Verfassungsrichter schützen den Advent

2. Dezember 2009 12 Von Jan-Martin Klinge

Die Kirchen haben gegen die Möglichkeit, an jedem Sonntag in Berlin einzukaufen geklagt – und gewonnen. Die vier verkaufsoffenen Adventssonntage sind verfassungswidrig.

Sei man nun Christ oder nicht, Arbeitnehmer oder nicht. Das Signal der Richter ist eindeutig und meines Erachtens auch vernünftig: Der Sonntag als gemeinsamer Ruhetag bleibt bestehen.

Ob das Wochenende, der Sonntag oder die längeren Öffnungszeiten zur Disposition stehen, Kern der Frage ist doch immer:

Dürfen wir uns den Luxus gönnen, mal nicht zu arbeiten?

Unbedingt!

Ich freue mich zwar, wenn ich auch um 21.50 Uhr noch schnell in den Laden fahren kann, aber wenn ich an die müden Mitarbeiter des Supermarkts denke, wird mir anders. Nicht nur, dass sie den ganzen Dezember ununterbrochen von Weihnachtsmusik zugedröhnt werden, ihnen jetzt auch noch den freien Sonntag im Advent zu nehmen halte ich für menschenverachtend.

Zum Schluss nur noch folgendes:

Kultur (zu Lateinisch cultura, „Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“, von colere, „wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen“) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik, der Bildenden Kunst, aber auch geistiger Gebilde wie etwa im Recht, in der Moral, der Religion, der Wirtschaft und der Wissenschaft.

Ich bin stolz, Teil einer Gesellschaft zu sein, die Raum und Zeit für Kultur lässt und dem Streben nach Kommerz Einhalt gebietet.