Apfelkuchen im Spätsommer

Apfelkuchen im SpätsommerSchon seit Jahren wollte ich mir die Zeit nehmen, einmal eine lange, zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Diesen Traum habe ich mir erfüllt:

Nach dem Tod ihres Mannes Thomas empfindet die 39-jährige Emma vor allem eines: Erleichterung. Abseits ihrer finanziellen Nöte steht sie nun vor der Frage, wer sie eigentlich ist, und wie es so weit kommen konnte, dass die toxische Beziehung zu ihrem jetzt toten Mann sie um alles gebracht hatte, was ihr einmal wichtig gewesen war.
Auf der Suche nach sich selbst ist sie überrascht, als sie in ihrer Großmutter nicht nur eine geduldige Zuhörerin, sondern eine Verbündete und Seelenverwandte findet.
Und als plötzlich der charmante Pfleger Robert ganz offensichtlich um sie wirbt, droht Emma all ihre vernünftigen Vorsätze über Bord zu werfen.

Die Entstehungsgeschichte „Wie man einen Roman schreibt“ findest du hier. Den Roman „Apfelkuchen im Spätsommer“ ist bei Amazon als ebook, Taschenbuch und Hardcover erhältlich.

 

Kapitel 1

Als Thomas seinen letzten Atemzug tut, fällt Emma ein Stein vom Herzen, so groß wie der Mount Everest. „Es tut mir leid, Frau Blohm. Ihr Mann ist tot!“ stellt Dr. Ulrich mit sonorer Stimme fest, als sei das nicht völlig offensichtlich und verzieht für einen Moment missmutig den Mundwinkel. Kurz fragt sich Emma, ob es dem Arzt wirklich leid tut, oder ob das nicht nur eine Floskel ist.
Dr. Ulrich wirft erst der weißen Uhr an der Wand und dann ihr einen mitfühlenden Blick zu, während er auf einen kleinen Schalter am Herzmonitor drückt und mit dem schrillen Piepsen auch einen großen Abschnitt ihres Lebens jäh beendet.
Emma schweigt und kann die Augen nicht von der wunderschön gerade, rot leuchtenden Linie abwenden. Sie atmet befreit ein, das erste Mal seit Monaten, und stößt die Luft dann langsam aus, während ihr Blick über die leblose Hülle wandert, die einst ihr Mann war.
Friedlich liegt er da, als würde er nur schlafen. Die Augen geschlossen, der Mund leicht geöffnet, als sei er empört über die Frechheit seines eigenen Todes. Die rechte Hand schaut unter der Decke hervor, die Finger gespreizt, als habe er zuletzt nach etwas greifen wollen.
Was das wohl war, denkt Emma und ihr Blick klebt an seiner Hand.
Eine betroffene Miene ist wohl das, was Dr. Ulrich jetzt von ihr erwartet. Doch sie kann es nicht. Sie will es auch nicht. Der Oberarzt mustert sie aufmerksam.
Emma löst ihren Blick und schaut dem Arzt fest in die Augen.
„Wissen Sie, ob es in der Kantine Apfelkuchen gibt? Ein Stück Apfelkuchen wäre jetzt genau das Richtige.“
Als Dr. Ulrich irritiert die Stirn runzelt, hebt sie die Hand zu einer wegwerfenden Geste und ohne auf eine Antwort zu warten, verlässt sie mit ruhigen Schritten das Zimmer.