Zum Inhalt springen

Wie man in den Wald hineinruft…

Das Ende der Woche markiert an meiner Schule die Klassenlehrerstunde. Dort werden die Lernzeiten ausgewertet und die Woche reflektiert. Meine Co und ich nutzten den Tag heute, um mit einer „Was war das Schönste in dieser Woche“-Runde abzuschließen. Nur allzu leicht geht in den täglichen Sorgen und Auseinandersetzungen zwischen den Kindern verloren, wie viel Spaß Schule eigentlich macht.

Es tat allen gut, diese Geschichten zu hören. Lara hat sich diese Woche in der Bibliothek in den Büchern verloren, Lars mit Theodor soviel Unsinn gemacht, dass er Bauchschmerzen vor Lachen bekam. Alle kichern, als sie die verschiedenen Anekdoten hören. Auch mir fallen viele Momente dieser Woche ein, die ich gerne bewahren möchte – einen (profanen) möchte ich erzählen, der passenderweise heute passierte.

Eltern werden das Phänomen kennen, dass die eigenen Kinder irgendwann die gleiche Sprache, die gleichen Sätze benutzen, wie ihre Eltern. Das sind oft Momente schamhafter Erkenntnis. Im Mathematikunterricht erzählte ich die Geschichte einer meiner Schülerinnen, die 167 € geschenkt bekommen habe und nun einkaufen würde. Stinkige Socken für 5 €, eine löchrige, rosafarbene Hose für 51 Euro und so weiter. Dazu ein passendes Tafelbild.

Wie man in den Wald hineinruft... 1

Da räuspert sich Marlon vernehmlich und ruft frech in den Klassenraum „167 was, Herr Klinge? Äpfel? Kühe? Liter?“

Alle johlten, den er hatte mich perfekt imitiert. Es sind diese Momente, die mich immer wieder daran erinnern, wie großartig dieser Beruf oft ist. Und wie sehr von Beziehung abhängig. Kinder, die sich trauen, mich zu veräppeln, kommen gern in meinen Unterricht. Wenn zwischendurch gelacht wird, dann ist es eine gute Stunde.

3 Gedanken zu „Wie man in den Wald hineinruft…“

  1. Sehr schön! Ich bin berühmt dafür gerne „quasi“ in die Sätze einzustreuen. Und ich reagiere auf das berühmte „Kann/Darf ich bitte den Stift?“ mindestens ebenso barsch wie du 😉

  2. So ist es. Schule ist lernen, aber muss auch ganz viel lachen sein.

    Heute bei meinen Erstis:

    Probe für eine kleine Weihnachtsaufführung. Das Wort „bange“ ist vielen unbekannt, kommt aber in dem nicht ganz ernst gemeinten Gedicht über 1o Weihnschtsmänner vor.
    Nachdem wir den Begriff inhaltlich erkundet haben, sollen meine Erstis zeigen,wie „bange sein“ sich im Gesicht als Gefühl zeigt.
    Meine Schülerin zu mir:
    „Guck mal so, wie wenn du streng bist mit uns. Ich meine so….“
    Sie macht meine Gestik und Mimik wunderbar nach, wenn ich denn meine Erstis ein wenig zur Ruhe bringen muss. Lacht gleichzeitig und meint: „Jetzt ist allen bange“.

    Dafür liebe ich meinen Job. Das wärmt mein Herz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.