Diese Woche können sich die neuen Fünftklässler bei uns an der Schule anmelden. Maßgeblich dafür verantwortlich an einer weiterführenden Schule ist der Unterstufenkoordinator bzw. Abteilungsleiter 1 – also ich. Dabei geht es letzten Endes immer um Zahlen: Werden viele Kinder angemeldet, kann eine Schule gesund arbeiten, werden zu wenige angemeldet, droht eine Schließung. Also wird im Vorfeld geworben, Medienauftritte gesucht, der Tag der offenen Tür genutzt und viel Energie in die Außendarstellung gesteckt.
All diese Dinge müssen von den Lehrerinnen und Lehrern einer Schule vollbracht werden. „Lehrer sein“ bedeutet also heute nicht nur „Kindern was erklären“, sondern auch viel mehr.

Die vergangenen zwei Tage habe ich von morgens bis abends viele Dutzend Gespräche geführt. Kleine Interviews mit zukünftigen Schülerinnen und Schülern und interessante, aufregende und oft herzliche Gespräche mit den Eltern. Wie auch im letzten Jahr fragen wir alle, ob sie Interesse haben, ihr Kind in eine Tabletklasse zu setzen. Das ist für uns als Schule ein ganz spannender Moment: Klar, das Feedback durch die Schüler, deren Eltern und Kollegen ist durchweg positiv. Aber wie sehen die neuen Eltern das? Schaffen wir es, auch im kommenden Jahr eine, zwei oder vielleicht wieder vier Tabletklassen zu realisieren? Das ist aufregend.

Die nächsten zwei Tage mit Anmeldungen werden noch lang und anstrengend. Kurz denke ich an jene Eltern, die ihre Kinder voller Hoffnung auf den örtlichen Gymnasien anmelden und dann abgewiesen werden oder nach zwei Jahren verzweifelt bei uns anrufen und nach einem Platz fragen (den es dann nicht gibt). Wärt ihr mal von Anfang an dagewesen, denke ich dann immer. Jedes Jahr habe ich solche Anrufe.

Zwischendurch sind meine eigenen Unterrichtsstunden eine willkommene Abwechslung von der Schulorganisation. Heute haben sich meine Fünfer in einem Wettstreit befunden, wer wohl länger leise sein könne: die Mädchen oder die Jungs.
Das waren wunderbare erste zehn Minuten. Etwas gruselige weitere fünf Minuten aber danach hatte ich dann die Faxen dicke, weil niemand mehr auf Fragen geantwortet hat. Nur Nicken, Kopfschütteln oder Schulterzucken war drin. Also begann ich vorne Unsinn zu machen. Schrieb Worte völlig falsch an die Tafel und sprach von der „Dummibärenbande“, zog Grimassen und sinnierte, wer hier wohl der „Oberdummibär“ sei.
Endlich prustete jemand lauthals und Sekunden später herrschte lautes Gelächter und Gejohle im Klassenraum. Endlich benahmen sie sich wieder so, wie es sich für eine fünfte Klasse gehört. Meine Güte! Die habe ich ganz besonders gern!