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Langeweile am Hochzeitstag

Meine Frau und ich feiern dieser Tage unseren 24. Hochzeitstag. Weite Teile der Gäste von damals sind inzwischen gestorben und erinnern uns immer wieder daran, den Alltag möglichst bewusst zu leben.

Zwischendurch und immer wieder geraten wir dabei in Konflikte, entspringen wir doch völlig unterschiedlichen Kindheiten. Wir sind niemals in Urlaub gefahren – höchstens mal zu den Großeltern an die Nordsee. Meine Frau dagegen hat jeden Sommer ihrer Kindheit in Ungarn verbracht. Sie sehnt sich nach fernen Ländern, fremden Küchen und neuen Erfahrungen.

Ich dagegen genieße Routine, Berechenbarkeit und, ja, Langeweile.

Langeweile am Hochzeitstag 1

Wenn ich dürfte, würde ich den jährlichen Familienurlaub ohne zu Zögern absagen. Keine schlechten Nächte in zu kleinen Betten. Keine gelangweilten, sich streitenden Kinder. Keine Stunden im Auto verbracht. Statt dessen Fahrradfahren im Wald vor der Haustür, arbeiten in Haus und Garten und die Routine genießen. Dazu Lesen, Gesellschaftsspiele und all der Bums, der im Alltag manchmal liegen bleibt.

Ich interpretiere das für mich positiv: Mein normales, langweiliges Leben erfüllt mich so sehr, dass ich kein Bedürfnis danach verspüre, dem zu entkommen, um mich irgendwo zu erholen.

Nun, wir werden uns hoffentlich auch die nächsten 24 Jahre darüber streiten, ob und wie sinnvoll der sommerliche Urlaub ist.

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