Unterrichtsprojekte im Herbst

Wann immer ich eine fünfte Klasse in Technik habe, beginne ich den Kurs im Herbst mit einfachen Laubsägearbeiten. Nachdem wir unterschiedliche Sägen kennengelernt und das Einspannen des Sägeblatts geübt haben, sammeln die Kinder draußen Herbstblätter. Die dienen anschließend als Vorlage für einfache Sägearbeiten.

In dieser Hinsicht ist Technik ein ganz wunderbares Fach: Es ist – im Unterschied zu vielen anderen Fächern – nicht so sehr durch curriculare Vorgaben eingeengt. Jeder Lehrer verfolgt andere Projekte und alle haben ihre Daseinsberechtigung.
Schön ist jedes Jahr, die Kinder im Technikunterricht mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Die Atmosphäre ist oft entspannter und nicht so gehetzt. Immer wieder erzählen mir Kinder ganz stolz, dass sie häufiger mit ihrem Opa im Keller schon gesägt hätten. Hin und wieder habe ich echte Experten, die mit ihren 11 Jahren schon perfekte Arbeiten abliefern. Da kann man auch als Lehrer nur staunend applaudieren.

Heute haben wir die Blätter noch geschmirgelt und die Sägekanten bearbeitet, außerdem ein kleines Loch hineingebohrt und sie anschließend mit Wasserfarben angemalt. Am Freitag in der Klassenlehrerstunde werden wir sie dann im Klassenraum aufhängen, wo sie uns einen schönen, herbstlichen Himmel liefern.

Die letzte halbe Stunde habe ich mit der der sogenannten Hui-Maschine verbracht.

Dabei handelt es sich um einen kleinen Propeller, der – wenn man den Kniff kennt – mit einem Reibestab angetrieben werden kann. Ohne den Kniff reibt man sich einen Wolf und nix passiert. Der Spaß liegt darin, die Maschine möglichst theatralisch vorzuführen. Sie funktioniert natürlich „nur wenn es ganz leise ist“ und prüft „die Jedi-Kräfte“ von jedem einzelnen. Noch besser geht es, wenn man mit einem Bein aufstampft und dabei wild „Hui Hui Huiiiiiiii“ ruft.
Jedesmal weihe ich ein, zwei Schüler vorher ein, die auch jedesmal begeistert in den Spaß einsteigen. „Nimm dir ein Beispiel an Sabrina“, rufe ich dann den verzweifelten Schülern zu, die mit dem Holzstab auf und abreiben, als wollten sie Feuer machen. „Genau“, bestätigt Sabrina grinsend, „du musst zu dem Stäbchen werden!“
„Ich bin ein Stäbchen! Ich bin ein Stäbchen“
, intonieren einzelne Schülerinnen wie eine sakrale Formel – hin und hergerissen zwischen der Ahnung, dass sie verschaukelt werden und dem ernsten Versuch, den Propeller ans Kreisen zu bringen.

Ich mag solche Stunden gerne. Es wird viel gelacht und die Bindungen zwischen den Schülern gestärkt. Zum Nachbauen ist die Hui-Maschine für die 5er zu schwer (wenn sie den ordentlich aussehen soll). Das ist aber bei mir das erste Projekt, das ich mit einem Wahlpflichtkurs in der 6 durchführe.

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