Bestechung [SiS]

„Kann ich Ihnen das Geld geben?“, ruft Sam quer durchs Klassenzimmer, kaum dass er mich erblickt.

Einmal im Jahr veranstaltet die Stadt Siegen einen gewaltigen Schülerlauf. Tausende Schüler nehmen daran teil und es ist jedesmal eine gigantische Gaudi. Zur Tradition gehört, dass alle Schulen in einheitlich farbigen T-Shirts kommen und dazu wird Geld eingesammelt.

„Herr Klinge? Wollen Sie jetzt das Geld?“ Sam streckt mir fünf Euro entgegen.
„Kommt darauf an“
, erwidere ich, „geht’s um die T-Shirts oder deine Zeugnisnote?“

Und aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Stefans Augen groß werden. Erstaunt wendet er sich an seine Nachbarin. „Was? Man kann seine Note kaufen?“

„Klar, vier für ne vier!“ sagt mein Mund, bevor mein Verstand es besser weiß. Das ich zusätzlich noch vier Euro in die Luft halte, macht es nicht besser.
Nach wie vor geht ein Großteil der Unterrichtsstörungen auf meine eigene Kappe. Ich verbringe lange Minuten damit, diesen Scherz richtig zu stellen und rechne den ganzen Nachmittag mit Elternanrufen. Meine Fünfer sind halt schon auch noch klein.

Außerdem heute: Eine Kollegin hospitiert in meinem Unterricht und spielt mit mir Nachbesprechung durch. Aus ähnlichen Gründen wie ich vergangenes Jahr. Warum habe ich was wie gemacht?
Die Rückkehr in die Referendarsrolle war durchaus nicht nur schön – aber gewinnbringend. Ganz doof ist mein Unterricht wohl nicht, aber es tut trotzdem gut, mal einen frischen Blick drauf zu werfen und ein paar kritische Gedanken zu hören.

Morgen bekomme ich Besuch aus dem #Twitterlehrerzimmer. Das wird gewiss aufregend und ich freue mich sehr.

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