Hochschulreife… irgendwie

22. Januar 2010 5 Von Jan-Martin Klinge

Bisher brauchte man in Deutschland das Abitur als Zugang zur Universität. Einzig Meister, Techniker und Fachwirte hatten noch ein eingeschränktes Hochschulzugangsrecht.

Von Humboldts ursprünglicher Version (Prüfung in Latein, Griechisch, Französisch, Deutsch, Latein & Naturlehre) sind wir heute weit entfernt.

Zum Glück. Denn eine besondere Begabung für Sprachen kann ich nicht aufweisen.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete vergangene Woche über eine Änderung des Zulassungsrechts in Niedersachsen; dort dürfen zukünftig auch Elektriker und Krankenschwestern studieren.

Konkret: Wer eine Berufsausbildung hat und danach drei Jahre Berufspraxis vorweisen kann, der darf auch ohne Abitur fachbezogen studieren.

Einerseits halte ich eine gewisse humanistische Grundbildung für wichtig. Nicht zum Angeben oder für Günther Jauch, sondern für sich selbst.

Andererseits ist das Abitur auf dem Papier mehr wert, als in der Realität. Wenn wir ehrlich sind – das meiste haben wir nicht nur längst wieder vergessen, wir haben es auch in der Schule nicht wirklich gewusst. Ich befürworte eine erhöhte Durchlässigkeit unseres Bildungssystems – und zwar nach oben.

Wir dürfen in einer Zeit und in einem Land leben, in dem sich jeder von ganz unten nach ganz oben arbeiten kann. Und wenn sich bspw. ein KFZ-Mechatroniker nach vier Jahren zu einem Maschinenbaustudium entschließt, dann sollte man ihm meines Erachtens jede denkbare Unterstützung zukommen lassen.