Feedback zur Potentialanalyse (II)

Nach der Potentialanalyse gestern stand heute das verdiente Frühstück für meine 8er auf dem Plan. Bei Brötchen und Kakao haben wir den Tag gestern Revue passieren lassen.
Die Mitarbeiter der Agentur gestern versicherten mir, die Schüler wären zu ganz großen Teilen sehr zufrieden, das habe das Feedback ergeben.

Mit dem Feedback ist das aber immer so eine Sache.

Frage ich meine Schüler, wie sie meinen Unterricht finden, dann werden die meisten sagen “Großartig, Herr Klinge. Gerne bitte mehr davon.” (Stellt euch zusätzlich einen dezenten Knicks und ein höfliches Lächeln vor.) Zu Hause am Mittagstisch werden sie aber vermutlich trotzdem über mich schimpfen. Höflichkeit vs. Ehrlichkeit.

Damit auch ich nicht das Ergebnis des Feedbacks verfälsche (oder zumindest nicht sehr verfälsche), erinnere ich die Schüler daran, dass es beim Feedback nicht darum geht, auf einzelne Mitarbeiter zu schimpfen oder Witze zu machen.
Tatsächlich kommen dann weitestgehend sinnvolle Beiträge. Die Zitate sind nicht wörtlich, sondern sinngemäß.

  1. “Der erste Teil war anstrengend – aber als Kernelement des Ganzen nötig. Im zweiten Teil fühlte ich mich überfordert. Außerdem waren einzelne Mitarbeiter echt unfreundlich. Da kamen so Sprüche wie ‚Du bist so jemand – wenn einer am Boden liegt, dann trittst du noch zu.’ (sic!)”
  2. “Insgesamt war das ganz okay. Das Ergebnis meiner Fähigkeiten entspricht meinen Erwartungen.”
  3. “Im Prinzip war der Anfang gut, aber sehr anstrengend. Der zweite Teil war sehr gut. Viele Mitarbeiter waren sehr sympathisch und freundlich.”
  4. “Ich hätte die erste Phase lieber auf Papier gemacht. Die ganze Zeit auf die Wand zu starren war sehr anstrengend.”
  5. “Schwere Fragen und viele Fremdworte. Die Mitarbeitereinschätzung war manchmal seltsam und zuweilen von der Sympathie abhängig. Die Stärkenübersicht war bei mir Quatsch – ich habe nichts Neues Erfahren.”
  6. Blöd war die fehlende Individualität. Der Schlüsselanhänger musste millimetergenau gefertigt werden. Die Buchstaben waren vorgegeben. Ich wollte die Sache aber auf meine Art erledigen – weil ich das nicht konnte, habe ich provoziert und für Ärger gesorgt. Alle haben in unserer Gruppe auch die gleichen Berufsfelder genannt bekommen.”
  7. “Der erste Teil war mega-öde. Nur weil ein paar Leute rumgekaspert haben, war es lustig. Erst recht, als wir herausbekommen haben, wie man mit der Fernbedienung Quatsch machen kann. Der zweite Teil war aber meist gut.”

Ich habe anschließend noch eine kleine Umfrage gestartet (und bin mir auch hier bewusst, dass die Art der Frage das Ergebnis beeinflusst).

“Wer findet die Potentialanalyse prinzipiell sinnvoll?”                                –> 20 von 28
”Wer fand die Durchführung gestern gelungen, nimmt also etwas mit?”   –> 12 von 28
„Wer hat etwas neues über sich selbst gelernt?“                                       –> 16 von 28
„Wer hat etwas neues über andere Berufsfelder gelernt?“                         –> 15 von 28
„Wer fand den Tag verschwendete Zeit?“                                                   –> 14 von 28

Außerdem:
“Herr Klinge, die Menschlichkeit ist bei uns allen im roten Bereich!” empören sich ausgerechnet die Klassenclowns. Haha.

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