Anfang Juli entschlossen wir uns, bei einem der größten Deutschen Autohäuser ein Elektroauto zu kaufen. Das Geld war innerhalb eines Tages überwiesen, das Auto stand bereit – aber die Papiere kamen und kamen nicht. Tage vergingen, dann Wochen. Aus dem Urlaub heraus schrieben wir Mails und telefonierten, setzten Fristen und traten schließlich vom Kauf zurück.
Dem folgte die nächste Hürde: Der gesamte, fünfstellige Betrag wurde nicht zurücküberwiesen. Wieder Aufwand betrieben und hingefahren, Gespräche gesucht und Verbindlichkeiten eingefordert. Die Laune war eher auf dem Tiefpunkt. Mitte August erhielten wir schließlich, nach zähem Ringen, unser Geld zurück. Eine Alternative – gleiches Auto, aber gebraucht – haben wir nach nettem Kontakt bei Ebay Kleinanzeigen gefunden und gekauft.
Inzwischen ist publik: Das Autohaus ist insolvent – angezahlte Autos gehen in die Insolvenzmasse über. Wären wir nur etwas geduldiger und vertrauensvoller geblieben, hätten wir sehr, sehr viel Geld verloren.
Viel spannender ist aber die Frage: Wie ist das Leben mit einem Elektroauto?
Im Vorfeld hatte ich doch einige Unsicherheiten:
- Funktioniert das heimische Aufladen an der Steckdose problemlos?
- Tausend Anbieter von Ladesäulen? Karten? Accounts? Worauf muss ich achten?
- Welcher Typ Stecker macht… was? Hä?
- Muss ich auf die Batterieanzeige des Autos achten oder auf die prognostizierte Kilometerzahl?
- …
Der gekaufte MG4 hat unseren Zweitwagen ersetzt: Klein, günstig und ohne viel Schnickschnack. Der Gedanke war, mit diesem Modell auszutesten, was möglich ist und den Familien-Benziner so weit wie möglich stehen zu lassen.
Nun, das hat funktioniert:
Acht Wochen später sind wir mit dem Stromer über 4000 Kilometer gefahren – während der Familien-Van komplett in den Hintergrund gerückt ist. Sogar eine lange Tour bis nach Berlin haben wir mit dem MG unternommen, obwohl er mit seinem kleinem Akku und langsamem Laden dauerhaft nicht als Langstreckenauto geeignet ist.
Rückblickend habe ich mir völlig unnötig (wenn auch vielleicht verständlich) Sorgen gemacht: Am einfachsten ist das Laden beim Tesla Supercharger-Netzwerk. Kein Account, kein gar nichts. Nur Kreditkarte dranhalten und laden. Das macht die Planung für längere Strecken vorhersehbar und überaus bequem. Als ich das ein paar Mal durchgespielt und verstanden habe, folgten Accounts bei anderen Anbietern.
Das Laden an der heimischen Steckdose ist fantastisch: etwa 12 Euro kostet mich das „Volltanken“ meines MG, mit dem ich im Stadtverkehr knappe 270 km weit komme. Auch die Aufregung „Hält der Akku, was er verspricht“ ist langweiliger Routine gewichen: Das Auto fährt und fährt und fährt.
Niemals wieder werde ich den Luxus des Elektroautos aufgeben. Als Familienauto ist der MG4 dauerhaft zu klein, aber das wussten wir auch vorher schon. Die Tage des Citroën sind gezählt.
