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Fordern und Fördern und lachen

„Stop, Steffi: Was sind alpha, beta, gamma?“ Seyma sieht mich an, ist aber völlig von der Rolle. Ich versuche ihr zu helfen: „Fängt mit W- an und hört mit -inkel auf.“
Allenthalben Kichern in der Klasse, was Seyma noch mehr aus der Bahn wirft.

„Variable?“

Gröhlendes Gelächter und damit auch der endgültige Streich unter meine Bemühung, die Stunde zu einem guten Ende zu führen. Die Klasse johlt und packt ihre Sachen. Auch Seyma grinst und schüttelt den Kopf.

Nachdem wir zu Beginn der 8. Klasse ein tiefes Tal an Antriebslosigkeit und Lethargie durchqueren mussten und meine Co- und ich die Kinder über Tage hinweg völlig stumpfsinnige Reflektionsaufsätze haben schreiben lassen, ist der Start in das neue Schuljahr ein Unterschied wie Tag und Nacht: Es wird viel gelacht und gelernt und sich unterstützt.

Aber: Wo immer sich kleinste Undiszipliniertheiten auftun, sind wir Lehrkräfte mit brachialer Präsenz zur Stelle: Ersten Vokabeltest im neuen Fach verzammelt? Sofort gibt es ein Gespräch bei uns. Sportsachen vergessen? Direkt antanzen.

Die konsequente Bekämpfung von Undiszipliniertheiten führt dazu, dass der reguläre Unterricht unwahrscheinlich viel Spaß macht. Die Jungen und Mädchen treiben sich gegenseitig nach oben – eine Gruppe von Mädchen hat sich das Ziel gesetzt, gemeinsam in die Oberstufe zu kommen und Rituale und Lernstrategien für sich entwickelt.

Ich glaube, dass diese Mischung aus berechenbarer, klarer Führung mit transparenten Forderungen auf der einen, und großer Freiheit, Wertschätzung und Lust auf Neues auf der anderen Seite ein gesunder Weg ist, um durch die Schule (und das Leben) zu kommen. Fordern und fördern und lachen.

In den letzten zwei Wochen habe ich in jeder einzelnen Mathematik-Stunde mit der „Thinking-Classroom-Methode“ gearbeitet: Zufallsgruppen, arbeiten an Whiteboards und viel diskutieren über vertiefende Denk-Aufgaben. Und sowohl in der 6 als auch in der 9 klappt das inzwischen völlig routiniert und sorgt für eine spannende Durchmischung: Jeder lernt mit jedem zu arbeiten. Die Kleingruppen ermöglichen, dass auch die unsicheren Kinder stark zu Wort kommen, nachfragen, aufschreiben und Ideen einbringen. Ich liebe das.

Ein hilfreicher Kniff dabei: Es gibt Flipchart-Papier aus Folie, das durch elektrostatische Aufladung an Fenstern, Wänden und Türen haftet . Mit abwischbarem Whiteboard-Markern beschrieben, kann ich die mehrfach verwenden und muss hinterher nicht die Fenster und Türen putzen – überaus praktisch. (Amazon-Link)

Und wenn am Ende des Tages eine Mathematik-Stunde in der 9. Klasse mit viel Gelächter und Frotzelei endet, dann weiß ich, wie gerne die Kinder in die Schule kommen. Und das ist ein Aspekt, den ich in diesen furchtbar anstrengenden Zeiten sehr, sehr wertschätze.

 

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