98. Erwerbsregel & Kollegah

98. Erwerbsregel & Kollegah

Kollege Kara und ich hatten ein ganz spannendes Treffen mit Vertretern vom Verlag Christiani bei mir auf der Terrasse.
Christiani ist ein Elektronik-Hersteller und Lehrmaterialanbieter aus Konstanz, die ihren Schwerpunkt bisher im Ausbildungsbereich sahen und ihr Portfolio nun in Richtung Schule erweitern wollen. Weil Kara und ich mittlerweile einige Bücher im Nischenbereich „Arbeitslehre Technik“ geschrieben haben, sind wir in den Fokus des Verlags gerückt.

Bisher publizieren wir bei Amazon als unabhängige Autoren und erhalten dafür 35% der Tantiemen. Christiani böte uns – wie jeder andere Verlag auch – nur 10% an. Im Gegenzug sind Bücher bei Christiani in jedem Buchhandel erhältlich, als Verlag sind sie auf diversen Messen vertreten und können ihre Bücher breiter vermarkten, als wir mit diesem Blog.
Komplizierter wird die Sache durch folgenden Aspekt: wir haben die Arbeitslehre Technik-Bücher als Reihe konzipiert. Wann immer man eines bei Amazon aufruft, werden unter „könnte Sie auch interessieren“ weitere Bände angezeigt. Mit jedem Buch, das uns ein Verlag abnimmt, verliert der Rest der Reihe an Wert. Via Amazon erhalten wir monatlich ein kleines Taschengeld – inwieweit wollen wir das riskieren?

Insgesamt war das Gespräch unglaublich freundlich. Zwar weder Sonnenbrille noch Limousine – aber dafür viele Gedankenspiele und Konzepte. Kara und ich erwähnten ein angedachtes Projekt und erhielten praktisch in die Hand einen Arbeitsauftrag. Ein toller Nachmittag – mal sehen, was langfristig daraus wird. Letztlich halte ich es aber wie der Barkeeper Quark und verweise auf die 98. Erwerbsregel der Ferengi: Jeder Mann hat seinen Preis.

Heute noch Quartalsnotenkonferenz bis 17 Uhr und morgen nochmal.
Habe heute im Unterricht die – medienbekannte – Kollegah und Farid Bang-Unterrichtsstunde durchgeführt. Den Satz „… mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen.“ an die Tafel geschrieben. Wirken lassen. Bilder von einem Bodybuilder und einem Auschwitzinsassen projiziert. Allerdings nicht mit gleichem Erfolg wie Jörg Heeb. Teile der Schüler können die Aufregung bis zum Schluss nicht nachvollziehen. Es sei halt „Gangster-Sprache“ und die ganzen frauenfeindlichen Gruppen würden auch ohne Widerspruch geehrt. Am Ende sind wir bei der klassischen Schülerfrage gelandet: Brauchen wir diese Gedenkkultur oder könne man die Geschichte nicht endlich abhaken?
Ich hätte gerne ein Fach wie Politik in meiner Klasse oder mehr Zeit, um die Sache tiefer zu durchdenken. Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich in meiner Jugendzeit von der Thematik ebenfalls ermüdet gewesen bin.

Ich selbst bin unschlüssig.
Die Ehrung empfinde ich als falsch und den deutlichen Widerspruch von u.a. Campino als richtig. Ob der mediale Fokus (zu dem ich – Ironie – mit diesem Artikel ja beitrage) – aber nicht einen ähnlich verstärkenden Effekt hat, wie der Medienfokus auf jede provokante Bemerkung der AFD… das weiß ich nicht. Vielleicht haben die Kinder ja recht und Schulterzucken, Abhaken und Ignorieren wäre die bessere Reaktion gewesen.

2 Replies to “98. Erwerbsregel & Kollegah”

    1. 10% kenne ich als das übliche Honorar für Schulbücher. Bei den großen Verlagen verteilt sich das dann oft noch auf ein großes Herausgeber- oder Autorenteam. Dafür wird das Buch dann auch professionell gesetzt und bebildert -in aller Regel. Am Ende läuft es dann meiner Meinung nach auf eine Geschmacksfrage heraus: Sind mir die 25% minus es wert, dass das Buch hochwertig layoutet und im Programm einer großen Fachpartners verfügbar ist? Letzteres kann den Umsatz ja auch noch mal ankurbeln. Es gibt also gute ARgumente für und wider.

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