Kommunikationsmanagement in der Schule #4

Dieser Text ist Teil einer Serie, die sich mit Kommunikationsmanagement in der Schule auseinandersetzen. In dieser Serie soll das Thema von verschiedenen Stellen aus beleuchtet werden. Dazu zähle ich im weitesten Sinne Gesprächsanalysen, Argumentationsstrukturen und Deeskalationsstrategien aber auch Körperhaltung, Stimmlage und Präsenz. Die einzelnen Artikel konzentrieren sich auf verschiedene Aspekte von Kommunikationsmanagement und sollen langfristig zu einem schulinternen Fortbildungsseminar zusammengefügt werden.

Während des Studiums haben wir hin und wieder gefilmte Unterrichtssituationen angesehen und analysiert. Daraus ergaben sich dann oft intensive Diskussionen: Wie hätte man selbst in der Situation reagiert?
So hilfreich diese Videos auch waren – in meiner Erinnerung sind das flackernde schwarz-weiß Aufnahmen von Kindern in Schlaghosen aus einem anderen Jahrhundert. Und die DVD „50 exemplarische Unterrichtsstörungen“ ist leider aus.
In der Praxis komme ich nur schwer an solche Videos heran: Ich kann schlecht Unterricht filmen – erst recht, wenn der Fokus auf den Störungen und dem Verhalten des Lehrers liegt. „Ach, Herr Meyer, ignorieren Sie einfach die Kamera. Brüllen Sie die Kinder ruhig richtig an! Wie immer! Jaja, bis einer weint!“

Die Beschäftigung mit Kommunikationsmanagement findet an meiner Schule nicht im Geheimen, sondern in Absprache mit dem gesamten Kollegium statt. Die Lösung finde ich in unserer „Darstellen und Gestalten“-Gruppe. Normalerweise üben die Schülerinnen und Schüler Theaterstücke ein – können aber nun genau dafür eingespannt werden. Nicht nur, dass sie von uns vorgegebene Unterrichtssituationen spielen – Schüler laufen oft dann zur Hochform auf, wenn sie ihre Lehrer*Innen persiflieren. Das tut ein bisschen weh – kann aber sehr hilfreich sein.
Noch besser: Ich habe auch eine Film-AG an der Schule, die mir die Sequenzen filmt und zurechtschneidet.

Am Ende des Tages habe ich einen Katalog von Videosequenzen, die ich beim nächsten Pädagogischen Tag zeigen und damit arbeiten kann:

Esra quatscht ununterbrochen mit Stefan. Nach der dritten  Aufforderung des Lehrers, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, wird sie ausfällig: „Wir haben uns nur über das Thema unterhalten! Bei den anderen sagen Sie nie was! Immer nur auf mich! Sie sind so ein Opfer!“

Schnitt.

Und jetzt?

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