Tabletschule im Aufbau #15: Vorbereitungen

Gestern war Elternsprechtag. Das sind gemeinhin anstrengende, aber auch sehr befriedigende Tage. Da ich meine Schüler alle sehr mag, ist das eine gute Grundlage für den Elternsprechtag. Als Lehrer vergessen wir manchmal, dass der Ort „Schule“ für viele Eltern mit Angst und Schrecken und Demütigung verbunden ist. Unbewusst verfällt man an einem solchen Ort leicht in alte Handlungsmuster und darum ist es mir umso wichtiger, in jedem Gespräch meine Wertschätzung deutlich auszudrücken.

Dieses Jahr wurde ich aus der Routine etwas herausgeholt: Seit dem Sommer haben wir in der kompletten fünften Jahrgangsstufe Tablets eingeführt. Natürlich mit Unterstützung der Eltern und Kinder – aber nach einigen Wochen (sozusagen „after the buzz“) ist der Zauber verflogen und Alltag eingekehrt. So war ich dann doch gespannt auf die Rückmeldung der Eltern. Folgt nun die große Ernüchterung? Erste Beschwerden und ein Ende der Geduld?

Doch es herrscht sehr, sehr große Zufriedenheit über die Arbeit. Unsere Eltern sehen nicht nur die Notwendigkeit digitaler Werkzeuge – viele Berufe, die die Kinder später ergreifen können, gibt es heute noch gar nicht – sie sind auch begeistert über das komplette Konzept. Tatsächlich ist mir keine einzige negative Stimme zu Ohren gekommen (aber vielleicht höre ich selektiv?!). Am Ende eines sehr langen Arbeitstages sind wir erschöpft, aber auch ermutigt, weiterzugehen.

Einen wesentlichen  Aspekt des Gelingens unserer Arbeit schreibe ich der intensiven Vorbereitung zu. Wir haben sehr viele Stunden in die Konzeption unserer Arbeit gesteckt. Nach dem Interesse der Eltern, nach dem Votum durch die Lehrerkonferenz und nach der Entscheidung der Schulkonferenz, Tablets als Lernmedium einzuführen, folgte die heiße Phase der direkten Vorbereitung.

Wir hatten beschlossen, die neuen 5er erst einmal ohne Tablets ankommen zu lassen. Erst einmal die Schule kennenlernen, die Lehrer, die neuen Freunde. Und dann, nach drei, vier Wochen wollten wir mit den digitalen Werkzeugen loslegen. Dies bedeutete gleichermaßen, dass wir genügend Zeit hatten, uns als Kollegium fortzubilden und vorzubereiten.

Diese Vorbereitung fiel letztlich deutlich geringer aus, als befürchtet:

  • über unser Kommunikationstool „Teams“ wurde von jedem Lehrer für jedes Fach ein Team samt Kursnotizbuch erstellt.
    Das Gute: Teams kannten alle Kollegen schon. OneNote auch. Damit hatten wir die letzten 10 Monate intensiv gearbeitet.
  • Aus den Notizbüchern wurden jetzt Kursnotizbücher. Die Zusatzfunktionen erschließen sich fast von allein. Letztlich geht es um genau einen Knopf, der noch hinzukommt: „Seite an alle Schüler verteilen.“
  • Wie kommen die Kinder an ihre Notizbücher?

Im Nachhinein besonders spannend war, dass wir diese Fortbildung nicht zentral durchgeführt haben. Statt dessen kannten sich einige Kollegen aus, die ihr Wissen weitergegeben haben. Ohne eine gemeinsame Konferenz, ohne nachmittägliche Belehrung wussten alle Kolleginnen und Kollegen nach wenigen Tagen, was zu tun wäre und waren bereit auf die Kinder.

Und obwohl wir uns mindestens vier Wochen Zeit nehmen wollten, scharrten Eltern und Kinder schon nach zwei Wochen mit den Hufen. „Hört mal, Freunde, jetzt haben wir schon die Tablets! Wann können wir denn endlich loslegen?!“

Also ging es los! Und die ersten Tage sollten aufregend werden.


In meiner Reihe „Tabletschule im Aufbau“ beschreibe ich, wie meine städtische Gesamtschule vorgegangen ist, um Tablets intensiv in den Schulalltag einzubinden. Die gesamte Reihe findet sich hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.