Die ersten Tage unserer Tabletklassen gestalteten sich als herausfordernd und wären ohne die Vorbereitung chaotisch verlaufen. Meine Schule, eine städtisch geprägte Gesamtschule im Süden NRWs, vollzieht gerade den Wandel hin zu einer durch und durch digitalisierten Bildungseinrichtung. „Zeitgemäßes Lernen“ nennen wir das. Um diesen Prozess zu illustrieren und den ein oder anderen interessierten Kollegen mit auf diese Reise zu nehmen, habe ich im Mai mit einer Artikelreihe begonnen, überschrieben „Tabletschule im Aufbau“. Alle Artikel findet man hier.

Vor den Sommerferien war die Entscheidung gefallen, den ganzen Jahrgang mit Tablets ausstatten zu lassen. Die Kooperation mit einem örtlichen Elektronikhändler war eingefädelt, die Elternbriefe verschickt worden.
Die ersten Tage und Wochen wollten wir jedoch erst einmal ohne Tablets starten. Die Schülerinnen und Schüler sollten zunächst die Schule kennenlernen. Wie heißen alle meine Lehrer nochmal? Wo ist die Mensa? Was kann ich in der Mittagspause alles tun? Die Kinder sollten entspannt ankommen und nicht noch zusätzlich durch die Tablets gefordert werden.

In der Praxis zeigten sich Kinder und Eltern aber eher ungeduldig. „Och, noch sooo lange?“ wurde gemurrt, als wir sie immer wieder vertrösteten. Na klar, die hatten Lust, endlich loszulegen und – wenn wir ehrlich waren – auch wir Lehrer scharrten mit den Hufen.
Dabei war der Einstieg durchaus heterogen: Alle Eltern hatten eine kleinschrittige Anleitung erhalten, die detailliert vorgab, wie die Geräte einzurichten waren.
Einige waren der Anleitung auch gefolgt und konnten schon loslegen; andere brachten das Gerät originalverschweißt mit in die Schule. Diese extreme Heterogenität war in den ersten zwei Wochen der Einführung sehr herausfordernd. Neben dem eigentlichen Unterricht mussten wir mit den Kindern gemeinsam die Surfaces einrichten und verschiedene Hürden kosteten viel Zeit und Geduld:

  • Einige kannten ihre Office-Passworte nicht – die zugeschickten Briefe waren nicht dabei oder verbummelt worden.
  • der ersten Aufforderung, sich ein neues Passwort zu suchen, waren manche Kinder schon gefolgt – hatten dieses neue Passwort aber sofort vergessen, so dass sie sich an anderer Stelle nicht mehr anmelden konnten.
  • einige hatten mit ihren Eltern Display-Sperren eingerichtet und dann dieses Passwort vergessen

Dafür gingen einige Stunden drauf. Wichtig war an dieser Stelle: Viele Kollegen sind fähig, die Geräte einzurichten und zurückzusetzen – so verteilt sich die Arbeit etwas.

Das Schul-Wlan sollten die Kinder erst einmal nicht kennen – also wurden mit den Lehrercomputern kleine Hotspots erstellt. Später nutzten wir einen alten WLAN Router, der als AccessPoint ein eigenes, passwortfreies WLAN erzeugte und den Kindern ermöglichte, morgens synchronisieren. Der Router lässt sich bequem abschalten, ohne groß die Schule neu administrieren zu müssen

Nach ein paar Tagen lief es dann. Die Kinder lernten ganz schnell und begannen auch, sich gegenseitig zu helfen. Für das kommende Jahr werden wir eine kleine Schüler-IT-Firma gründen, die uns Lehrkräfte dann unterstützen wird.