Abschied nehmen

Abschied nehmen

Dieses Blog ist auch als eine öffentliche Liebeserklärung an den Beruf des Lehrers gedacht und Beiträge wie der heutige sollen und dürfen daran erinnern, wie wunderbar dieser Beruf ist – denn heute hieß es endgültig Abschied nehmen von einem weiteren Lieblingsjahrgang.
19619219_1977456685823900_1211451552_oIn unserer letzten Stunde habe ich die Schülerinnen und Schüler nach Erinnerungen und prägenden Momenten gefragt und viele lustige Anekdoten zu hören bekommen. Auch ich verbinde viel mit diesem Jahrgang. Die allererste Stunde, die ich überhaupt je an dieser Schule gehalten habe, war in dieser Klasse. Noch bevor ich meinen Vertrag unterschrieben hatte, durfte ich mit diesen Kindern schon arbeiten. Diese erste Stunde ist dabei sowohl mir, als auch vielen Schülerinnen und Schülern im Gedächtnis geblieben. Außerdem verbinde ich mit diesem Jahrgang natürlich meinen Ultrakurs mit knapp 50 Schülern in einem Raum.

Mit 24 von ihnen habe ich das Fach “Technik” wirklich kennen und lieben gelernt. Mit ihnen und durch sie und für sie habe ich die Arbeit mit den Workbooks begonnen und mich zunächst durch die Elektrotechnik und in diesem Jahr durch die Bautechnik gearbeitet. Wir haben Radios gebaut und Mikroskope, Bänke aus Beton gegossen und dabei viel, viel, viel gelernt.

Andere haben mir dieses Jahr in Physik Facharbeiten über die Spritzmuster von Toiletten abgeliefert, die die Welt durch ihren Unsinn einfach zu einem besseren Ort machen.

Am intensivsten wird mir aber mein Mathematikkurs im Gedächtnis bleiben, der vor zwei Jahren teilweise neu zusammengesetzt wurde. Dieser wunderbare Kurs ist mir mehr ans Herz gewachsen, als ich in Worte zu fassen imstande bin. Es hat mich sehr gefreut, heute einigen Eltern die Hände zu schütteln und ihnen zu so großartigen Kindern gratulieren zu können. Jedes einzelne hätte ich adoptieren mögen – so lieb habe ich sie gewonnen. Wir haben gemeinsam die binomischen Formeln gesungen und gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet.

Und als ganz zum Schluss, nach den Zeugnissen und nach der Feier zwei Schülerinnen vor mir standen – zwei, die in den letzten drei Jahren stets in erster Reihe direkt vor dem Lehrerpult saßen und mir denen ich viel Zeit verquatscht habe – als diese zwei vor mir standen und sich tränenreich verabschiedeten, da hätte ich sie drücken und herzen mögen und nie wieder hergeben. Aber weil sich das nicht ziemt, habe ich nur geheult, mir die Tränen weggewischt und ganz cool getan. Aber ach! Ach!

Ihr Lieben!
Ich trauere euch nach und feuere euch an. In zehn oder zwanzig Jahren, wenn ihr in sentimentalen Momenten zurückdenkt: Meldet euch bei eurem alten Mathematik- und Physik- und Techniklehrer und erzählt doch, was aus euch geworden ist.

Ein allerletztes Mal also: Es war mir eine Freude!

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