“Sex-Wettbewerb” im Nachmittagsprogramm (Update)

10. Dezember 2009 3 Von Jan-Martin Klinge

Ich gebe es offen zu: Ich bin kein Fan von Fernsehen. Würde es bei der GEZ einen wirklichen Unterschied machen, wäre der Anschluss eher heute als morgen gekündigt.

Die Inhalte – speziell der privaten Sender – empfinde ich als infantil und größtenteils ekelhaft. Zwischen Talkshows und Werbung, Casting-Shows und Werbung, Gerichtsshows und Werbung, Pseudo-Familien-Dokumentationen und Werbung, Koch-Shows, Big Brother und Werbung und dem Jamba-Spar-Abo bin ich irgendwo auf der Strecke geblieben. Nur noch selten werde ich aus jener dumpf-drögen Lethargie geweckt, wenn es um das Fernsehprogramm geht.

So wie heute.

Pro 7 plant ab Mitte Januar eine Nachmittags-Show mit Namen “50 pro Semester”. Inhalt: 5 Studenten treten gegeneinander an. Wer zuerst 50 Männer/Frauen ins Bett kriegt, hat gewonnen.

Und im Anschluss untersucht Galileo Mystery vermutlich die Frage: “Sind die Deutschen beziehungsunfähig?” Und in der passenden Familien-Doku hinterher wird ach-so-betroffen über Scheidungsfamilien und sozialgeschädigte Kinder berichtet.

Als Vater, als jemand, der viel Jugendarbeit macht und als Lehrer ist man wirklich bemüht. Ich, ach was… wir alle geben uns redlich Mühe, unseren Kindern Werte und Normen beizubringen. Wir wünschen uns, dass unsere Kinder es im Leben zu etwas bringen. Das sie glücklich werden. Erfolgreich im Beruf. Glücklich in Beziehungen. Dass sie andere Menschen achten und selbst geachtet werden.

Und im Nachmittagsprogramm präsentiert uns Pro7 genau das Gegenteil. Menschen degradiert zu Nummern. Wer den meisten Sex hat ist der Coolste. Das Fernsehen züchtet eine Generation von Loosern. Wer nicht bei DSDS gewinnt, wer keine Chance bei Germanys Next Topmodell hat und wer offenbar keine 50 Sexualpartner (schon in der Schule) hat, ist ein absoluter Verlierer.

Und wir wundern uns über eklatante Schwierigkeiten mit der Jugend?

Übrigens: Abschalten bringt leider gar nichts. Da die Einschaltquoten über wenige bestimmte Personen bestimmt werden, merken die Sender keinen Unterschied.

Aber man kann sich an Pro7 direkt wenden und seine „Begeisterung“ über das Format zum Ausdruck bringen.

Kontakt Pro Sieben:
E-mail zuschauerservice@prosieben.de
oder
E-mail ulrike.halupka@prosiebensat1.com
oder
Telefon: +49 [89] 9507-10

Update: Nach massiven Protesten verschiebt Pro7 die Show auf „irgendwann“. Ein Sprecher des Senders zeigt sich jedoch erstaunt: Solche «positiven menschlichen Bedürfnisse» [gemeint ist Sex] dürften nach Meinung des Senders auch am Nachmittag thematisiert werden. Hoffentlich erreichen den Sender noch ein paar weitere Meinungen, einige Mitarbeiter scheinen bereits genervt von der Schwemme an E-Mails :-).