Zu den Aufgaben einer Schulleitung gehören neben der Organisation des Schulalltags auch das Mitgestalten und Umsetzen von Schulpolitik. Dazu hatte ich diese Woche mehrfach Gelegenheit.

Masken im Unterricht

Die zweite volle Schulwoche liegt hinter mir und ich blicke zufrieden zurück. Wider meiner Befürchtungen und trotz Covid-19 verläuft der Schulalltag völlig problemlos. Die Schülerinnen und Schüler halten sich an die Hygienevorschriften und obwohl ich nach den ersten Tagen die Maske verfluchte, ist die Akzeptanz mit sinkenden Temperaturen bei allen beteiligten deutlich gestiegen. Präsenzunterricht ist halt für viele Kinder, gerade an städtisch geprägten Schulen, unersetzbar.
Obwohl es im Stadtgebiet durchaus einige Coronafälle zu verzeichnen gibt, haben wir bisher weder Klassen noch Kollegen in Quarantäne entlassen, was in meinen Augen letztlich die Achtsamkeit aller Beteiligter bestätigt. Die Ankündigung der Schulpolitik, ab kommender Woche die Maskenpflicht im Unterricht auszusetzen, betrachte ich daher kritisch: Ja, sie sind unbequem. Ja, man kann deutlicher sprechen. Ja, man schwitzt darunter.

Aber: Bewertet man das Tragen einer MNS-Maske nach wissenschaftlicher Faktenlage, kommt man zu einem anderen Schluss: Eine Studie der Universität Washington hat Anfang August festgestellt, dass das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit in den USA bis zum Ende des Jahres 70.000 Tote verhindern könnte (Link). Eine Studie, die knapp 200 Länder weltweit verglichen hat (Link) kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Länder mit Maskenpflicht bedeutend niedrigere Todesraten haben. Entsprechend haben die WHO (Link) und das Robert-Koch-Institut (Link) auch das Tragen von Masken in der Corona-Krise dringend empfohlen.

Es läuft insgesamt deutlich besser als befürchtet – die Schulen habe sich nicht binnen weniger Tage zu Hotspots entwickelt. Warum dann diese Entscheidung aus der Schulpolitik? Hm.

Einige Schulen versuchen bereits, diese Entscheidung mithilfe der Schulkonferenz und der Elternvertreter an ihrer Schule zu revidieren. Und es ist auch klar, weshalb: Wenn sich in einer typischen Klasse dann eine Handvoll Schüler findet, die keine Lust mehr auf die Maske hat, werden die Hürden bei den anderen ganz schnell fallen: „Nützt ja eh nix, wenn Julius, Paul und Adam auch keine Maske tragen.“
Rechtlich ist die Umsetzung über die Schulpflegschaft aber schwierig: Ähnlich wie das Verbot einer Jogging-Hose kann ich die Kinder nicht zwingen, eine Maske zu tragen – erst recht nicht, wenn das Ministerium eine Pflicht ausdrücklich beendet. Der Widerspruch, im Klassenraum Seite an Seite dürften 30 Kindern zwar ohne Maske, dafür aber ausgerechnet auf dem Hof an der frischen Luft nur mit Maske umherlaufen, wirkt irritierend.

Mal schauen, ob es am Wochenende diesbezüglich noch einen genaueren Erlass gibt.

Schulpflegschaftsabende

Davon ab: Die ganze Woche Schulpflegschaftsabende. Eher spärlich besucht, weil auf mehrere Tage verteilt. Hier und da wurden die Abende per Stream in die heimischen Wohnzimmer geschickt, so dass eine Teilnahme erleichtert wurde. Insgesamt viel Lob für unsere Arbeit und deutliche Unterstützung sowohl für den Weg, digitale Schule zu werden als auch Projektunterricht in den Fokus zu rücken. Trotz der schweren Zeit empfand ich den Abend mit meinen Eltern als überaus angenehm. Es wurde gescherzt und gelacht, Fragen beantwortet und die Planung der nächsten Jahre besprochen. Hach.. ich liebe meine Eltern!

Schulpolitik & Bürgermeister

Heute hatten wir dann noch einmal hohen Besuch: Der Bürgermeister der Stadt Siegen, Steffen Mues, hatte mit weiteren Vertretern von Stadt und Wirtschaft die Möglichkeit ergriffen, uns einen Besuch abzustatten.
Ein solches Ereignis ist, aus Schulleitungsperspektive, immer auch mehr als nur ein Höflichkeitsbesuch. Eine gute Schule kann mit ihrer Strahlkraft einen ganzen Stadtteil positiv prägen und kann in ihrer Bedeutung nicht groß genug geschätzt werden.
Noch über unserem Ziel, Tabletschule zu werden und unsere Schülerinnen und Schüler durch Projektunterricht mit zukunftsrelevanten Kompetenzen auszustatten steht genau dieses: Wir wollen den Norden der Stadt entscheidend prägen. Eine Anlaufstelle sein.

Das sieht auch die Stadt so, mit der wir in intensivem Kontakt stehen. Die Besichtigung der täglichen Arbeit unserer Klassen geriet denn auch zum Spektakel: Hier wurden Klassenfahrtsziele an die Wand projiziert und via Live-Videoschaltung in den Raum weitere Informationen von einem abwesenden Schüler geholt. Einen Raum weiter besprachen Schüler ihre Projektplakate, steuerten wie selbstständig von ihrem Platz den Beamer an und vergrößerten, bemalten und skizzierten ihre Ideen vor aller Augen. Technik, die von 11jährigen Kindern wie selbstverständlich als Werk- und nicht als Spielzeug eingesetzt wird.

Schulpolitik bedeutet auch, bei solchen Besuchen unsere Vision von guter Bildung aufzuzeigen. Zu demonstrieren, wie intelligent, effektiv und zielorientiert bei uns gearbeitet wird und welch immensen Einfluss die Förderung unserer Arbeit auf das Leben zahlreicher Kinder hat. Als kleine Gesamtschule im Aufbau können wir nicht auf die Erfahrung und Ressourcen der anderen, großen Schulen zurückgreifen – wir müssen uns doppelt anstrengen, lauter rufen, besser organisieren um mit den Großen mithalten zu können.
In jedem Fall hat uns die geschenkte Aufmerksamkeit ermutigt, nicht nachzulassen, sondern unseren Weg weiterhin zielstrebig zu verfolgen.

Ausblick

Die nächsten Wochen bis zu den Herbstferien sind von nun an gespickt mit Highlights, auf die ich mich allesamt sehr freue: Zunächst darf ich Montag eine Fortbildung bei Ulrich Krämer genießen. Ehrlicherweise sind meine Erwartungen daran so hoch, dass ich praktisch nur enttäuscht werden kann. Aber dieses Meta-Wissen hilft mir nicht: Das muss einfach herausragend werden!