder und Kollegen in den Ferien sind, arbeiten wir in der Schulleitung die letzten Dinge ab. Und dann…. dann…

2 Kommentare zu „Einander kennen, miteinander reden, miteinander laufen“

  1. Nachtrag: Die Fragen in ihrer ursprünglichen Fassung

    1. Erzähle von einem Moment, in dem du richtig stolz auf dich warst. Was ist passiert?
    2. Welche Person hat dir schon einmal besonders geholfen? Wie hat sie dir geholfen?
    3. Was war bisher einer der lustigsten Momente in deinem Leben?
    4. Erzähle von einem Tag, den du gerne noch einmal erleben würdest. Warum war er besonders?
    5. Wann hast du zuletzt etwas gemacht, obwohl du dich zuerst nicht getraut hast?
    6. Welche Erfahrung hat deine Meinung über etwas oder jemanden verändert?
    7. Erzähle von einem Missverständnis, über das du heute lachen kannst.
    8. Was kannst du heute, das dir früher sehr schwergefallen ist? Wie hast du es gelernt?
    9. Welche kleine Sache kann dir einen schlechten Tag retten? Erzähle von einer Situation dazu.
    10. Wann hast du dich schon einmal irgendwo fremd oder unwohl gefühlt? Was hat dir geholfen?
    11. Welche Erinnerung aus deiner Grundschulzeit ist dir besonders im Kopf geblieben?
    12. Erzähle von einer Situation, in der jemand dich positiv überrascht hat.
    13. Welche Entscheidung würdest du heute anders treffen? Was hast du daraus gelernt?
    14. Was war das schönste Kompliment, das du einmal bekommen hast? Warum ist es dir in Erinnerung geblieben?
    15. Stell dir vor, über dein bisheriges Leben würde ein Film gedreht: Welche drei Szenen müssten unbedingt darin vorkommen?
    16. Erzähle von einer Situation, in der du jemandem geholfen hast. Was hast du getan?
    17. Welche Regel findest du sinnvoll, obwohl sie dich manchmal nervt? Hast du dazu ein Beispiel?
    18. Wann hast du dich zuletzt über dich selbst gewundert? Was ist passiert?
    19. Erzähle von einem Streit, aus dem du etwas gelernt hast.
    20. Welche Tradition gibt es in deiner Familie? Wie läuft sie ab?
    21. Wann hast du dich schon einmal besonders mutig gefühlt?
    22. Erzähle von einem Ort, an dem du dich besonders wohlfühlst. Was verbindest du mit ihm?
    23. Welche Begegnung mit einem anderen Menschen ist dir lange im Gedächtnis geblieben?
    24. Was war eine Sache, die ganz anders gelaufen ist, als du erwartet hattest?
    25. Erzähle von einem Moment, in dem du dich richtig verstanden gefühlt hast.
    26. Welche Herausforderung hast du schon einmal unterschätzt? Wie bist du damit umgegangen?
    27. Wann hast du zuletzt deine Meinung geändert? Was hat dich überzeugt?
    28. Erzähle von einem Erlebnis, bei dem du etwas zum ersten Mal gemacht hast.
    29. Welche Situation hat dich in letzter Zeit richtig zum Nachdenken gebracht?
    30. Erzähle von einem Moment, in dem du gemerkt hast, dass du älter oder selbstständiger geworden bist.

  2. Als Schüler wäre das für mich eine ziemliche Horror-Stunde gewesen, denn ich habe mehrfach die Erfahrung gemacht, dass viele solcher persönlichen Informationen in der Folge gegen mich verwendet würden, etwa indem man sich lustig macht. Ich hätte mich also unter Druck gesehen, mir spontan ziemlich viele Antworten ausdenken zu müssen, weil ich die echte Antwort für riskant gehalten hätte oder mir schlicht keine eingefallen wäre. Mein Alltag unterschied sich von dem der Mitschülys (ich war z.B. in keinem Sportverein, wir sind nie in Urlaub gefahren, wir hatten erst spät mehr als nur Antennenfernsehen), und Abweichungen führten zu Ausgrenzung. Ich hätte also immer überlegen müssen, welche Antwort am harmlosesten oder voraussichtlich unauffällig wäre.

    Ich würde bei so einem Spiel daher irgendeine Art von Opt-Out einbauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert