Zahlenspielerei, oder: Was kostet ein schlechter Lehrer?

20. Oktober 2011 5 Von Jan-Martin Klinge

In Zeiten von Burnout und Wirtschaftskrise, von Rettungsschirmen und der Festellung durch Hans-Werner Sinn, viele Berufe sollten geringer bezahlt werden, weil sie zu wenig erwirtschaften, ist in mir die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von uns Lehrern aufgekommen.

Welchen Nutzen bringe ich diesem Land, respektive: welchen Schaden richte ich eigentlich an?

Dazu eine kleine Rechnung (aber keine Sorge, es wird nicht schwer):

Das Bruttoinlandsprodukt (also der Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres hergestellt wurden) von Deutschland beträgt etwa 2500 Milliarden Euro.
Bei rund 80 Millionen Einwohnern erwirtschaftet also jeder Deutsche jedes Jahr durchschnittlich  31.000 Euro.

In einer langen Lehrerkarriere werde ich etwa 1000 Schülern begegnen, dass heißt: 1000 Menschen, die später jeder durchschnittlich 31.000 Euro pro Jahr erwirtschaften. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Schüler 50 Jahre im Beruf steht kann man also vereinfacht sagen:

Alle Schüler die ich unterrichten werde, erwirtschaften in ihrem Leben rund 1,5 Milliarden Euro.

Wenn ich ein guter Lehrer bin. Wenn meine Schüler den Durchschnitt erreichen.

Ein richtig guter Lehrer – und ich meine: Ein richtig guter, inspirierender Lehrer, der wird in seiner langen Karriere vielen Schülern begegnen. Sie inspirieren. Anfeuern. Motivierern. Ein richtig guter Lehrer dürfte dafür sorgen, dass ‘seine’ Schüler über diesem Durchschnitt liegen. Eine richtig gute Schule dürfte sogar weit über dieser Zahl liegen.

Und ein ‘schlechter’ Lehrer? Und eine ‘schlechte’ Schule? …!

Natürlich sind das alles Zahlenspielereien. Gerundet und vereinfacht.
Aber vielleicht müssen wir uns als Lehrer manchmal darüber klar werden, welches Ausmaß unser Beruf annehmen kann. Und sollte das für die Politik nicht ein Anreiz sein, besonders viel Geld in gute Lehrer und gute Schulen zu stecken? Ich wüßte nicht, wo die Rendite besser ist Smiley mit geöffnetem Mund.