Gaffer

Neulich war ich mit meiner Frau in einem schwedischen Möbelhaus. Wir schlenderten durch die Gänge, als ich eine Mädchenstimme hinter mir hörte:

“Guck mal, Mama. Das ist aber ein großer Mann.”

Sie meinte mich.

Ich könnte ohne Schwierigkeiten in den Klub Langer Menschen eintreten. Zweimal! ;-). Im Laufe der Jahre habe ich mich daran gewöhnt, von allen Seiten begafft zu werden.

“Alta! Spielst du Basketball oda was?!”

Bei Kindern reagiere ich, intuitiv, nicht so angenervt. Aber diesmal konnte ich mich nicht zurückhalten.

“Guck mal, Mama. Das ist aber ein großer Mann.”

Ich drehte mich um und schaute sie verschmitzt an.

“…und der große Mann hat auch noch sehr gute Ohren.”

Der Mutter war es sichtlich peinlich – ich schlenderte vergnügt weiter.

Aber es wirft in mir die Frage auf, ob und wie verwerflich das Angaffen von Menschen ist. Rollstuhlfahrer, Blinde, Kriegsversehrte, Ausländer, Dicke, Behinderte, Große, Kleine.

Kann man das kontrollieren?

Vermutlich nicht. Neugierde ist uns Menschen angeboren. Und jemand, der aus der Reihe tanzt, der nicht in unser Schema passt, den glotzen wir erst mal an. Eine Freundin hat mir vor vielen Jahren ein T-Shirt geschenkt. Ich bin nicht so der Freund von Sprüche-Shirts, aber dieses war echt gut. Darauf stand:

Ja, ich bin über 2 Meter.

Nein, ich spiele kein Basketball.

Und die Luft hier oben ist beschissen.

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