Ostern 2019

Im Unterschied zu Geburtstagen sind die Familientreffen mit meinen Geschwistern für mich heilige Tage. Weihnachten, Ostern, Pfingsten und einmal im Sommer finden wir die Zeit zum Reden und Essen und Lachen und Weinen. Auch die vergangenen Tage haben wir so zelebriert und das herausragende Wetter tat sein Übriges, um dieses Ostern zu einem Genuss werden zu lassen.

Morgens im Garten überall Eier und Schokolade versteckt und anschließend gefreut, wie die (kleinen und erwachsenen) Kinder ganz aufregend durch Hecken gekrochen und um Bäume geschlichen sind. Ein Frühstück wie aus dem Auenland zelebriert und viel miteinander gesprochen. Wir haben einen familiären Buchclub gegründet und zuletzt „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky gelesen. Ich gestehe: Das war mein Vorschlag. Und ich habe mich vielfach entschuldigt. Sicherlich eines der oberflächlichsten Bücher, die ich jemals gelesen habe. Aber Regel Nummer 2 des Buchclubs lautet: „Es wird nicht diskutiert. Was der aktuelle Buchclubpräsident vorschlägt, wird gelesen“. (Regel Nummer 1 besagt, dass kein Buch gewählt werden darf, dass irgendein Mitglied des Clubs schon gelesen hat). Jedenfalls: Ich bin raus und werde nach Meinung meiner Geschwister auch so schnell nicht wieder das Präsidentenamt innehaben. Die aktuelle Präsidentin hat entschieden: „Das Bildnis des Dorian Gray“. Kann ja nur besser werden.
Außerdem den ganzen Tag die Sonne genossen und mit den Kindern Gesellschaftsspiele gespielt. Mitgelacht, als meine älteste Tochter (fast schon traditionell) von meinem Bruder samt Klamotten in den Pool geworfen wurde. Viel Kuchen gegessen. Nudeln selbst gemacht. Wein getrunken und Geschichten erzählt.

Muss man so etwas öffentlich schreiben? Ich weiß es nicht.
Das Schreiben hat für mich etwas Therapeutisches und ich bilde mir ein, dass kritisches, positives, unterhaltendes Lesen und Schreiben seinen Platz hat.

Unsere Gespräche haben sich mit den Jahren weg von alten Anekdoten hin zu ernsteren Themen bewegt. Wie ich als Vater und als Lehrer und als Mitglied einer Schulleitung zu den Friday for Future-Protesten stehe. Wie wir nachhaltig leben können und wollen. Gedanken zu Kindererziehung. Und auch (zu) viel über Gesundheit, Krankheit und Vorsorge.

Muss so etwas sein? Hier sein?

Ich weiß es nicht.

Aus meinem Abiturjahrgang fehlen bereits einige. Zwei meiner eigenen, ehemaligen Schüler sind in den letzten Monaten verstorben. Das beschäftigt mich. Was ist mir wirklich wichtig?

Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht.

Dieses Ostern hat mir unendlich viel bedeutet. Mit meiner, immer größer werdenden Familie Jahr für Jahr zusammenzusitzen und zu feiern sind für mich heilige Momente. Ich zelebriere sie.
Für die Zukunft bedeutet das, noch ein Stück radikaler zu werden. Negative Menschen und negatives Denken abschneiden. Ich will mich noch mehr mit verrückten, lebensfreudigen, positiven Menschen umgeben. Leuten, die Lust haben. Auf Schule. Auf Freizeit. Auf Umweltschutz. Leuten, die leidenschaftlich sind und innerlich brennen.

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4 Gedanken zu “Ostern 2019”