Kraftwerk? Ich bin auf jeden Fall dagegen.

15. März 2011 8 Von Jan-Martin Klinge

Durch die entsetzlichen Geschehnisse der letzten Tage ist die Diskussion um die Atomkraftwerke neu entflammt. Und während ich meinem Physikkurs alltagsbezogene Fragen auch am Wochenende zumaile (“Was hat es mit den Jod-Tabletten auf sich, die ständig erwähnt werden?”), beobachte ich besorgt die neu aufkommende Diskussion über das Für und Wider von Atomkraft.

Viele Menschen sind gestorben. In Tschernobyl. Nun in Fukushima. Und viele Menschen sind krank geworden. Durch Tschernobyl. Und vermutlich auch in den nächsten Jahren durch Fukushima.

Oft vergessen wird aber, dass auch durch Kohlekraft Menschen sterben. Eine Menge Menschen. Nur in China sind das rund 6000 Bergleute pro Jahr. Seit 1949 sind dort über 250000 Tote Bergleute verzeichnet. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Dazu kommen Folgeschäden durch Kohlebrände, Smog etc.
In der Ukraine sind seit 1991 knapp 4000 Bergleute gestorben. Indien? Sibirien? Kolumbien? Keine Orte, an denen ich gerne Bergmann wäre.

Als Physiker bin ich ein Anhänger der Kernfusion – allerdings bemühen sich die Grünen gerade, diese Technologie zu begraben. Es seien bis 2020 schließlich schon 6 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung geflossen – ein “Milliardengrab”.
(Um die Kosten besser einzuschätzen: Über 1 Milliarde Euro haben die Eurofighter gekostet; etwa 36 Milliarden Euro kostet der Krieg ‘kriegsähnliche Zustand’ in Afghanistan. 7,6 Milliarden Euro kassierte die GEZ im Jahr 2009. Flappsig formuliert: Wir könnten uns zehn Jahre intensive Kernfusionsforschung leisten, wenn wir ein Jahr auf das “Musikantenstadl” und “Wetten Das…!?” verzichten würden…)

Mir fällt vor allem eines auf: Diese Diskussion ist weit, weit größer, als das ich mit meinem Sachverstand ein vernünftiges Urteil abzugeben imstande wäre. Leider fehlt mir im Moment jedoch das Vertrauen, um die Ratschläge und Argumente einzelner Politiker/Gruppen/Parteien wirklich ernst zu nehmen.

Geht das nur mir so?