Elektrosmog

3. Februar 2010 4 Von Jan-Martin Klinge

Arthur Firstenberg, ein Bürger der Stadt Santa Fe verklagt seinen Nachbarn, weil dieser ihn mit elektromagnetischer Strahlung in Lebensgefahr bringe.

Die elektrischen Geräte, allen voran der WLAN-Router und das Handy des Nachbarn würden ihn empfindlich stören, die elektromagnetische Strahlung gar zu Herzrythmusstörungen, Gedächtnisverlust und Bauchschmerzen führen. Firstenberg könne auch nicht in Hotels unterkommen, da diese grundsätzlich mit Wireless Lan ausgestattet seien, so dass

“…he will be forced to continue to sleep in his car, enduring winter cold and discomfort…”

(er gezwungen sei, in seinem Auto zu schlafen, trotz kaltem Winter)

Immer wieder finden solche Berichte ihren Weg in die Medien. Menschen haben Angst vor Handystrahlung, WLAN-Strahlung. Menschen haben Angst vor Mobilfunk-Sendemasten, Stromleitungen etc.etc.

Ich glaube, dass sehr viel Angst in Unwissen begründet liegt. Als das Radio Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmende Verbreitung fand, behaupteten nicht wenige Menschen, dies könne nur eine Erfindung des Teufels sein – sie konnten sich nicht erklären, wie die Stimmen in den Apparat kamen.

Ich möchte nicht ausschließen, dass es Menschen gibt, die sehr sensibel auf alle möglichen Einflüsse reagieren. Aber eine Allergie gegen Elektromagnetische Strahlung halte ich für unsinnig. Zunächst einmal:

Was ist Elektromagnetische Strahlung?

Man kann elektromagnetische Strahlung (oder Wellen) anhand ihrer Wellenlänge klassifizieren, das heißt, man bildet Gruppen und gibt ihnen Namen.

Wenn die Welle sehr lang ist (im Bereich von einigen Metern) dann nutzen wir sie fürs Radio. Wo auch immer man Radio empfangen kann, da sind auch elektromagnetische Wellen.

Wenn die Wellen kürzer sind benutzen wir sie für die Mikrowelle oder den WLAN-Router. Und wird die Wellenlänge noch kürzer, dann haben wir Licht. Also, überall wo Licht ist, da sind auch elektromagnetische Wellen. (Übrigens: Auch “Wärme” ist (infrarotes) Licht. Nachts unter dem Bett ist es also nicht wirklich ‚dunkel‘..)

Verkürzen wir die Wellenlänge immer weiter landen wir irgendwann bei der Gammastrahlung. Gammastrahlung finden wir zum Beispiel in unserem Garten. Und überall anders auch – denn die Erde strahlt ununterbrochen Gammastrahlung aus. Etwa 1-5 mSv pro Jahr.

Eine “natürliche Empfindlichkeit” allgemein gegen elektromagnetische Strahlung ist also eher zu bezweifeln.

Und wo wir gerade dabei sind: Wir Menschen strahlen auch. Im Körper eines jeden Erwachsenen befindet sich etwa 40 Milligramm radioaktives Kalium, dass eine Halbwertszeit von 1,3 Gigajahren hat – ein Überbleibsel aus der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 5 Milliarden Jahren.

Spannende Frage: Belastet uns diese interne radioaktive Quelle über die empfohlene Grenze von 20 mSv pro Jahr? Und: wird die Grenze überschritten, wenn mehrere Menschen auf engstem Raum zusammenstehen? Auf Antworten bin ich gespannt! 🙂