Quatsch & Konter-Quatsch

Quatsch & Konter-Quatsch

Kurz bevor der Unterricht mit meiner 9 beginnt, warnt mich ein Schüler vor. “Herr Klinge, es könnte sein, dass gleich die 10er hier reinstürmen und Ihren Unterricht umwerfen.“

Ich hatte es geahnt. Morgen bekommen sie ihre Zeugnisse überreicht und die letzten Tage davor wird vor allem geprobt und (zurecht!) gefeiert. Weil ich selbst ein rechter Tunichtgut bin, fordere ich meine Schüler auf, eine lustige Replik zu entwerfen. Etwas, was aus dem Rahmen fällt und womit wir die Absolventen ein wenig aus dem Tritt bringen können. Die Ideen sprudeln und schnell einigen wir uns.

Kaum zehn Minuten nach Beginn der Stunde geht die Tür einen Spalt auf und zwei 10er schauen herein. “Dürfen wir…?”, fragen sie ganz vorsichtig und schließen die Tür wieder, als sie meine ausdruckslos Miene sehen. Die 9er prusten los und ich recke die Arme in die Luft. Das ist Respekt! Dafür, dass sie sich so rücksichtvoll verhalten haben, liebe ich diesen Jahrgang noch mehr als ohnehin schon. Ganz wunderbare Schülerinnen und Schüler verlassen uns da.

Erst im dritten Versuch gibt es kein Zögern mehr und unter lautem Getöse, altersgemäßer Musik (naja… “Musik”) und Gejubel stürmen haufenweise gut gelaunte junge Erwachsene mein Klassenzimmer.
Von ihnen unbemerkt verlassen zwei meiner Schüler mit meinem Schlüssel den Raum und schließen von außen ab. Es vergehen einige Minuten, in denen ich mich künstlich aufrege aber offensichtlich das Spiel mitspiele. Als die Feiergesellschaft wieder gehen will gibt es Aufregung. Sie sind eingeschlossen.

Mit mir.

Mathematik für die Ewigkeit. Ein Traum.

[aus Chronistenpflicht dokumentiert; Abschluss des Jahrgangs 2016/17]

One Reply to “Quatsch & Konter-Quatsch”

  1. Hallo Herr Klinge. Ich kenne sie zwar nicht persönlich. Aber aus den Erzählungen meines Sohnes spiegelt diese Aktion das Bild wieder, was ich aus meiner Jugend und Schulzeit in coolen Lehrern habe. Ich hatte auch so einen. Vielen Dank dafür das sie den Schülern den Respekt geben, den sie , vielleicht nicht immer, verdient haben. Solche Lehrer braucht es.
    Ein Vater Ihres wunderbaren Jahrgangs.

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