Die große Erschöpfung!?

11. Januar 2014 5 Von Jan-Martin Klinge

2010-08-09 13.46.42Ich bin ein ganz großer Fan von Bill Cosby. Ich liebe seine Fernsehserie wegen ihres durchweg positiven Familienbildes, ich liebe Cosbys Humor und seine Art, über Familie und Ehe zu sprechen. Ich liebe das, weil ich Familie liebe. Weil ich meine Ehe liebe. Und weil ich meine Tochter liebe und auch noch das Vergnügen habe, beruflich mit Kindern arbeiten zu dürfen.
Neulich bin ich über einen lustigen Test für werdende Eltern gestoßen. Er stammt aus dem Buch “A beginners guide to fatherhood” von Colin Falconer. Ich finde den Test ganz lustig, weil ich Familie liebe und weil ich kleine Babys süß finde und gerne mit Kindern arbeite.

Ein Auszug:

Punkt 1:
Geburtsvorbereitung für Frauen:

  1. Zieh einen Morgenmantel an und binde dir einen Sitzsack um den Bauch.
  2. Lass beides dort.
  3. Nach 9 Monaten darfst du 5% der Bohnen aus dem Sitzsack entfernen.

Geburtsvorbereitung für Männer:

  1. Geh in die nächste Drogerie, lege all dein Bargeld auf den Tresen und kaufe alles, was irgendwie nach Hilfe aussieht. Alles.
  2. Geh zum nächsten Supermarkt und bitte den Filialleiter, ob dein Gehalt auch direkt an ihn überwiesen werden kann.
  3. Geh nach Hause. Lies die Zeitung. Zum letzten Mal.

Punkt 2:
Finde ein Paar, das bereits Kinder hat und gib ihnen Tipps bezüglich Erziehung, Disziplin, Geduld und wann man Kindern auch mal Freiheiten gönnen muss. Schlage außerdem Wege vor, wie das Kind besser durchschlafen kann, zudem Tipps für das Klotraining und Tischmanieren. Vielleicht auch etwas allgemein zu gutem Benehmen.

Genieß es! Zum letzten Mal in deinem Leben, hast du alle Antworten parat!

Punkt 3:
Um ein Gefühl für die Nächte zu bekommen, laufe von 22 Uhr abends bis 5 Uhr morgens mit einem klatschnassen Kopfkissen im Arm im Kreis.

Punkt 4:

  1. Kauf dir einen lebenden Tintenfisch.
  2. Versuche, den Tintenfisch in eine Handtasche zu bekommen, ohne dass auch nur ein Arm heraushängen darf. Du hast dafür 5 Minuten Zeit.


Insgesamt 14 Punkte.

Ich habe hier und da zumindest geschmunzelt.
P1050171Aber es gibt so Augenblicke, da wird aus einem lustigen Spruch eine bittere Bemerkung, nicht wahr? Wenn man immer und immer wieder über ein bestimmtes Thema Sprüche kloppt, werden sie irgendwann schal und schließlich ungenießbar.
Sprüche über Kindererziehung gehen einem leicht von der Hand, nicht wahr? Die FAZ publizierte Montag einen Artikel mit dem Titel “Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen.” Der SPIEGEL in seiner Printausgabe einen mit dem Titel “Die große Erschöpfung.” Das, der ZEIT unterstellte, Magazin The Germans einen mit “Ich liebe mein Kind – Ich hasse mein Leben.”

Die Liste setzt sich endlos fort.

Das hat bei mir dazu geführt, dass es mir zunehmend schwerfällt, zu differenzieren, welche Position ein Sprecher vertritt. Und das hat dazu geführt, dass ich Sprüche über Kinder nicht mehr so richtig lustig finde.
Als Vater will ich nicht bedauert werden, sondern höchstens beneidet. Kinder zu haben ist großartig.

Großartig!

G-R-O-ß-A-R-T-I-G!

Zweifellos ist das ganze manchmal anstrengend und doof und überhaupt. Aber zuweilen habe ich den Eindruck, wir zerreden in diesem Land alles. Und in den Medien der Öffentlichkeit am liebsten negativ. Klar: Die ätzendsten Kinder der Welt sind natürlich spannender, als die 98% normal-langweiligen. Und überspitzte Artikel die von genervten, überforderten Eltern handeln generieren mehr Klicks, als ein Vater der sagt: Hey! Ich find’s cool! Ich liebe Kinder.

Aber: Hey! Ich find’s cool! Ich liebe Kinder.

Himmel. Guckt mehr Bill Cosby.

2010-11-11 17.23.48