Erziehung

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Meine jüngste Tochter hat ihr Lieblingskuscheltier im Kindergarten vergessen. Das ist traurig und sie unterdrückt mühsam ihre Tränen – nichts, was ich mit der Großen nicht auch schon erlebt hätte.
Während viele Kinder gar nicht genug Kuscheltiere um sich versammeln können, hat Amélie die amüsante Eigenart, dass überhaupt gar nichts in ihr Bett darf. Keine Spielzeuge, keine Kissen, keine Kuscheltiere. Alles fliegt in hohem Bogen runter.

Bis auf…

Bis auf eine kleine Eule.

Diese Eule habe ich nämlich eines Nachts einfach wieder ins Bett gelegt und als Amy am nächsten Morgen überrascht festgestellt hat, dass da ein kleines Stofftier neben ihr liegt, war der Schluss klar: „Diese Eule hat mich so lieb, dass sie wieder ins Bett geflogen ist!“

Und diese kleine Eule liegt nun im Kindergarten. Einsam. Allein. Und ohne Möglichkeit, durch die geschlossenen Fenster wieder zu uns zu fliegen.

Nach einem mehr oder weniger traurigen Abend bin ich spät nochmal losgefahren. Nicht zum Kindergarten – für einen Einbruch bin ich dann doch nicht mutig genug. Aber ich habe ihr ein neues Kuscheltier besorgt – eine große, gewaltige Biene. Und die lag – oh Wunder – heute Nacht einfach im Bett. Ein guter Start in den Tag!

Als ich sie einen Tag später abends dann jedoch ins Bett bringe, fliegt – huiiiii – die Biene in hohem Bogen vom Bett. Empört frage ich in meiner schönsten Bienen-Stimmen-Imitation, warum sie denn nicht auch neben der Eule schlafen dürfe? „Liebe Biene“, erklärt Amélie in geduldiger, säuselnder Stimme, „du darfst da auf dem Regal schlafen. Da ist es auch schön!“

Und das war ihr letztes Wort.

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