Eltern im Kindergarten.

24. Oktober 2015 3 Von Jan-Martin Klinge

DSCI0019Kollegin Henner erzählt in ihrem Blog von einem Elternabend im Kindergarten, bei dem die Eltern eingeladen gezwungen wurden, bis in den späten Abend hinein selbst zu erleben, wie sich Kindergarten anfühlt. Sie durften mussten nähen und basteln und allerlei.
Es ehrt die KindergärtnerInnen, dass sie Einblick in ihre Arbeitswelt geben wollen – es gibt eben doch einen Unterschied zwischen dem IKEA-Smaland und einem richtigen Kindergarten.

Aber – bei allem Respekt vor der Arbeit – ich hätte den Zirkus gewiss nicht mitgemacht, sondern hätte mich (höflich) verabschiedet.

Vor vielen Jahren, als meine Große in den Kindergarten ging, habe auch ich mich auf solche Elternabende gequält. Einmal stellten die Mitarbeiter eine neue Werkbank vor. Die Kinder dürften dort mit Hämmern und Nägeln und Zangen nach Lust und Laune werken und arbeiten. Um sicherzustellen, dass der Umgang mit dem Werkzeug beherrscht würde, hatten die Kindergärtnerinnen sich eine kleine “Prüfung” ausgedacht: Jedes Kind sollte seinen Anfangsbuchstaben mit Nägeln in ein Brett zimmern – danach dürfte es dann auch alleine loslegen.
Eine Mutter räusperte sich vernehmlich und hob die Hand. “Entschuldigung.. aber was ist, wenn mein Sohn diese Prüfung nicht schafft? Darf er sie dann noch einmal wiederholen?”

Bevor mein Verstand mein Mundwerk bremsen konnte, meldete auch ich mich ungefragt. “Ja”, warf ich nickend ein, “und was ist mit Prüfungsangst?”

Für den Technikunterricht in ihrer (mittlerweile) 5. Klasse habe ich ihr eine Entschuldigung geschrieben:

Carolina kann leider nicht am Technikunterricht teilnehmen, weil sie die Werkprüfung im Alter von 3 Jahren nicht geschafft hat.

(Sie geht – wie bei Kollegin Henner – auf meine eigene Schule und ich bin sehr gespannt, ob sich ihr Techniklehrer bei mir meldet.)