Vor vier Jahren habe ich mit dem Bau meines Hühnerhauses begonnen, seit drei Jahren steht es in meinem Garten. Immer noch grundsolide. Vor einigen Monaten habe ich das Dach mit Teerpappe verstärkt, ansonsten musste nichts gemacht werden.

Leider ist das Dach dadurch arg schwer geworden – die Kinder können es nicht mehr anheben. Das bedeutet, ich muss jeden Tag nach Eiern schauen und ich muss den Hühnerstall saubermachen. Wenn das Dach je jemandem (also mir!) beim hineinbeugen auf den Rücken kracht, dann war es das auch.

Im Haus eines richtigen Physik- und Techniklehrers ist das eigentlich ein Unding. Und da im Augenblick die Schulen geschlossen sind und ich seit Mitte März schon Sommerferien bei vollem Gehalt genieße, bleibt genug Zeit, sich Gedanken für einen Umbau zu machen1.

Von der Seite betrachtet ist mein Hühnerhaus ein ummantelter Tisch, dessen Dach sich wie bei einem Kofferraum an einer Seite hochklappen lässt:

 

Ein Kofferraum lässt sich mittels hydraulischer Zylinder öffnen – aber dafür ist es nun zu spät. Ich müsste das Dach komplett neu konstruieren und das ist es wahrlich nicht wert: Da sammel ich lieber Tag für Tag die Eier selbst ein.

Aber: Es bleibt ja die Rückbesinnung auf die klassische Mechanik. Über eine Seilwinde und zwei Umlenkrollen könnte ich ein Gewicht auf der Rückseite des Hauses so anbringen, dass sich das Dach quasi von alleine hebt. Einladung statt Todesfalle.

Ich diskutiere die Idee mit meinem Schwiegervater, der brummelnd zustimmt. Das ginge natürlich. Die Frage sei nur, ob ich das hinbekäme.

Ich erkenne Autorität an und wer bin ich, mich mit einem Handwerker von altem Schlag zu messen?

Während ich mich an den Schreibtisch setze und rechne, schöne Skizzen entwerfe und mir überlege, wie man das theoretisch am besten baut – legt mein Schwiegervater einfach los. Er brauche keine Physik. Er habe Erfahrung!

Ich schnaube empört und werfe mit etwas Tafelkreide (die ich wegen der Schulschließung ja nicht brauche) nach ihm.

Aber: Das Ding steht. Auf der Gaube des Hühnerhauses haben wir zur Stütze noch eine Querstrebe angebracht, so dass sich das Dach nun mühelos mit einer Hand heben lässt.

Es ist fantastisch. Wie in einem dieser alten Indiana Jones Filme. Das Gewicht ist genau so drapiert, dass es sich beim Senken mit der Dachkante der Rückseite verhakt und das Dach stabil in der Luft hält. Insgesamt ist das sicher annähernd eine halbe Tonne Holz und Beton und alles.

Ich liebe es.

Und seit ich mit dem Hund die Hühner eintreiben kann (seht euch unbedingt das Video an – ich bin so stolz), liebe ich es noch mehr.

1: Wirklich? Braucht es wirklich eine Fußnote?