Aufstand der Mathelehrer

5. April 2017 2 Von Jan-Martin Klinge

Nach einem „Brandbrief“ von 130 Professoren und Lehrern über die schwachen Mathematikkenntnisse deutscher Schüler wird intensiv diskutiert. Auslöser war eine Vorabitur-Klausur, die in Hamburg katastrophal ausgefallen war: Von 3201 Oberstufenschülern hatte knapp die Hälfte eine Note schlechter als „4“ kassiert. Droht nach dem PISA-Schock von 2001 nun ein „Mathe-Schock“?

Während an anderer Stelle intensiv debattiert wird, steht mein wunderbarer zehnter Jahrgang kurz vor einem vorläufigen Schulabschluss. Einige Kinder werden die Schule verlassen und in das Berufsleben wechseln, andere hängen noch die Oberstufe dran und machen Abitur.

Das ist insbesondere (und auch vor dem genannten Hintergrund) bemerkenswert, als dass dieser Jahrgang der erste ist, der komplett ohne Mathematik-Schulbuch gearbeitet hat. All die Jahre haben wir das Buch nicht gebraucht und nur mit Lerntheken gearbeitet. Das ist ja durchaus spannend und wirft die Frage auf, ob man nicht – theoretisch – als Schule komplett auf den Posten „Mathematikbücher“ verzichten könnte.

Rechnet man je Buch 25 € bei einer Klassenstärke von 28 Kindern sind das im Laufe der Jahre 4200 € gewesen. Hochgerechnet auf eine vierzügige Schule wären das rund 16.000 € für Schulbücher im Fach Mathematik. Das ist eine Menge Geld.

Bemerkbar hat sich die unterschiedliche Form bei der Vorbereitung auf die Zentrale Abschlussprüfung. Fast alle Schüler haben sich ein Übungsheft gekauft und sind nach einigen Wochen des Arbeitens darin sehr genervt.
Gefühlt nimmt die Arbeit in dem Buch kein Ende. Jeder absolvierten Seite folgt eine weitere, Aufgabe reiht sich an Aufgabe. Als ich mich mit den Schülern unterhalte, bemerken sie von sich aus, dass sich die gleiche Arbeit in Form einer Lerntheke einfacher anfühlen würde. „Man könnte einfach Station für Station abarbeiten und wüsste, was man schon geschafft hat. Hier nimmt das kein Ende!“ seufzt jemand frustriert.

Je länger ich mit der Methode arbeite, desto bedeutsamer erscheint mir die „vorbereitete Lernumgebung“ als Schlüssel für erfolgreiches Arbeiten. Montessori hat das vor hundert Jahren schon ziemlich klug erkannt, als sie ihr Material farbenfroh und werthaltig gestaltete. Inzwischen ist es auch bei mir angekommen. 🙂

Während wo anders diskutiert und gestritten wird, veröffentlichen wir hier eine OER-Lerntheke nach der nächsten.