Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und während wir versuchen, zwischen rollierenden Systemen, Fern- und Präsenzunterricht und der allgemeinen Arbeitsbelastung das Gleichgewicht nicht zu verlieren, laufen die Vorbereitungen für das neue Schuljahr und es lässt sich konstatieren: Der Aufbau einer Tabletschule ist abgeschlossen. Aber wie geht es weiter?

Aufbau abgeschlossen

Vor zwei Jahren haben wir als Gesamtschule im Aufbau den Schritt gewagt, digitale Schule zu werden. In meiner Reihe hier im Blog habe ich diesen Prozess beschrieben und er ist von vielen tausend Lesern positiv aufgenommen worden. Haben wir vor anderthalb Jahren im Kollegium mit „Leserechten“ und behutsamen Schritten begonnen, besitzt heute das halbe Kollegium Administratorrechte um Benutzerkonten zurückzusetzen und Passworte zu verteilen. Ohne Ausnahme jonglieren alle mit verschiedenen Programmen, kooperativen Arbeitsformen und ausnahmslos alle können den Kindern bei technischen Schwierigkeiten zur Seite stehen.

Unser Wandel überzeugt: Im zweiten Jahr in Folge haben sich bei der Anmeldung alle Eltern des neuen fünften Jahrgangs dafür ausgesprochen, ihr Kind mit einem Tablet (aus Gründen wählen wir das Surface Go 2) auszustatten und sie wissen auch: Im Siegener Raum ist die Gesamtschule auf dem Schießberg allen anderen Schulen in Sachen „zukunftsorientiertes digitales Arbeiten“ weit voraus.

Wir sind keine „Tabletschule im Aufbau“ mehr. Der digitale Wandlungsprozess ist abgeschlossen. Das begeistert mich nach wie vor – führt aber zu einer spannenden Frage:

Was nun?

Gefahr des Rückfalls

Die letzten Wochen der Schulschließung haben uns gezwungen, unsere gewonnenen Fähigkeiten und Kompetenzen intelligent einzusetzen und sinnstiftenden Fernunterricht durchzuführen. Damit haben wir – mit großer Zufriedenheit bei Kindern, Eltern und Kollegium – diese Zeit bewältigt.

Es wäre jedoch bedauerlich, wenn sich nun in unseren Köpfen festsäße, „digitale Werkzeuge sind ja nützlich, um eine solche Krise zu überwinden – aber wenn die einmal vorbei ist, können wir endlich wieder zurück zum Kerngeschäft kommen.“

Tatsächlich sehe ich diese Einschätzung an vielen Schulen kommen: Nach der Krise werden wir in alte Verhaltensmuster fallen. Der ein oder andere Kollege mehr als vorher wird nun „Padlet“ in sein Repertoire aufgenommen haben – aber in zwei Jahren sind wir wieder im normalen Schulalltag angekommen.

Schulentwicklung

Andererseits bietet sich nun eine fantastische Möglichkeit: Viele Lehrerinnen und Lehrer haben in den letzten Wochen extrem viel über digitale Werkzeuge und Möglichkeiten gelernt. Das vernetzte #Twitterlehrerzimmer wächst immer weiter an und bietet mehr Austausch als je zuvor. Waren digital-kooperative Arbeitsformen, Videokonferenzen und asynchrones Lernen vor einem halben Jahr noch Begriffe einer pädagogischen Blase, kann sich heute jedes Kollegium darunter etwas vorstellen.

Wie tragisch wäre es, wenn die gewonnenen Kompetenzen nicht weiter genutzt würden!

Aufgabe einer Schulleitung ist neben den zahlreichen organisatorischen Dingen (Schulleiter Thomas Kuban gibt einen detaillierten Einblick in seine letzten Wochen), auch die Entwicklung der eigenen Schule. Immer wieder sitzen wir im Team zusammen und überlegen nicht nur „Was ist unsere Idee von guter Schule?“ sondern auch „Wie können wir uns in diese Richtung bewegen und dabei das Kollegium und die Schüler mitnehmen?“

Diesen nächsten Schritt gehen wir jetzt.

Und das beste: Ich werde euch einfach mitnehmen in diesen Prozess. Euch an dieser Stelle davon erzählen, euch zuhören und eure Ideen und Kritik in diese Entwicklung einfließen lassen. Es ist Zeit für eine neue Reihe hier im Blog und eine neu gedachte Schule.

Ich kann es kaum erwarten.