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Elektrifizierung: Hui und Pfui. #2

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Vor zweieinhalb Jahren habe ich mir ein Balkonkraftwerk zugelegt (klick). Anfang 2024 gehörte ich damit (entsprechend der Diffusionstheorie von Rogers) weder zu den Innovators noch den Early Adoptors – aber doch zumindest zur „Frühen Mehrheit“.

Mit viel Freude betrachte ich seitdem die App und feiere jede eingesparte Kilowatt-Stunde – und mittlerweile sind da einige Tausend zusammengekommen. Die gesparten Ausgaben sind für mich nur ein Teil des Gewinns – noch mehr erfreue ich mich am Gedanken, wie viel weniger Gas und Kohle verbrannt werden mussten. Wunderbar.

Schon seit längerem ist mir auch klar, dass unsere beiden Autos durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden – aber ich hänge der Überzeugung an, dass es für die Umwelt am besten ist, wenn ich mein altes Fahrzeug so lange fahre, wie irgendwie möglich.

Traditionell haben wir wenig Glück mit Autos in unserer Familie: Mitten im Urlaub meldet der, vorher zum letzten Mal auf Vordermann gebrachte Familien-Van, einen Motorfehler an. Notdürftig repariert verliert auf der Rückfahrt mitten in der Nacht, ein LKW vor uns seinen Reifen und wir poltern mit hoher Geschwindigkeit drüber. Glück im Unglück: Außer einem riesigen Schlag ist nichts passiert: Es fehlt ein Teil der Frontverkleidung und der Auspuff scheint mir eingedellt zu sein – aber der Wagen tuckert treu die 1000 Kilometer nach Hause. Spötter unken, dass unser Citroën nun endlich wirklich aussieht, wie ein französisches Auto. Ein bisschen muss er aber noch durchhalten.

Anfang der Woche haben wir den Zweitwagen abgestoßen und uns ein gebrauchtes Elektrofahrzeug gekauft: Einen MG4 in der Basisausstattung, drei Jahre alt mit knapp gefahrenen 40.000 Kilometern. Preislich liegt der etwas über der Region eines Dacias. Ein Auto für Leute, die keine Kredite für ihr Auto aufnehmen wollen.

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Und… bei allem, was Recht ist:

Bereits nach zwei Minuten Fahrt wächst in mir das Bedürfnis, auch den großen Benziner-Citroën loszuwerden. Wie geschmeidig der MG fährt. Wie leise. Wie sparsam. Ich möchte nie wieder zurück zum Benziner.

Wieder gehöre ich weder zu den Innovators, noch den Early Adaptors – doch inzwischen sind die Preise derart gefallen, dass sich auch dem Gebrauchtmarkt gute Fahrzeuge finden lassen. Und gemeinsam mit der frühen Mehrheit lasse ich mich nun überzeugen und schwimme mit. Lade ich den Wagen an der heimischen Steckdose, bereitet mir Balkonkraftwerk jetzt noch mehr Freude. Durchschnittlich fährt der MG mit etwa 3-4 €uro Strom pro 100 Kilometern das ist etwa ein Viertel dessen, was der Citroën kostet.

Spannend – und ehrlichereise beschämend – ist jedoch die außerhäusliche Ladestruktur: Ich versuche zunächst, ohne irgendelche Karten, Abos und Anmeldedienste klarzukommen. Laden beim Lidl geht aber nicht so einfach. Erst müsste ich mich anmelden, allerlei Daten hinterlegen und während ich das noch versuche, werde ich ausgeloggt und gebe schließlich entnervt auf. Zehn Meter weiter steht ein HyperCharger. „Einfach App installieren und laden“, besagt das Display. Aber welche App? Das steht da nicht. Nach ein paar Minuten hilflosen googlens habe ich gelernvt, dass der Hypercharger zu Alpitronic gehört. Aber auch hier muss ich mich zunächst registrieren, eine Karte bestellen und… okay okay…

Am Ende des Tages teste ich missmutig den SuperCharger von Tesla. Einstecken. Handy vorhalten. Fertig. Keine dreißig Sekunden hat das ganze gedauert. Keine Registrierung. Nichts. Mein Auto lädt.

Ich verachte und verurteile Elon Musks Einflussnahme in die (deutsche) Politik. Aber ich muss neidlos anerkennen, dass die Amerikaner in der Lage sind, eine Ladeinfrastruktur aufzubauen, die es mir sehr leicht macht. Und am Ende wäre es mir auch egal, ob ich ein paar Cent mehr bezahle, als bei EnBW oder ARAL oder wie sie alle heißen – ich will Zuverlässigkeit und Bequemlichkeit. Ich will mich darauf verlassen können, auf der Autobahn laden zu können, ohne mich durch einen Karten- und Tarifdschungel schlagen zu müssen.

Mit den frisch gesammelten Erfahrungen machen wir uns aktuell auf die Suche, Ersatz für den großen Citroën zu finden. Denn spätestens nach dem überfahrenen Reifen sind dessen Tage gezählt. Aber verschulden möchte ich mich auch nicht – insbesondere, da unsere Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt werden wird. Aber davon erzähle ich ein andernmal.

3 Kommentare zu „Elektrifizierung: Hui und Pfui. #2“

  1. Moin aus Ostfriesland,

    wir haben just letzte Woche einen Berlingo durch einen ID Buzz ersetzt. Hatten das Fahrzeug in Dänemark oft gesehen und uns verguckt in die freundliche Front. Bisschen peinlich, weil ich Autos immer doof fand und jetzt offenbar einen Tick entwickelt habe. Naja, jedenfalls kann ich dein Gefühl verstehen, wir fragen uns gerade auch: Warum nicht früher? Und die Frage könnte man getrost auch der ganzen Autoindustrie und ganz Deutschland stellen, weil: Zurück will ich nicht.

    Zum Laden: Schau doch mal bei EWE Go. Die sind hier sehr präsent (sitzen aber auch in Oldenburg) und vernetzen ihre App auch mit Partnerstationen (ist dann teurer und so). An sich lade ich aber gern darüber, sind auch – glaube ich – gute Preise. Bin aber auch nicht voll im Thema und weiß auch nicht sicher, ob das in/um Siegen was bringt. Bei meinem letzten Besuch zu Hause im Sauerland war ich irritiert, weil wir hier in Ostfriesland deutlich mehr Stationen zu haben scheinen.

    1. Ja, Siegen ist diesbezüglich ein schwarzes Loch, glaube ich.
      (Vermutlich gibt’s hier mehr Kohle-Stationen und Tender-Waschanlagen, als Stromer, haha)

      Glückwunsch zum neuen Auto!

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